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9. April 2017

Varel

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Untergrund erfordert spektakuläre Baumaßnahmen

Startsignal für Ausbau der Strecke Sande-Varel – Fertigstellung 2020

Varel.

Erst muss es schlimmer

werden, bevor es dann schön

wird: Die nächsten drei Jahre

bestimmen Bauarbeiten das

Geschehen auf dem Bahn-Stre-

ckenabschnitt zwischen Varel

und Sande. Mit einem symbo-

lischen Akt haben Ronald Po-

falla, Vorstand Infrastruktur der

Deutschen Bahn AG, Staatsse-

kretär Enak Ferlemann und der

niedersächsische Minister für

Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Olaf Lies am Montag das offizi-

elle Startsignal für den Beginn

der Bauarbeiten gegeben.

Enak Ferlemann warb bei

den Anwohnern um Verständ-

nis für die Belastungen: „und

bitte beschimpfen Sie nicht die

Menschen, die bei Wind und

Wetter dort bauen. Richten Sie

die Beschwerden an die Bahn

oder an Olaf Lies, die sind dafür

zuständig.“

JadeWeserPort bleibt

jederzeit erreichbar

Die nun in Angriff genom-

menen rund 10 Kilometer sind

ein Teilstück für den Ausbau

der Bahnstrecke zwischen Ol-

denburg und Wilhelmshaven.

„Diese Strecke ist für den Erfolg

des JadeWeserPorts und einen

leistungs- und wettbewerbs-

fähigen Schienengüterverkehr

Richtung Süden unverzichtbar.

Als verlässlicher Partner des Ja-

deWeserPorts stellen wir durch

ein optimiertes Bauverfahren

sicher, dass der Hafen während

der Bauarbeiten täglich über die

Schiene erreichbar ist“, erläutert

Ronald Pofalla. „Und genauso

wichtig ist: Wir haben den An-

spruch, die Beeinträchtigungen

für die Anwohner der Strecke

während der mehrjährigen Bau-

arbeiten und auch nach der Inbe-

triebnahme so gering wie mög-

lich zu halten. Durch den um-

fangreichen Ausbau der Strecke

werden umfassende Lärm- und

Erschütterungsschutzmaßnah-

men realisiert“, so Pofalla weiter.

Im Bereich von Ellenserdam-

mersiel werden dafür 870 Meter

Lärmschutzwand errichtet und

Erschütterungen durch besohlte

Schwellen vermindert. Dort, wo

die Strecke bebautes Gebiet be-

rührt, verringert elastisches Ma-

terial unter den Betonschwellen

etwaige Vibrationen.

Eine unterirdische Brücke

Die Arbeiten in diesem Stre-

ckenabschnitt werden vo-

raussichtlich bis April 2020

andauern. Der Bund investiert

mit Unterstützung der Euro-

päischen Union insgesamt 97

Millionen Euro allein für die

Baumaßnahmen an der Strecke

Varel-Sande. Enak Ferlemann

machte deutlich, wie schwierig

die Arbeiten seien: „Wir haben

hier ungefähr den schlechtesten

Baugrund, den man sich vor-

stellen kann.“

Niedersachsens Verkehrsmi-

nister Olaf Lies erklärte weiter:

,,Hier ist der Einsatz spektaku-

lärer Bauverfahren notwendig.

So wird beispielsweise mit der

sogenannten Fahrwegtiefgrün-

dung gewissermaßen eine 180

Meter lange unterirdische Brü-

cke gebaut und der Boden mit-

tels ‚Fräs-Misch-Injektion‘ auf

über sechs Kilometern Länge

bis zu neun Meter tief mit Ze-

ment verfestigt.“

Für Minister Lies war es be-

sonders wichtig, Einschrän-

kungen in der Erreichbarkeit

für den Containerterminal Wil-

helmshaven zu vermeiden: „Der

Containerterminal wird während

der gesamten Ausbauphase

erreichbar sein. Als einziger

Tiefwasserhafen in Deutsch-

land nimmt er eine Schlüssel-

rolle für den Logistikstandort

Deutschland ein. Zeitliche Ver-

zögerungen oder sogar Unter-

brechungen der Logistikkette

aufgrund von Baumaßnahmen

wären inakzeptabel gewesen.

Und auch die Lösungen am

Wochenende für den Personen-

verkehr sind akzeptabel. Damit

haben wir eine kluge Lösung

gefunden. Die Zusammenar-

beit zwischen Bahn, Land und

Region hat sich bewährt. Wir

haben hier im Norden eine en-

orme Zukunftsperspektive und

werden mit der Ertüchtigung

der Strecke den JadeWeserPort

deutlich besser positionieren.

Dem pflichtete auch Varels Bür-

germeister Gerd-Christian Wag-

ner bei: „Durch die Ertüchtigung

und die damit einhergehende

Zweigleisigkeit eröffnen sich

für die Region enorme Mög-

lichkeiten und der Betrieb des

JadeWeserPorts kann richtig

durchstarten.“

Ab 2023 wieder freie Fahrt

Er richtete einen Appell an Ol-

denburg, auch hier gemeinsam

an Lösungen zu arbeiten: „Wir

haben bereits ein Höchstmaß

an Verbesserungen für die An-

wohner erarbeitet und werden

gemeinsame Lösung zum Bei-

spiel beim Lärmschutz finden.“

Der Minister dankte schließ-

lich den handelnden Akteuren

und insbesondere auch der

Politik vor Ort: „Die Region hat

sich bei diesem Thema stets

gemeinsam positioniert und es

wurde auch nie zu einem partei-

politischen Thema.“

Bis zur endgültigen Fertigstel-

lung der Gesamtstrecke zwi-

schen Oldenburg und Wilhelms-

haven werden voraussichtlich

mehr als 875 Millionen Euro ver-

baut sein. Die Europäische Uni-

on trägt dazu 35 Millionen Euro

bei. Das Gesamtprojekt soll mit

der Elektrifizierung in 2022 fer-

tiggestellt werden.

Und mit den Worten der Ak-

teure hört sich dies so an: „Ab

2023 heißt es dann volle Fahrt

voraus – das ist unser gemein-

sames Ziel!“

(ak)

Ulrich Bischoping (Deutsche Bahn), Karin Evers-Meyer, Olaf Lies, Ronald Pofalla, Enak Ferle-

mann und Hans-Werner Kammer (v.l.) beim „symbolischen Startschuss“ für die Bauarbeiten

zum Ausbau der Bahnstrecke zwischen Sande und Varel.

Fotos: Anke Kück

Die schwierigen Bodenverhältnisse erforden einen hohen

Aufwand bei den Baurbeiten.