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Varel

Friebo 7/2017

Mobilkran trägt große Buchen Stück für Stück ab

Bäume litten bereits an Fäulnis und bedrohten angrenzende Gebäude – Spezialgerät im Einsatz

Varel.

Unter Einsatz von

schwerem Gerät sind im Vareler

Wald am Montagvormittag zwei

große Buchen gefällt worden.

Ein mobiler Fällkran war ange-

rückt, um die etwa 35 Meter

hohen Bäume Stück um Stück

abzutragen – eine herkömm-

liche Fällung kam mit Blick auf

den Standort der hohen Bu-

chen nicht in Frage. Die Bäume

standen unmittelbar bei den

„Steinernen Pfeilern“ am Wal-

deingang von der Windallee,

der Zugang zum Wald musste

an dieser Stelle während der

Arbeiten gesperrt werden. Das

sorgte für Verdruss bei eini-

gen Passanten, die zu ihrem

Morgenspaziergang durch den

Wald unterwegs waren – ebenso

stieß einmal mehr die Fällaktion

selbst auf Kritik. Immer wieder

wird der Vorwurf geäußert, der

Forstbetrieb würde zu leichtfer-

tig Bäume fällen, der Umgang

mit dem Wald als Holzlieferant

unterliege allein wirtschaftlichen

Aspekten.

Nicht selten würden die Forst-

wirte bei ihrer Arbeit im Wald

angefeindet, berichtete Revier-

förster Tobias Gebers. Zudem

würden einige Waldbesucher

auch Absperrungen ignorieren

und sich dadurch sehenden

Auges in Gefahr bringen. Es sei

einerseits durchaus zu begrü-

ßen, dass die Bürger sich mit

dem Wald identifizieren und für

einzelne Bäume einsetzen wür-

den, „aber was wir hin und wie-

der erleben müssen, lässt einen

schon mit dem Kopf schütteln“,

so Gebers.

Die Entscheidung, die beiden

stolzen Buchen am Waldein-

gang fällen zu lassen, sei auch

ihm nicht leicht gefallen, betonte

der Revierförster im Gespräch

mit dem Friebo: „Aus Gründen

der Verkehrssicherheit ist das

aber unumgänglich“, die Bäume

seien zu einem Risiko gewor-

den. Am Fuß der Stämme war

bereits Pilzbefall nachgewiesen,

sie wiesen zudem bereits Lö-

cher auf, in denen es zu faulen

begonnen hatte. Die Standfe-

stigkeit dieser Buchen sei nicht

mehr gewährleistet gewesen, so

Gebers. Und da sie sehr dicht

an angrenzenden Wohngrund-

stücken standen, habe es keine

Alternative zum kontrollierten

Abtragen gegeben. „Im vorletz-

ten Jahr ist uns hier bei einem

Sommersturm eine Krone aus

einer Buche herausgebrochen

und hat Schäden auf einem

Nachbargrundstück verursacht.

Zudem haben wir hier viel Be-

sucherverkehr, wir können also

kein Risiko eingehen.“ Die Bäu-

me hatten zudem ihr maximales

Alter annähernd erreicht, Bu-

chen haben eine geringere Le-

bensdauer als etwa Eichen und

verfügen auch nicht wie diese

über sogenanntes Kernholz, Bu-

chen weisen somit gerade bei

Faulschäden und in hohem Alter

eine erhöhte Bruchgefahr auf.

Tobias Gebers versicherte,

dass die beiden wohl knapp 300

Jahre alten Buchen keineswegs

aus wirtschaftlichen Gründen

gefällt werden: „Im Gegenteil,

das kostet uns viel Geld.“ Denn

den mobilen Fällkran muss-

te das Forstamt eigens von

einem Unternehmen in Roten-

burg anfordern. Mit seinem 32

Meter aufragenden Greif- und

Sägeaggregat, das sicher und

bequem per Fernbedienung

vom Boden aus bedient wird,

können bis zu 800 Kilogramm

schwere Aststücke entnom-

men und kontrolliert am Boden

abgelegt werden. Das ist zwar

aufwändig, bietet aber maxima-

le Sicherheit. Der eingesetzte

Fällkran ist der größte seiner Art

in Deutschland und erst vor we-

nigen Monaten in Dienst gestellt

worden. Um sich diese Art der

Entfernung von großen Bäumen

an problematischen Standorten

anzuschauen, waren auch Kol-

legen aus anderen Forstämtern

in Niedersachsen nach Varel ge-

kommen.

