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Varel

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Bislang keine konkrete Planung für Ortsumgehung

Leiter der Landesstraßenbaubehörde informiert im Ausschuss – Noch „Jahrzehnte“ bis mögl. Baubeginn

Varel.

Aufschlussreiche Infor-

mationen brachte Frank Buch-

holz, Leiter des Geschäftsbe-

reichs Aurich der Landesbehör-

de für Straßenbau und Verkehr,

am Dienstag für den städtischen

Planungsausschuss mit. Buch-

holz informierte über den Sach-

stand zur Ortsumgehung Varel

und ging dabei auch auf die Zu-

sammenhänge der Verkehrspro-

blematik in der Stadt ein.

Eine Ortsumgehung für Varel

war vom Land Niedersachsen

im Schweinsgalopp noch gera-

de rechtzeitig für die Neuaufla-

ge des neuen Bundesverkehrs-

wegeplans angemeldet worden,

nachdem eine vom Land be-

zahlte verkehrswirtschaftliche

Untersuchung ergeben hatte,

dass eine solche Umgehung zur

Entlastung der Ortsdurchfahrt

B 437 vielleicht nicht gerade

zwingend notwendig, aber doch

wünschenswert sei.

Tatsächlich hatte die Ortsum-

gehung dann auch Einzug in den

Bundeswegplan gefunden, der

Vorhaben abbildet, deren Um-

setzung bis zum Jahr 2030 an-

gestrebt wird. Allerdings ist das

Projekt zunächst nur unter dem

sogenannten „Weiteren Bedarf

mit Planungsrecht“ gelistet. Frei

übersetzt ist das kaum mehr

als eine Absichtserklärung –

Geld für die konkrete Planung

oder gar den Bau einer Vareler

Umgehung ist bis weiteres nicht

vorhanden.

So dämpfte Frank Buchholz

zunächst die Erwartungen, was

den zeitlichen Rahmen betrifft:

„Wir reden hier von mindestens

einem Jahrzehnt, bevor wir in die

Nähe einer Realisierung kom-

men“, betonte der Fachmann in

aller Vorsicht, es sei eher von 20

bis 30 Jahren auszugehen. Al-

lein der Einstieg in die vorberei-

tenden Planung werde nicht vor

2020 erfolgen können.

Derzeit zur Debatte steht eine

etwa 5,7 Kilometer lange Um-

gehung nördlich der Stadt: Von

Diekmannshausen kommend

die lange Gerade aufnehmend

und dann zwischen Biogasan-

lage und alter Deponie die Neu-

wangerooger Straß querend,

würde diese Trasse nördlich in

Höhe des Aal & Krabbe-Park-

platzes die Hafenstraße und die

Grodenchaussee kreuzen und

dann im weiten Bogen um die

Siedlungsbereich im Nordwe-

sten bei der Kartonfabrik auf die

Hellmut-Barthel-Straße treffen.

Der Bahnübergang Dangaster

Straße wäre durch eine Brücke

oder eine Unterführung zu er-

setzen, der Verlauf unter oder

über die Schienen war schon

beim Bau der Hellmut-Barthel-

Straße planerisch berücksich­

tigt worden.

Reine Baukosten bei ca.

26 Millionen Euro

Eine stichfeste Kostenberech-

nung für diese Variante gibt es

noch nicht, wie Frank Buchholz

betonte, nach erster überschlä-

giger Schätzung sei von minde-

stens 26 Millionen Euro auszu-

gehen. Und keineswegs stehe

fest, dass genau diese Variante

kommen wird: „Wir haben noch

keine konkrete Planung. Wäre

möglich, dass sich im Verfahren

eine südliche Umgehung oder

eine ganz andere Lösung er-

geben“, so der Behördenleiter.

„Geplant wird am Ende in jedem

Fall die günstigste Lösung.“

Die jetzt aufgezeigte Nordum-

gehung hatte sich als Vorzugs-

variante aus der Verkehrswirt-

schaftlichen

Untersuchung

ergeben, südliche Varianten

waren hierbei aufgrund höherer

Kosten und höheren Raumwi-

derstandes verworfen worden.

Allerdings, so Frank Buchholz,

gelte es auch die Wirkung einer

Umgehung auf die Oldenburger

Straße zu betrachten, die ja in

den vergangenen Jahren durch-

aus mit Sorge betrachtet wor-

den sei. Nach Verkehrszahlen

von 2010 sind auf der Oldenbur-

ger Straße im Stadtgebiet sogar

mehr Fahrzeuge täglich unter-

wegs als auf der B 437.

Tunnel durch die Stadt

wäre exorbitant teuer

Eine Tunnellösung für die

Ortsdurchfahrt Varel wird es

hingegen sicher nicht geben.

