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14. Januar 2017

Varel

25

Blut spenden – Leben retten

Termin in der Pestalozzi-Schule erfolgreich – bereits am ersten Tag Erwartungen übertroffen

Varel.

Ob Unfall, Krankheit

oder Operation – jeder von uns

kann in eine Situation kommen,

in der er zum Überleben das

Blut eines anderen Menschen

braucht. Die Blutspende ist eine

einfache Art, etwas Gutes zu

tun. Ein kleiner Pieks und ein

wenig Zeit reichen dabei aus,

um zum Lebensretter zu wer-

den. Je nach Körpergewicht be-

inhaltet der menschliche Körper

sieben bis acht Liter Blut. Bei

einer Blutspende werden 500

Milliliter entnommen. Der Kör-

per baut die fehlende Menge

im Zeitraum eines Tages wieder

auf. In dieser Zeit darf jedoch

kein Leistungssport getrieben,

nicht geraucht und kein Alkohol

getrunken werden. Frauen dür-

fen viermal im Jahr zur Blutspen-

de gehen, Männer sechsmal.

Die Blutspende werde im Allge-

meinen sehr gut vertragen: Von

rund 1.500 Spendern pro Jahr

gebe es etwa zwei bis drei, die

sich danach „ein bisschen flau“

fühlen, so DRK-Blutspenden-

Beauftragte Resi Lühken.

Beim Blutspendetermin Ende

Dezember wurden 120 Spender

erwartet. Nach den ersten an-

derthalb Stunden waren es be-

reits 57 – darunter sieben Erst-

spender.

Junge Spender gesucht

Die Blutspende sollte schon

frühzeitig bei Kindern und Ju-

gendlichen sowie in der ganzen

Familie thematisiert und somit

das Bewusstsein dafür ge-

schaffen werden, wie wichtig

dieses Thema für jeden einzel-

nen werden kann. Die Spende

ist eine Hilfe auf Gegenseitigkeit

und steht für Mitmenschlichkeit

und gesellschaftliches Enga-

gement. Blut spenden kann

man ab 18 Jahren. Weil sich

der Altersaufbau der Bevölke-

rung verändert, bereitet das

den Blutspendediensten Pro-

bleme. Immer mehr Menschen

scheiden aufgrund ihres Alters

aus und es gibt immer weniger

junge Blutspender. Die Zahl der

18-Jährigen nimmt in Deutsch-

land ab, dagegen steigt der An-

teil der älteren Menschen und

damit der Blutbedarf an.

Ablauf einer Blutspende

Wer zu einem der zahlreichen

Blutspendetermine geht, sollte

ein bisschen Zeit mitbringen.

Eine gute Stunde dauert das

gesamte Prozedere – von der

Anmeldung bis zum anschlie-

ßenden Imbiss.

Bei der Registrierung muss

man seinen Blutspendeausweis

und – seit neuestem – auch

seinen Personalausweis bereit-

halten. Bei Erstspendern reicht

der Personalausweis, den Blut-

spendeausweis erhalten die

Spender anschließend nach Be-

stimmung der Blutgruppe. Die

registrierten Personen erhalten

dann mit dem Anmeldeformular

einen persönlichen Fragebo-

gen, den sie wahrheitsgemäß

ausfüllen – natürlich von den

anderen Spendern separiert.

Im Anschluss daran entnimmt

ein Labormitarbeiter aus dem

Ohrläppchen oder der Finger-

kuppe einen Blutstropfen, um

den Eisengehalt und die Tempe-

ratur zu messen. Diese Informa-

tionen werden dann ebenfalls

auf dem persönlichen Fragebo-

gen vermerkt. Es folgt ein Ge-

spräch mit dem leitenden Arzt,

indem die Angaben des Frage-

bogens thematisiert werden.

Erst wenn der Arzt sein „Ok“

gegeben hat, geht es weiter

zum eigentlichen Blutspenden.

