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4. März 2017

Wesermarsch

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Leserbrief zum Bericht über

die Verkehrsbelastung „Zu-

kunft Varel will Lkw nach Jade

schicken“, Friebo 8/2017:

„Nach heutigen Erkenntnis-

sen war der Bau der B 437 quer

durch Varel wahrhaftig ein hi-

storischer Fehler. Gewachsene

Strukturen wurden zerstört

und die Möglichkeiten einer zu-

kunftsgerechten Stadtbildpflege

außerordentlich eingeschränkt.

Aber dafür heutige Kommunal-

politiker verantwortlich zu ma-

chen grenzt an Böswilligkeit.

Aus Fehlern soll man lernen.

Eine weitere Bundesstraße auf

Vareler Gebiet kann deshalb

nicht die Lösung sein. Der Preis

für eine möglicherweise geringe

Belastungsverschiebung wäre

die Schaffung einer weiteren

Lärmschneise, hohe Wertver-

luste für bebaute Grundstücke

und [...] Naturzerstörung.

Man wird um eine räumliche

Lösung unter Einbeziehung von

Teilen der Wesermarsch nicht

herumkommen. Und deshalb

bietet sich eine Ertüchtigung

oder der Ausbau der Landes-

straße durch Jaderberg bis zur

B 437 einfach an. Durch die Ver-

knüpfung der L 820 mit der A 29

hat man eine Verkehrserschlie-

ßung geschaffen, die nicht voll

leistungsfähig ist. Schwerlast-

verkehr aus den [...] Gewerbege-

bieten in Jaderberg ist deshalb

darauf angewiesen, die Orts-

durchfahrt Varel zu benutzen,

wenn er Ziele an der B 437 (We-

sertunnel) erreichen will.

Die Nachteile des Ziel- und

Quellverkehrs aus Jaderberg

werden also nach Varel verla-

gert. Aber was geschieht, wenn

dieses System aus irgendwel-

chen Gründen mal nicht mehr

funktioniert? Dann müsste der

Umweg über die B 211 genom-

men werden. Es liegt also im

ureigensten Interesse der Ge-

meinde Jade, auf den Zug auf-

zuspringen und so für die Ent-

wicklung der Gemeinde die er-

forderliche Verkehrsinfrastruktur

zu schaffen. Es geht nicht nur

um die Gegenwart, sondern um

vorausschauende Entwicklung

[...].“

August Osterloh, Varel

Im Dialog: Leserbriefe

„Ausbau im Interesse der Gemeinde“

Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Die Veröffentlichung sowie die sinnwahrende Kürzung von Leserbriefen

behält sich die Redaktion vor. Bei allen Zuschriften, auch via E-Mail, bitte stets die vollständige Adresse und Telefonnummer angeben.

Leserbrief zum Bericht über

die Verkehrsbelastung „Zu-

kunft Varel will Lkw nach Jade

schicken“, Friebo 8/2017:

„Es war das damals politische

Schwergewicht Karl-Heinz Fun-

ke, das schon in den 80er und

90er Jahren ganz erheblich mit

dazu beigetragen hat, den Bau

der Autobahnabfahrt Jaderberg

voranzutreiben und damit auch

die insgesamt prekäre Ver-

kehrssituation auf der L820/862

und insbesondere im Ort Jade-

rberg zu verschlimmern. Schon

damals machte Herr Funke

keinen Hehl aus seinen Mo-

tiven. Sein Hauptargument war

auch da schon die Entlastung

der Ortsdurchfahrt von Varel

vom Durchgangsverkehr. Auch

da sollte der verlagerte Durch-

gangsverkehr die kleine Nach-

bargemeinde ‚bereichern‘ und

‚beleben‘. Es ist also im wahrs-

ten Wortsinn ein dicker Hund,

wenn der Verein um Herrn Fun-

ke, Zukunft Varel, das Ganze

nun als neue Idee verkaufen will.

Es ist eine steinalte Strategie!

Ob nun in Dangast oder in

Varel, Sankt Florian war schon

immer ein sehr guter Bekannter

von Herrn Funke. Der Verkehr

soll möglichst weit weg von

Varel durch die Wohnzimmer der

Nachbarn geleitet werden, die-

ses Prinzip tauchte dann auch

wenig später bei der Diskussi-

on über die Trassenführung der

geplanten Küstenautobahn auf:

Autobahn ja – aber nicht bei

uns! – Oder auch: Wasch mich,

aber mach mich nicht nass! Das

Ergebnis ist jetzt eine Trassen-

führung, die vermutlich aufgrund

des großen Umwegs von eben

diesem

Durchgangsverkehr

nicht angenommen wird. Es

bleibt also auch dort offen, ob

Varel durch die Autobahn eine

Entlastung erfährt.

Manchmal ist es dann eben

so, dass das was eigentlich

nach diesem St. Florian-Prinzip

vermieden werden soll, nicht

zu einer Lösung führt sondern

mit doppeltem Gewicht auf den

Sender zurückfällt – nicht wahr

Herr Funke?“

Gerd Carstens,

Jaderberg

„Ein dicker Hund“

„Das wird keine Landesregierung anfassen“

Scharfe Kritik an Überlegungen der Gruppe „Zukunft Varel“ zur Freigabe der L 862 für Lkw

Jade/Varel.

