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14. Januar 2017

Varel

19

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Dieses Auftreten war beschämend

Die

Einwohnerfragestunde

im letzten Ausschuss für Stadt-

entwicklung, Planung und Um-

weltschutz war schlicht be-

schämend. Beraten wurde über

den Antrag, eine Pflegeeinrich-

tung für Schwerstbehinderte in

der Sielstraße einzurichten.

Dangaster Bürger nutzten ihr

gutes Recht, Fragen zum Thema

zu stellen. Über die Herausnah-

me des Grundstücks aus dem

Landschaftsschutzgebiet sei-

tens des Landkreises Friesland

waren sie verärgert – auch das

ist ihr gutes Recht.

Aber: diese Entscheidung

wurde im Rahmen des üblichen

demokratischen Verfahrens im

Kreistag getroffen und das so-

gar einstimmig.

Fakten, die für die meisten

der anwesenden Bürger offen-

bar nicht zu akzeptieren waren:

Praktisch jede Frage wurde mit

einer Unterstellung, einem Vor-

wurf oder einer im vorhinein ne-

gativen Wertung formuliert. Ob-

wohl der Ausschussvorsitzende

Sascha Biebricher um Sachlich-

keitundStrukturbemühtwar und

Stadtplaner Olaf Freitag auch

auf provozierende Fragen mit

Ruhe und Gelassenheit reagier-

te, blieb die Stimmung bei den

fragenden Bürgern verbittert.

Es ist nur zu wünschen, dass

die Menschen und ihre Fami-

lien, die einmal in diesem Hau-

se leben werden, nie erfahren,

mit welchen Vorbehalten die-

ses Projekt seitens der anwe-

senden Bürger beurteilt wurde.

Sicher wird jetzt entgegnet

werden: Wir haben nichts ge-

gen die Menschen, die dort

einmal untergebracht werden

– nein es geht nicht nur darum.

Mindestgrundlagen von Re-

spekt, Anstand und Höflichkeit

blieben im Umgang mit dem

Investor, dem Betreiber, den

Mitarbeitern der Verwaltung

und den Ratsvertretern auf der

Strecke.

Gerade auch die Bereitschaft

sich über ein Vorhaben zu infor-

mieren, bevor man sein eige-

nes Urteil fällt, war an diesem

Spätnachmittag nicht zu spüren

– wahrlich keine Sternstunde

des bürgerschaftlichen Engage-

ments.

Anke Kück

Kommentar

Aufregung und Vorwürfe in der Einwohnerfragestunde

Ausschuss stimmt Bau einer Pflegeeinrichtung in der Sielstraße zu

Varel.

In der Sielstraße 24 soll

eine Einrichtung für Schwerst-

pflegebedürftige entstehen. Das

Haus in dem diese Platz finden

soll, ist ein baufälliges Gulfhaus

das unter Denkmalschutz steht

und zu dem früher auch eine

Scheune gehörte.

Am Mittwoch wurden die Plä-

ne im zuständigen Ausschuss

vorgestellt und schließlich auch

mit großer Mehrheit geneh-

migt. Lediglich Cordula Breiten-

feld stimmte mit „Nein“ und Si-

grid Busch (Grüne) enthielt sich

der Stimme.

Eigentlich ist ein solcher Sach-

verhalt nichts ungewöhnliches

– in der vorangegangenen Ein-

wohnerfragestunde wurden die

vorgebrachten Fragen allerdings

in einer aufgeregten und sehr auf

Konfrontation

ausgerichteten

Form gestellt.

Mehr dazu in unserem geson-

derten Kommentar.