Auf die Variante mit einer Un-

terführung durch die Stadt an-

gesprochen, musste sich Frank

Buchholz ein Schmunzeln müh-

sam verkneifen: Er habe eine

Weile gegrübelt, was er zu die-

sem Vorschlag sagen solle, so

recht sei ihm da nichts eingefal-

len. Nur soviel: Ganz abgesehen

von der Frage, ob das bautech-

nisch überhaupt machbar wäre

und wie die immensen Pro-

bleme zur Anbindung der que-

renden Straßen gelöst werden

könnten, wäre solch ein Tun-

nelprojekt mit Kosten von wohl

mehreren hundert Millionen

Euro verbunden, dazu ließen

sich Erfahrungswerte etwa aus

U-Bahn-Projekten heranziehen.

Diese Kosten wären derart un-

verhältnismäßig, dass die öf-

fentliche Hand nicht einmal in

die Versuchung kommen wür-

de, ein solches Projekt auch nur

ernsthaft zu überdenken. Solch

eine „Tunnellösung“ ist nun-

mehr also vom Tisch, war man

sich daraufhin im Ausschuss ei-

nig. Die CDU-Fraktion hatte ge-

nau mit diesem Ziel beantragt,

die Kosten und die Machbarkeit

einer solchen Option einmal zu

prüfen.

Ob und inwieweit man die

Vareler Bürgerschaft in Erörte-

rung und Planung für eine – wie

auch immer geartete – Ortsum-

gehung einbeziehen kann, das

soll nun nach Möglichkeit ge-

prüft werden. Der CDU schwebt

dafür ein Bürgerentscheid vor –

dabei soll es auch um die Frage

gehen, ob denn der Neubau ei-

ner Umgehung insgesamt über-

haupt mehrheitlich gewünscht

oder abgelehnt wird.

Allerdings räumte Frank

Buchholz auf Nachfrage ein,

dass Land und Bund, wenn die

Planung einmal genehmigt und

aufgenommen sein sollte, nur

wenig Spielraum für Wünsche

von Seiten der Kommune ha-

ben. Es sei also hilfreich, zuvor

zu einem deutlichen Votum zu

finden. „Es gibt genug Kommu-

nen in Niedersachsen, die auf

eine Umsetzung von Projekten

warten, da sollte man in Varel

nicht etwas umsetzen müssen,

was vor Ort am Ende niemand

haben will.“

Trotz eines vergleichsweise

bescheidenen Nutzen-Kosten-

Verhältnisses von 1:1,5 ge-

nießt die Ortsumgehung Varel

auf der Prioritätenliste des

Landes derzeit einen vorde-

ren Platz. Dennoch gibt es bis

dato keinen Planungsauftrag,

wie Buchholz bestätigte: Der

müsste vom Landesverkehrs-

ministerium kommen, doch

Finanzmittel stehen dafür der-

zeit nicht zur Verfügung. Das

Raumordnungsverfahren und

die Planung würde das Land

übernehmen und bezahlen, für

den Bau wäre später der Bund

zuständig.

Bürgerentscheid, Dialog –

oder beides?

Der Planungsausschuss hatte

es jetzt mit dem besagten An-

trag der CDU sowie mit einem

Vorschlag von Norbert Ahlers

zu tun, der die Anstrengung

eines „Bürgerdialogs zum The-

ma Perspektiven einer fort-

schrittlichen Verkehrsführung in

der Stadt Varel“ sowie die Kon-

stituierung einer Planungsgrup-

pe beantragt hat. Ahlers warb in

der Sitzung dafür, auf möglichst

breiter Basis einen Konsens für

die künftige Ausrichtung der

städtischen Verkehrspolitik im

Konsens mit Land und Bund

zu erarbeiten. Dabei könne es

nicht allein um die vermeintlich

simple Frage nach dem „Ja

oder Nein zur Nordumgehung“

gehen.

Hergen Eilers (CDU) mahnte

ebenfalls an, die Stadt müs-

se nun behutsam und voraus-

schauend agieren: „Am Ende

müssen wir alle Optionen disku-

tiert haben und hinter alle Vor-

schläge einen Haken machen

können, bevor es an die Umset-

zung einer Lösung gehen kann“,

so Eilers.

Ein solches Vorgehen be-

zeichnete auch Bürgermeister

Wagner als ratsam. Angesichts

der nicht selten erregt geführten

öffentlichen Debatten um tat-

sächliche oder vermeintliche

Verkehrsbelastungen brachte

Wagner auch seine Irritation

darüber zum Ausdruck, dass

der Sitzung gerade einmal zwei

Zuhörer beiwohnten: „Offenbar

besteht doch recht wenig In-

teresse an diesen Themen, da

hatte ich heute eine andere Be-

teiligung erwartet.“

Auf Antrag der SPD wurden

schließlich beide Anträge ohne

Beschlussempfehlung zur wei-

teren Beratung wieder in die

Fraktionen gegeben.

(tz)