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18. Februar 2017

Varel

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Neuigkeiten aus der Steinzeit

Dr. Fries vom Landesamt für Denkmalpflege informierte beim Vareler Heimatverein

Varel.

Woran denken wir,

wenn wir ein Referat mit dem

Thema „Neues aus der Stein-

zeit“ besuchen? Mit dieser Fra-

ge eröffnete Dr. Jana Esther

Fries, Referatsleiterin beim Nie-

dersächsischen Landesamt für

Denkmalpflege in Oldenburg,

jetzt den ersten Vortrag im Jahre

2017 für die Mitglieder und Gä-

ste des Vareler Heimatvereins –

und sie vermutete: Wir denken

an Nachrichten über Menschen,

die in Höhlen hausen, die Mam-

muts und Rentiere jagen, sich

mit Fellen kleiden und eine kur-

ze Lebenserwartung haben.

Zwar werden mit solchen

Bildern auch richtige Aspekte

erfasst, doch leiden sie an un-

zureichender Differenzierung:

Die Klimaschwankungen auf der

Erde und mit ihnen die der Le-

bensbedingungen waren gewal-

tig und deshalb sind Aussagen

über „die“ Steinzeit nur sinnvoll,

wenn wir sie räumlich und zeit-

lich eingrenzen. Allein die zeit-

liche Dimension sprengt unsere

Vorstellungkraft: Wie oft können

wir die gut zweitausend Jahre

unserer religiös motivierten Zeit-

rechnung in den über 2,6 Milli-

onen Jahren unterbringen, seit

die ersten Menschen, die Werk-

zeuge aus Stein verwendeten,

in Afrika auftauchten? Mit ihnen

begann die „Altsteinzeit“, das

Altpaläolithikum, ein Abschnitt

der bis zum Ende der Eiszeit

vor rund 11.600 Jahren dauerte.

Die Archäologen entwickelten

deshalb zunehmend feinere Un-

terscheidungen innerhalb die-

ser langen Phase, um ihre Ent-

deckungen besser einordnen

zu können. Und so grenzte Dr.

Jana Esther Fries ihren Vortrag

schon im Titel zunächst räum-

lich weiter ein: „Aktuelle Funde

von Jägern und Sammlern aus

dem Raum Weser-Ems“.

Sie berichtete von drei Fund-

stätten. Bei der ersten ging es

um Entdeckungen niederlän-

discher Hobby-Archäologen, die

diese 2013 in Sandgruben in der

Grafschaft Bentheim machten.

Es handelt sich vor allem um

„nach der Technik des präpa-

rierten Kerns“ zurecht gehauene

Schaber aus Feuerstein, zwi-

schen 30.000 und 45.000 Jahre

alt, dazu Knochen vom Mam-

mut, von Wildpferden und vom

Polarfuchs. Die Funde bewei-

sen, dass hier Neandertaler auf

den Hügeln zwischen den Flüs-

sen Dinkel und Vechte die Tiere

beobachtet und gejagt haben.

Feuersteine wurden offenbar

systematisch gesucht und an

bestimmten Orten von Fach-

leuten bearbeitet. Das zeigt

ein Fundort bei Damme, Mitte

der 1990er Jahre erstmals ent-

deckt und 2012 noch einmal

systematisch erschlossen. Über

dreihundert Artefakte aus Feu-

erstein beweisen, dass sich hier

kurz vor dem Ende der Altstein-

zeit wohl eine Art Werkstatt be-

funden hat, in der die Steine für

ihren zweckmäßigen Gebrauch

zugeschlagen wurden. Auffäl-

lig ist, dass unter den Beilen,

Dolchen oder Pfeilspitzen sich

solche aus dem roten, nur auf

Helgoland vorkommenden Feu-

erstein befanden. Dazu muss

man sich vergegenwärtigen,

dass Helgoland wie „England“

zu dieser Zeit noch Teil des

Festlandes war und der drama-

tische Anstieg des Meeresspie-

gels noch bevorstand.

Die letzte Fundstätte, über die

Frau Fries berichtete, ist noch ein

wenig jünger: Dieses Mal ging

es um eine ehemalige Sanddü-

ne in Oldenburg-Eversten, ei-

nen Acker, der zum Baugebiet

werden sollte. Die Archäologen

hielten die Lage nahe der Haa-

ren-Niederung für steinzeitliche

Jäger und Sammler für „ver-

dächtig“ günstig und bekamen

2008/2009 die Chance, das Ge-

lände systematisch zu erschlie-

ßen. Tatsächlich fanden sie rund

400 Herdgruben mit Durchmes-

sern von 40 bis 80 Zentimetern,

ursprünglich wohl ungefähr eine

Armlänge tief. Sie waren an der

dunklen Einfärbung des Bo-

dens, eine Folge des Verbren-

nens von Holzkohle, erkennbar.

In den Gruben fanden sich auch

Splitter von Feuersteinen, Koch-

steine und Pflanzenreste, einige

davon rund 7.500 Jahre alt. Die

Funktion der Herdgruben ist un-

klar: Dienten sie zum Trocknen,

Rösten oder Räuchern? Oder

der Herstellung von Birkenpech,

dem damaligen Alleskleber? Der

Platz und die Funktion der Herd-

gruben musste für die Jäger und

Sammler jedenfalls attraktiv

gewesen sein, denn sie wurden

vermutlich über 2.000 Jahre hin-

weg genutzt.

Trotz aller Erkenntnisse der

Archäologen bleiben viele Fra-

gen aus der Vorgeschichte der

Menschen offen, wie nach dem

Vortrag eine kleine, angeregte

Aussprache zeigte. Es ging nicht

nur um die besonderen Eigen-

schaften des Feuersteins, die

ihn über so lange Zeit zum wich-

tigsten Werkstoff der Menschen

machten, sondern auch um die

Frage, wie und wo er entstand.

Welche Rolle spielte der Homo

sapiens beim Verschwinden der

Neandertaler? Dr. Jana Esther

Fries versäumte es nicht, mehr-

fach auf die Bedeutung der Ent-

deckungen von Hobby-Archäo-

logen für die professionelle For-

schung zu verweisen. Es lohnt

sich also, bei Spaziergängen

die Augen offen zu halten – oder

für den einen oder anderen viel-

leicht sogar, sie mit einer neuen

Zielsetzung auszurichten?

Rainer Urban

Steinzeitliche Funde brachte unter anderem eine Grabung in

Oldenburg-Eversten zutage.