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22. April 2017

Varel

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Ministerpräsident von Innovationskraft begeistert

Stephan Weil besucht Papier- und Kartonfabrik Varel – „Friesland gehört zu Gewinnern in Niedersachsen“

Varel.

Sichtlich beeindruckt

war Ministerpräsident Stephan

Weil am Mittwochabend nach

einem zweistündigen Besuch

bei der Papier- und Kartonfabrik

in Varel. Nicht nur die Dimensi-

onen der Maschinen, auch die

Komplexität der Verfahrenspro-

zesse und die vielen innovativen

Anlagen für eine möglichst res-

sourcenschonende Papierpro-

duktion rangem dem nieder-

sächsischen

Regierungschef

Respekt ab.

Weil war in Begleitung von

SPD-Bundestagskandidatin

Siemtje Möller, Landrat Sven

Ambrosy, der SPD-Kreisvorsit-

zenden Elfriede Ralle und dem

Vareler Bürgermeister Gerd-

Christian Wagner in das Unter-

nehmen gekommen, um sich

über Leistungsfähigkeit und

Investitionsvorhaben des Un-

ternehmens zu informieren. Vor-

gestellt wurde dabei auch das

Neubauprojekt des Schwester-

Unternehmens Jade-Pack, de-

ren neuer Firmensitz gerade im

nur wenige hundert Meter ent-

fernten Gewerbe- und Logistik­

port errichtet wird. Insgesamt

investiert Jade-Pack hier rund

14 Millionen Euro, für die Ansied-

lung des bislang in Rodenkir-

chen ansässigen Unternehmens

hatte das Land eine Förderung

von 1,2 Millionen Euro zugesagt.

Im August soll der neue Standort

in Betrieb gehen.

Begrüßt wurde der Minister-

präsident zunächst von Senior-

Gesellschafter Jürgen Evers,

Senior-Gesellschafter der PKV.

Der erinnerte eingangs mit einer

Anekdote an einen früheren Mi-

nisterpräsidentenbesuch: „Vor

ziemlich genau 25 Jahren war

Gerhard Schröder bei uns zu

Gast, damals war kurz zuvor die

Papiermaschine 4 abgebrannt“,

so Evers, „und heute ist kurz vor

Ihrem Besuch gleich das ganze

Werk wegen einer beschädigten

Stromleitung zum Stillstand ge-

kommen.“

Jürgen Evers ging kurz auf die

Historie und die Philosophie des

Unternehmens ein, das schon

immer zu den innovativen und

umweltbewussten in der Bran-

che gezählt habe.

Dass dies auch heute noch

der Fall ist, machten dann der

technische Geschäftsführer Ul-

rich Lange und Dettmar Fischer

von der Geschäftsleitung in ei-

ner ausführlichen Präsentation

deutlich. Bereits seit 1950 setzt

die Papier- und Kartonfabrik

ausschließlich auf Altpapier als

Rohstoff, durch eine der mo-

dernsten

Prozesswasserbe-

handlungsanlagen kommt die

Vareler Fabrik rechnerisch mit

4,3 Litern Wasser pro erzeugtem

Kilogramm Papier aus – im Bran-

chendurchschnitt ist es gut die

doppelte Menge.

Und das Vareler Unternehmen

will weiter in möglichst ressour-

censchonende Technologie in-

vestieren. So soll bis 2018 die

Abfallmenge, die vom Werk bis-

lang abgefahren werden muss,

von zuletzt 96 Tonnen auf 57

Tonnen reduziert werden – das

würde allein 1.500 Lkw-Fahrten

im Jahr einsparen. Auch eine

weitere Reduzierung der Ab-

wassermengen wird angestrebt.

