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11. Februar 2017

Varel

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„Das Haus hatte Glück mit Ihnen“

20.000 Euro Fördermittel übergeben – Restaurierung wertvoller Treppenhausmalereien

Varel.

Das Haus am Schloss-

platz 8 ist in den letzten Jahren

umfangreich saniert worden.

Für die Eigentümerin Hildegard

Korell war es bei diesem beson-

deren Objekt: „...Liebe auf den

ersten Blick.“ Es handelt sich

dabei um das 1875 vom Kauf-

mann und Kaffeeröster D. Bör-

jes erbaute Wohnhaus mit Ver-

kaufsraum.

Vor zwei Jahren hatte

sich Hildegard Korell entschlossen

dieses Haus mit Tradition und vie-

len Möglichkeiten zu erwerben:

„Inzwischen sind zwei Wohnungen

hergerichtet und im Erdgeschoss

ist viel Platz für mein Hobby ent-

standen.“ Sie sammelt mit Freude

Puppen, Teddys und Spielzeug.

Wie bei jedem alten Haus gab

es bei den Sanierungsarbeiten na-

türlich einige Überraschungen, die

zunächst nicht geplant waren. Eine

davon birgt der wunderschöne hi-

storische Flur einschließlich des

Treppenhauses: „Die nach Denk-

malschutzbestimmungen

not-

wendigen Sanierungen werden

ein Vielfaches der ursprünglich

veranschlagten Summe kosten.“

Deutsche Stiftung

Denkmalschutz

Jetzt gab es dafür Unterstüt-

zung, damit zumindest die ersten

Arbeitsschritte durchgeführt wer-

den können. Die Deutsche Stiftung

Denkmalschutz (DSD), vertreten

durch Micaela Schweers-Sander,

stellte mit Unterstützung von von

Lotto Niedersachsen, als dessen

Vertreter war Olaf Engelhardt nach

Varel gekommen, 20.000 Euro zur

Verfügung.

Mit diesem Betrag soll nun zu-

nächst die noch erhaltene Mal-

schicht gefestigt und alles was

noch an Malereien vorhanden ist,

erhalten werden.

Micaela Schweers-Sander vom

Ortskuratorium der DSD erklärte:

„Die damit verbundenen Kosten

sind für den Eigentümer kaum

zu stemmen.“ Insgesamt rechnet

Hildegard Korell mit rund 115.000

Euro Gesamtkosten um das Trep-

penhaus

wieder

herzustellen.

Weitere Fördermittel werden also

dringend benötigt.

Das DSD erklärte dazu: „Die

Wandbereiche des Treppenhauses

sind durchgängig bemalt. Mit der

Treppe und den erhaltenen Türen

ergibt sich ein nahezu vollstän-

diges Gesamtbild einer Treppen-

hausausstattung seiner Zeit.

Die Restaurierung der in Varel

seltenen und bauhistorisch wert-

vollen Treppenhausmalereien un-

terstützt daher auch die Stadt. Was

das Erscheinungsbild anbelangt,

so beeinträchtigen zwar einige

wenige Fehlstellen das Gesamt-

bild dennoch sind die flächende-

ckenden Craquele (kleine Risse

und Sprünge) problematischer.

Das Projekt liegt jedoch in den

Händen eines erfahrenen Archi-

tekten und wird von einer ebenso

erfahrenen Restauratorin durch-

geführt, die eine anschauliche

Vordokumentation sowie einen

nachvollziehbaren Maßnahmen-

plan erstellt hat. Das Ergebnis dürf-

te mehr als zufriedenstellend sein

und gibt Aussicht auf die Wieder-

auferstehung einer verhältnismä-

ßig prachtvollen Gestaltung eines

Hausbereiches, der ansonsten

in den meisten Gebäuden durch

häufige zeitgemäße Veränderung

seines ursprünglichen Aussehens

längst beraubt wurde.“

Das Bürgerhaus am Schlossplatz

8 ist eines von über 43 Objekten,

die die private Denkmalschutz Stif-

tung dank Spenden und Mitteln

der GlücksSpirale, der Rentenlotte-

rie von Lotto, allein in Niedersach-

sen fördern konnte.

Geplant ist, den restaurierten

Flur auch bei einzelnen Anlässen

für die Öffentlichkeit zugänglich

zu machen: „Es gibt bereits eine

Zusammenarbeit mit den Stadt-

führern und auch viel Hilfe durch

den Heimatverein Varel“, bestä-

tigte Hildegard Korell.

Trotz manch kleinerer Probleme

ist sie sehr froh, dass sie das Haus

Schlossplatz 8 nach Varel gezogen

hat und Micaela Schweers-Sander

bemerkte lächelnd: „

Das Haus

hatte Glück mit Ihnen.“

(ak)

Micaela Schweers-Sander und Jutta Osterloh (DSD), Archi-

tekt Bernhard Remmers, Ulrike Dänekas-Condé (Denkmal-

pflege der Stadt Varel), Hildegard Korell und Olaf Engelhardt

von Lotto Niedersachsen (v.r.) sind überzeugt, dass die För-

dersumme in Höhe von 20.000 Euro sehr sinnvoll für die Re-

staurierung des Hausflures angelegt ist.

Foto: Anke Kück

Sind Zeugnis längst vergangener Zeiten: Die Bemalungen im

Treppenhaus.

Fotos: Anke Kück

Leserbrief zum Bericht über

die Entwicklung in Dangast

„Unsere Gäste erwarten Qua-

lität“, Friebo 4/2017:

„Schade. Dangast wird nicht

von innen heraus gestaltet, son-

dern erhält durch von außen ge-

steuerte Maßnahmen sogenann-

te Attraktivität. Ein Facelifting

nach dem anderen überzieht

das Dorf, bei Verlust des eige-

nen Gesichtes.

Ohne diskutiertes Leitbild wird

alles was dem Trend entspricht

in unseren Ort hineingepresst.

Statt Meererlebnis geht es jetzt

mehr und mehr um Aktivitäts-

zonen am Strand. Anstatt die

Sandkuhle als einen natürlichen

Freiraum für Menschen und Tiere

wertzuschätzen und zu bewah-

ren, wird nun ein abgezäunter

Hunde-Agilityplatz direkt am

Meer geschaffen. Der Kurpark

wird zunichte gemacht mit Ver-

mietungs- und Renditeblöcken

in Reih und Glied. Jede Zone

bekommt einen schönen Namen

und schon soll es gut sein.

Es ist für jeden etwas dabei

und dann eben für alle nichts.

Am Ende wird unser Dorf ge-

schichts- und gesichtlos. Die nur

nach kurzsichtiger Geldverwer-

tung ausgerichtete Tourismus-

industrie zerstört und vernutzt

unwiederbringlich die Ausprä-

gungen unseres Künstler- und

Kurortes, unseres Lebens- und

Naturraumes.“

Gabi Beyersdorff,

Dangast

Im Dialog: Leserbriefe

„Unser Dorf wird gesichtslos“

Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.

Die Veröffentlichung sowie die sinnwahrende Kürzung von Leserbrie-

fen behält sich die Redaktion vor. Bei allen Zuschriften, auch via E-Mail,

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