Die abgesägten Äste und

Stammstücke der Buche wer-

den auch gar nicht verwertet,

sondern bleiben vor Ort liegen.

Zudem sind etwa acht Meter

hohe Stammreste stehen ge-

blieben – sie sollen künftig als

Hohlbaum einer Vielzahl von In-

sekten und Gliederfüßern sowie

Vögeln, etwa dem Specht, eine

Heimat bieten.

Mit diesem Großeinsatz geht

im Vareler Wald die Erntesaison

zu Ende, in der verschiedene

Fällarbeiten, aber auch Kom-

pensationsmaßnahmen

und

Neuanpflanzungen vorgenom-

men wurden.

Am kommenden Dienstag,

21. Februar, wird Forstamtslei-

ter Dr. Martin Dippel im städ-

tischen Ausschuss für Planung

und Umweltschutz noch ein-

mal über Pflegemaßnahmen im

Forst und speziell über jüngste

Baumfällungen im Vareler Wald

informieren. Zudem erwägt die

Forstverwaltung, im kommen-

den Mai erneut eine informative

Führung durch den Wald anzu-

bieten.

(tz)

Die Methode „Baum fällt!“ wäre an dieser Stelle zu gefähr-

lich gewesen: Mit einem großen Fällkran sind am Montag am

Vareler Wald zwei große Buchen abgetragen worden, deren

Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Foto: Michael Tietz

Vogelgrippe: Stallpflicht in Region weitgehend aufgehoben

Friesland.

Enten und Gänse

dürfen seit Donnerstag wieder

ins Freie: Der Veterinärzweck-

verband Jade-Weser hat die

nach Auftreten von Vogel-

grippefällen erlassene generel-

le Aufstallungspflicht für Ge-

flügel im Verbandsgebiet, das

die Landkreise Wesermarsch,

Friesland und Wittmund so-

wie die Stadt Wilhelmshaven

umfasst, zum 16. Februar auf-

gehoben. Eine entsprechende

Allgemeinverfügung wurde am

Mittwoch veröffentlicht, wie

Verbandsgeschäftsführer Dr.

Norbert Heisig mitteilte. Ledig-

lich einige wenige Betriebe in

der Nähe der Küste oder von

sonstigen Gewässern müssen

auf Grund einer Risikoanalyse

ihre Tiere zunächst noch wei-

terhin im Stall behalten. Diese

Betriebe wurden gesondert an-

geschrieben.

Eine pauschale Entwarnung

könne indes noch nicht gege-

ben werden, so Dr. Heisig: „Das

Seuchengeschehen ist leider

noch nicht beendet. Es wird auf

die rechtlichen Vorgaben hinge-

wiesen, dass Hausgeflügel nur

an Stellen gefüttert werden darf,

die für Wildvögel unzugäng-

lich sind. Die Tiere dürfen auch

nicht mit Oberflächenwasser

getränkt werden, zu dem Wild-

vögel Zugang haben. Futter,

Einstreu usw. ist für Wildvögel

unzugänglich aufzubewahren.“

Insgesamt 141 verendete,

eingeschläferte oder erlegte

Wildvögel aus dem Zweckver-

bandsgebiet waren seit dem 7.

November 2016, dem Beginn

der derzeitigen Vogelgrippewel-

le in Deutschland, im staatlichen

Untersuchungslabor auf den

Vogelgrippeerreger H5N8 un-

tersucht worden. In sechs Fällen

war der Erreger dabei nachge-

wiesen worden. Nach Angaben

des Veterinärzweckverbandes

werden in dessen Zuständig-

keitsbereich knapp 660.000

Stück Geflügel gehalten.

Aktuelle Informationen zur

Vogelgrippe im Zweckver-

bandsgebiet sind zu finden un-

ter

www.jade-weser.de

.

(tz)