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Varel

Friebo 9/2017

Bismarck und die Oldenburger

Leiter des Oldenburgischen Stadtmuseums referierte beim Heimatverein

Varel.

Was geht uns heute

noch Bismarck an? Der Mann,

geboren 1815, gestorben 1898,

ist doch ganz und gar eine Figur

des 19. Jahrhunderts, oder etwa

nicht? In Varel können wir zwar

auf dem Hof des Lothar-Meyer-

Gymnasiums eine „Bismarckei-

che“ bestaunen, die 1895 anläss-

lich der Feiern zum 80. Geburts-

tag bei der gerade wieder neu er-

richteten Bürgerschule gepflanzt

wurde. Und dann gibt es noch

in unmittelbarer Nähe die „Bis-

marckstraße“, die ein paar Jahre

später zwischen der Mühlen- und

der Neumühlenstraße entstand

und nach dem „Reichsgründer“

benannt wurde. Allerdings fällt

diese Widmung in die Zeit einer

völlig übersteigerten Bismarck-

Verehrung – und daraus lässt

sich dann doch etwas lernen, wie

Dr. Andreas von Seggern, Leiter

des Stadtmuseums in Olden-

burg, kürzlich eine Einladung des

Vareler Heimatvereins in seinem

Vortrag über „Bismarck und Ol-

denburg“ zeigte.

Als Otto von Bismarck sich

nach der Revolution von 1848

entschied, Berufspolitiker zu

werden, wandelten sich die so-

zialen und politischen Verhält-

nisse in Europa rasend schnell;

sie blieben für die meisten Un-

tertanen auf verwirrende Weise

unübersichtlich. Das Großher-

zogtum Oldenburg war eine En-

klave im Königreich Hannover

und die Herrschaften Varel und

Kniphausen bildeten wiederum

staatsrechtlich gesonderte Inseln

im Oldenburger Land. Die Vare-

ler und englischen Angehörigen

der Familien von Aldenburg-

Bentinck befanden sich in einem

langdauernden Erbfolgestreit. Er

wurde dadurch „gelöst“, dass

Oldenburg das Gebiet des spä-

teren Wilhelmshaven an Preußen

verkaufte, mit dem so gewon-

nenen Geld 1854 die streiten-

den Bentincks abfand und die

„Herrlichkeiten“ übernahm. Da-

mit standen die Preußen vor der

Oldenburger Haustür und das

Großherzogtum versuchte mit

einer Strategie der Anlehnung an

den großen Herausforderer so

viel Selbstständigkeit zu wahren

wie nur möglich.

Der preußische König ernannte

1862 mit Bismarck einen Mini-

sterpräsidenten, der die Politik

programmatisch am „Egoismus“

seines „großen Staates“ aus-

richtete. Das zwang das kleine

Großherzogtum zu einem deli-

katen Balance-Akt, als Bismarck

die Schleswig-Holstein-Frage für

seine Ziele instrumentalisierte.

Gegen den Durchmarsch preu-

ßischer Truppen durch das olden-

burgische Fürstentum Lübeck im

deutsch-dänischen Krieg 1864

blieb nur symbolischer Protest,

zumal Großherzog Nikolaus

Friedrich Peter selbst Erbansprü-

che auf Schleswig-Holstein er-

hob. Auch im Deutschen Krieg

gegen Österreich zwei Jahre

später hielt sich Oldenburg auf

der preußischen Seite und si-

cherte so weiterhin – anders als

etwa Hannover – seine relative

staatsrechtliche

Autonomie.

Dass Bismarck das wirklich mit

einem „Ja, leider“ kommentierte,

ist nicht zweifelfrei belegt.

Obwohl Oldenburg selbst eine

vergleichsweise liberale Innen-

politik betrieb, wehrte sich der

Großherzog gegen Bismarcks

Pläne, den Reichstag des neu

entstandenen

Norddeutschen

Bundes wie drei Jahre später

den des Deutschen Reiches

nach dem allgemeinen, gleichen

und direkten Wahlrecht wäh-

len zu lassen; er sah darin „das

Gespenst einer heillosen Demo-

kratie“. Bismarck antwortete, er

könne „kaum glauben, daß die

isolierte Vertretung partikularis-

tischer Bedenken durch Olden-

burg den Intentionen seiner Kö-

niglichen Hoheit entspricht.“ Was

blieb dem Großherzog anderes,

als sich mit den neuen machtpo-

litisch bestimmten Verhältnissen

zu arrangieren?