Dabei werden dem Spender –

ausschließlich bei Verwendung

von Einwegmaterialien um eine

mögliche Ansteckungsgefahr

auszuschließen – 500 Millilter

Blut abgenommen.

Nach der Blutentnahme wird

der Spender direkt zum Imbiss

geschickt, den die vielen ehren-

amtlichen Helfer liebevoll an-

gerichtet haben. „Dabei ist es

besonders wichtig gleich etwas

zu trinken“, betont Resi Lühken.

Lebenselexier Blut

Blutpräparate sind nur be-

grenzt haltbar, daher können

diese nicht auf Vorrat herge-

stellt werden. Zudem haben alle

Bestandteile unterschiedliche

Haltbarkeiten: Thrombozyten-

präparate (Blutplättchen) haben

eine maximale Lagerfähigkeit

von vier Tagen, Erythrozyten-

präparate (rote Blutkörperchen)

dagegen können sich bis zu 49

Tage halten. Das Plasma kann

eingefroren werden und so

eine Haltbarkeit von bis zu zwei

Jahren erreichen – das Plasma

kann jedoch erst an die Kliniken

übergeben werden, wenn der

Spender eine Folgespende lei-

stet, dies erfordert eine erneute

Laboruntersuchung.

Die Blutspenden vom Vortag

werden ab vier Uhr des Folge-

tages verarbeitet. Dabei ent-

stehen die drei genannten Blut-

produkte. Diese werden parallel

in den Laboren auf Infektions-

krankheiten untersucht und ste-

hen am Folgetag zur Ausliefe-

rung an die Kliniken (Patienten)

zur Verfügung.

Täglich werden in Nie-

dersachsen etwa 2.300 bis

2.500 Spender benötigt, um den

täglichen Bedarf an Blutkonser-

ven sicherstellen zu können.

Durch den hohen täglichen

Bedarf und die geringen Halt-

barkeiten hat das Rote Kreuz

zum Teil Versorgungskapazi-

täten von nur zwei bis drei Ta-

gen. Wenn zu wenig Blutspen-

der erscheinen, kommt es un-

weigerlich zu Engpässen und

Kliniken können nicht versorgt

werden. Daher wird jeden Tag

diese hohe Zahl an Spendern

benötigt und das DRK ist darauf

angewiesen, dass die Spender

mehrfach im Jahr kommen.

Durch die Feiertage gibt es

nur wenige Tage an denen Blut-

spendetermine angeboten wer-

den können. Der Versorgungs-

bedarf besteht jedoch nach wie

vor, da die Therapie in den Kli-

niken weiterläuft.

35 Prozent der Blutspenden

werden in der Krebs- und Herz-

Kreislauftherapie benötigt.

Es gibt zudem viele Patienten

die auf mehrere Blutkonser-

ven angewiesen sind. Für jede

zu übertragende Blutkonserve

wird ein Spender benötigt. In

der Krebstherapie kann es in

Einzelfällen zu einem Bedarf

von über 30 Blutkonserven je

Patient kommen.

Der größte Bedarf besteht

bei den Blutgruppen Null-ne-

gativ und Null-positiv, da diese

blutgruppenübergreifend ver-

wendet werden können.

Das Deutsche Rote Kreuz in

Niedersachsen beliefert täg-

lich rund 330 Kliniken in Nie-

dersachsen, Bremen, Sachsen-

Anhalt und Thüringen.

Mehr Informationen unter

www.drk-blutspende.de .

(jg)

Ganz entspannt lässt sich Irene Korn am Blutspendetermin in

der Pestalozzi-Schule Blut abnehmen. Es sei ihre 38. Spende,

berichtet die Varelerin.

Foto: J. Guthardt

Das gespendete „Vollblut“ (Bild links) wird anschließend im

Labor zentrifugiert und dabei in seine Bestandteile Blutplas-

ma, Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße

Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) aufge-

trennt.

Fotos: DRK Blutspendedienste