Die Reakti-

onen aus der Gemeinde Jade

auf Überlegungen der Vareler

Wählergruppe „Zukunft Varel“

zur Verkehrsverlagerung fielen

ebenso vielstimmig wie eindeu-

tig aus: Der Vorschlag, die L 862

durch Jade und Jaderberg zu

ertüchtigen und diese dann für

den Lkw-Verkehr freizugeben,

um so die B 437 in Varel zu ent-

lasten, wurde in aller Schärfe

zurückgewiesen. Zentraler Vor-

wurf: Die Idee folge allein dem

St.-Florians-Prinzip und die

Ortsdurchfahrten in Jaderberg

und Jade seien baulich gar nicht

geeignet, weiteren Lastverkehr

aufzunehmen.

Tatsächlich gilt die Weser-

marsch mit den zwei Bundes-

straßen 437 und 211 als verkehr-

lich ausreichend erschlossen –

nicht zuletzt wurde in einem

Gutachten die Küstenautobahn

A 20 in diesem Abschnitt als

„auf keinen Fall bauwürdig“ be-

wertet, da so Doppelstrukturen

geschaffen würden. Sollte al-

lerdings die A 20 dennoch einst

gebaut werden, wäre damit nach

Ansicht von Verkehrsplanern

das Problem zu hoher Belastung

auf den Bundesstraßen erledigt.

Denn, so heißt es in der von der

Niedersächsischen Landesbe-

hörde für Straßenbau und Ver-

kehr veröffentlichten Verkehrs-

wirtschaftlichen Untersuchung

in der Region Varel vom Herbst

2013: „Mit der Realisierung der

Küstenautobahn A 20 wird sich

das Verkehrsaufkommen im

Zuge der B 437 deutlich verrin-

gern. Die Verkehrssituation wird

sich dadurch, insbesondere ent-

lang der Ortsdurchfahrt Varel,

deutlich entspannen.“ Wer also

der Vision von einer zusätzlichen

Autobahn durch Ammerland und

Wesermarsch etwas abgewin-

nen kann muss eingestehen,

dass dann kaum auch noch

Ortsumfahrungen, geschweige

denn der Ausbau der Straßen in

Jade gefordert werden können.

Auf der B 437 sind laut Un-

tersuchung bis zu 22.400 Fahr-

zeuge am Tag unterwegs – aber

so viele sind es nur im Abschnitt

etwa zwischen Famila und dem

Anschluss an die A 29 bei Borg-

stede. Jenseits der Vareler Orts-

schilder sind es schon wieder

weniger als 10.000 Fahrzeuge.

Jades Bürgermeister Henning

Kaars betonte, der Vorschlag

von Zukunft Varel gehe in die

völlig falsche Richtung: „Täglich

befahren bis zu 4.500 Fahrzeuge

die L 862 durch Jade und Jader­

berg. Schon jetzt kommt es zu

erheblichen Belastungen. Die

Variantendiskussion in den poli-

tischen Gremien der Stadt Varel

darf keinesfalls dazu führen, die

eigenen Verkehrsprobleme ab-

zuschieben.“

Hans-Joachim Janßen, Land-

tagsabgeordneter der Grünen

und früher selbst Mitglied des

Vareler Stadtrats, bezeichne-

te die Auseinandersetzung als

„parallelfaktische Diskussion“:

„Ein Ausbau hieße, den Unter-

bau der Landesstraße komplett

auszutauschen. Schon der jet-

zige Verkehr überfordert die

Tragfähigkeit, wie die häufigen

Reparaturarbeiten zeigen. Be-

reits aus Kostengründen wird

deshalb keine Landesregierung

das anfassen“, ist Janßen si-

cher. Was den Vorschlag der

Vareler Ratsgruppe allerdings

besonderes ärgerlich mache,

sei die Verkennung der örtlichen

Situation in Jaderberg und Jade.

„Während in Varel eine vernünf-

tige Ausbaubreite der B 437 vor-

liegt, ist die Bebauung in Jader-

berg und Jade eng an der Stra-

ße. Die Belastung der Anwohner

von Jade und Jaderberg wäre

ungleich höher“ kritisiert Ulrich

van Triel, Fraktionsvorsitzender

der Grünen im Jader Rat.

Der SPD-Fraktionsvorsitzen-

de aus Jade, Johan Scholtal-

bers, wies darauf hin, dass es

eben Aufgabe einer Bundes-

straße sei, überregionalen Ver-

kehr aufzunehmen, die B 437

sei die Verbindung zwischen

A 29 und Wesertunnel. „Die L

862 ist erst im letzten Jahr auf-

wendig saniert worden. Durch

den nicht tragfähigen moorigen

Untergrund wird die L 862 von

schweren Fahrzeugen in Grund

und Boden gefahren.“ Vielmehr

müsse die Lastbeschränkung

schärfer überwacht werden, so

Scholtalbers.

(tz)

Im Dialog: Leserbriefe