Immerhin hielt Oldenburg auch

nach der Reichsgründung an

dem Grundsatz, „geistige Bewe-

gungen sind nicht mit der Polizei

zu bekämpfen“, fest, beteiligte

sich nicht am „Kultur-kampf“

gegen die Katholiken, setzte nur

sehr zurückhaltend die Sozia-

listengesetze um und wehrte sich

– wenn auch erfolglos – gegen

die Einführung von Schutzzöllen.

Kein Wunder, dass Bismarck die

Oldenburger für „stur“, zugleich

aber für politisch irrelevant hielt.

Wenn man nach der Haltung

der Oldenburger Bürger zu Bis-

marck fragt, so bietet sich nach

Referent von Seggern eine grobe

Dreiteilung an: Bewunderung im

evangelischen Norden, Res-pekt

in der Residenzstadt, Abneigung

im katholischen Süden. Aller-

dings sei die Quellenlage für das

Großherzogtum vergleichsweise

dünn, so dass für eine Deutung

des sich ausbildenden Kults um

Bismarck ein Blick über die Gren-

zen notwendig werde. Bismarck-

Verehrer fanden sich vor allem

in den Milieus der Akademiker,

Beamten und Offiziere, der Bour-

geoisie und Kleinbürger, sofern

sie nicht katholisch waren, kaum

aber unter den Arbeitern.

Schon zu den Feiern des 80.

Geburtstages 1895, mehr noch

nach seinem Tode 1898 nahm die

quasireligiöse Idolisierung gro-

teske Ausmaße an. Das Bedürf-

nis nach geweihten Orten schlug

sich deutschlandweit in über 500

Denkmälern, Feuersäulen und

Türmen zu Ehren Bismarcks nie-

der. Im Großherzogtum gab es

die „Getreuen von Jever“ mit ih-

ren Kiebitzeiern, ansonsten aber

blieb es zumeist bei der Widmung

von Straßen, Plätzen und Eichen,

so wie in Varel. Vereinzelte wei-

tergehende Pläne scheiterten,

etwa auf dem Bookholzberg in

Ganderkesee. Noch, so dürfen

wir als Zuhörer Referent von

Seggern weiter denken, gab es

für die meisten Oldenburger trotz

allen sozialen Wandels Grenzen

bei der Suche nach säkularen

Heiligen. Knapp fünfunddreißig

Jahre später wählten sie dafür

als erste einen nationalsozialis-

tischen Ministerpräsidenten.

Rainer Urban

Überwältigungsarchitektur:

Das Hamburger Bismarck-

Denkmal von 1906.

Foto: Urban

Neues „Dino-Car“ für die Borgstede-Kids

Niederlassungsleiter der Filiale Hoyer Energie-Service Weser-

Ems in Filsum, Dennis Wilke, übergibt freudestrahlend den

Spendenscheck in Höhe von 500 Euro an Waisenstift-Leiterin

Claudia Preuß.

Foto: Jaqueline Guthardt

Varel

. Die Kinder aus der Ta-

gesgruppe Borgstede können

sich freuen: Durch eine Spende

von der Firma Hoyer, in Höhe

von 500 Euro, bekommen die

Kleinen (und Großen) dem-

nächst ein zweites „Dino-Car“

– eine Art „Riesen-Kettcar“ –

zum Spielen und Toben.

Vorher mussten sich die zwölf

Kinder eines der beliebten

Spielgeräte teilen und es kam

oft zu Streitereien. Durch die

Spende der Firma Hoyer soll

das jetzt ein Ende haben. Der

Spendenerlös ergibt sich aus

einem Betrag, der bis vor zwei

Jahren noch für weihnachtliche

Werbegeschenke ausgegeben

wurde.

Damals beschlossen die Ver-

antwortlichen das zu stoppen

und stattdessen die so einge-

sparten Beträge für wohltätige

Investitionen zu verwenden.

Die

Unternehmensgruppe

Hoyer ist in Sachen Energie

eines der führenden Familien-

unternehmen

Deutschlands

und mit mehr als 100 Stand-

orten in 23 Regionen Nord-

deutschlands vertreten.