Ulrich Lange betonte, dass bei

solchen Projekten die Planungs-

und

Genehmigungsprozesse

immer umfangreicher und zeit-

aufwendiger würden: „Von Sei-

ten der Behörden wird es den

Unternehmen schwer gemacht,

im Zeitrahmen zu bleiben.“

Eine Herausforderung sei fer-

ner die Gestaltung der Energie-

wende – daran wolle sich die Pa-

pier- und Kartonfabrik gern be-

teiligen, wie Dettmar Fischer be-

tonte, die entsprechenden Rah-

menbedingungen müssten aber

geschaffen werden. In einem

Positionspapier, das die Vertre-

ter der PKV dem Ministerpräsi-

denten mit auf den Weg gaben,

wird der Aufbau einer sogenann-

ten Power-to-heat-Anlage, in der

elektrischer Strom zur Erzeu-

gung von Wasserdampf genutzt

wird, als Baustein zur Entlastung

der Stromnetze dargestellt. Die

Vareler Fabrik könnte eine solche

Anlage gut in das vorhandene

KWK-Kraftwerk integrieren. „Die

Technik ist längst vorhanden,

aber Gebühren wie Netzentgel-

te und EEG-Umlage machen es

schwierig“, so Dettmar Fischer.

Zu der entsprechenden Investi-

tion sei das Unternehmen bereit:

„Auch wenn das zunächst Geld

kostet, wird das künftig ein en-

ormer Wettbewerbsvorteil sein.“

Stephan Weil sprach von in-

teressanten Vorschlägen, die es

von Seiten der Politik zu unter-

stützen gelte. „Man muss wohl

einräumen, dass die Energie-

wende ohne richtiges Drehbuch

gestartet ist“, so der Minister-

präsident.

Bei einem kurzen Rundgang

durch die Produktion konnten

sich die Politiker dann ein Bild

von den Dimensionen und Ab-

läufen in der Papierherstellung

machen. 850.000 Tonnen Karton

und Papier sind im vergangenen

Jahr in Varel erzeugt worden,

das brachte einen Umsatz von

rund 332 Millionen Euro. In den

kommenden Jahren soll die Pro-

duktion auf bis zu eine Million

Tonnen jährlich weiter zuneh-

men, damit wäre nach Auskunft

von Ulrich Lange die Kapazitäts-

grenze für die Fabrik erreicht.

531 Mitarbeiter sind derzeit in

der PKV beschäftigt, darunter

35 Auszubildende. Dass die Fir-

ma als Arbeitgeber in der Region

geschätzt werde, machten die

Betriebsratsvorsitzende Meike

Kempermann und der Auszubil-

dendenvertreter Welat Ediz deut-

lich. Es werde allerdings zuneh-

mend schwieriger, qualifizierte

Bewerber für alle Berufsbilder

zu finden, auch vor dem Hin-

tergrund des Schichtbetriebes.

Doch auch hier habe das Un-

ternehmen innovative Lösungen

anzubieten, etwa ein Teilzeitmo-

dell auch für den Schichtdienst.

Welat Ediz betonte, er könne jun-

gen Absolventen die Papier- und

Kartonfabrik als attraktiven Aus-

bildungsbetrieb nur empfehlen.

„Das hört sich alles tatsächlich

genauso an, wie Olaf Lies es mir

schon geschildert hatte“, erklär-

te Stephan Weil abschließend.

Der aus Friesland stammende

Landes-Wirtschaftsminister sei

darüber hinaus auch der rich-

tige Ansprechpartner wenn es

darum gehe, gemeinsam mit der

Landespolitik nach Lösungen für

anstehende Herausforderungen

zu suchen.

(tz)

PKV-Geschäftsführer Ulrich Lange (m. Mikrofon) erläutert bei einem Rundgang durch das

Werk die Produktionsprozesse, Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, Ulrike Dräger (Ge-

schäftsführung Jade-Pack), Ministerpräsident Stephan Weil, die SPD-Bundestagskandidatin

Siemtje Möller und Landrat Sven Ambrosy (v. links) hören zu.

Foto: Michael Tietz