Nun zu den Fakten: Geplant

sind Räume für eine Wohnge-

meinschaft für Menschen die

eine Intensivpflege benötigen

sowie Ferienwohnungen in de-

nen betroffene Familien Urlaub

machen können. Investor ist das

Unternehmen Hoppmann aus

Wiefelstede, dessen Geschäfts-

führer Gerhard Hoppmann hat

ganz persönliche Beweggründe

für das Engagement: „Mein Va-

ter war selbst über sieben Jahre

schwerstpflegebedürftig – das

bedeutete, dass auch meine

Mutter in dieser Zeit praktisch

keinen Urlaub mit ihm gemein-

sam machen konnte. In ganz

Deutschland gibt es nur ganz

wenige solcher Angebote. Als

ich dieses Objekt hier in Dan-

gast gesehen habe, war mir klar.

dass das Gulfhaus aus dem Jah-

re 1840 genau das Richtige für

ein solches Projekt wäre.“ Als

Betreiber der Einrichtung konn-

te der Paritätische Wohlfahrts-

verband Friesland gewonnen

werden. Dessen Geschäfts-

führer Wolf Kulawik erläuterte

weitere Einzelheiten: „Es ist

wichtig, dass man Angebote für

Schwerstkranke an Orten hat,

an denen man auch selbst gerne

Urlaub machen würde. Wir wol-

len dieses Haus mit Leben füllen

und hoffen sehr auf ihre Unter-

stützung.“ Er war sehr betrübt

über die Äußerungen der Dan-

gaster Bürger und wies darauf

hin, dass der Verband gemein-

nützig sei und es nicht um eine

Gewinnerzielung gehe: „Das

Vorhaben ist uns eine ehrliche

Herzenssache. Daher bin ich

den Ratsvertretern für ihr posi-

tives Votum sehr dankbar.“

In dem alten Gulfhaus wer-

den sechs Zimmer, ein Gemein-

schaftsbereich, ein Pflegebad

sowie die nötigen Nebenräume

entstehen. Im Nebengebäude

finden drei geräumige Ferien-

wohnungen für Familien und Be-

treuungspersonal Platz.

Auf einen der Einwände der

Bürger, dass das Objekt mög-

licherweise einer anderen Nut-

zung zugeführt werden könnte,

wenn die Planung nicht aufgehe,

sagte Hoppmann: „Wir haben

einen vorhabenbezogenen Be-

bauungsplan, der diese Nutzung

regelt. Ich bin überzeugt, dass

der Bedarf dafür vorhanden ist.“

Im Gegensatz zu den Fra-

gestellern beurteilten die Aus-

schussmitglieder den Antrag

sehr positiv. Karl-Heinz Funke

(Zukunft Varel): „Ich bin dank-

bar, dass Sie dieses Projekt

angehen, sonst hätten wir hier

in einigen Jahren einen Schutt-

haufen. Etwas Besseres als die

Zusammenarbeit hier vor Ort

mit dem Paritätischen Wohl-

fahrtsverband kann uns nicht

passieren.“ Dem stimmte Leo

Klubescheidt (Zukunft Varel)

zu: „Dieses Projekt verdient alle

Unterstützung“, und Hannelore

Schneider (SPD) ergänzte: „Es

ist wunderbar, dass wir in Dan-

gast dann solch ein Angebot für

die Schwerstkranken und ihre

Familien haben.“

Cordula Breitenfeld allerdings

machte der Politik Vorwürfe und

behauptete, dass die Genehmi-

gung durch die Hintertür erfolgt

sei. Demwidersprach Karl-Heinz

Funke vehement und auch der

Ausschuss Vorsitzende Sascha

Biebricher nahm noch einmal

dazu Stellung:

„Der Planungsausschuss hat

bisher interessiert und sachlich

Entscheidungen für die Bürger

Varels getroffen. Unsachliche

Äußerungen in der letzten Ein-

wohnerfragestunde aber auch

unsachliche Äußerungen einer

Ratsfrau unterstützen den de-

mokratischen Diskussionspro-

zess hier nicht!“

Das Verfahren zur Aufstellung

eines vorhabenbezogenen Be-

bauungsplanes wurde schließ-

lich mit großer Mehrheit auf den

Weg gebracht.

(ak)

Das alte Gulfhaus in der Sielstraße ist vom Verfall bedroht,

nun ist geplant hier eine Einrichtung für Schwerstpflege-be-

dürftige zu schaffen.

Foto: privat