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3. Juni 2017

Varel

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Zweite Ampel für Hafenstraße

Querungshilfe soll Schulweg sicherer machen

Varel.

An der Hafenstraße

soll eine weitere Bedarfsam-

pel errichtet werden, Standort

soll stadtauswärts gesehen un-

mittelbar vor der Einmündung

Judith-von-Eßen-Straße sein.

Das jedenfalls sieht eine Be-

schlussempfehlung des Aus-

schusses für Bauen und Verkehr

vom Montag vor. Damit folgte

der Ausschuss einem entspre-

chenden Wunsch der Hafen-

schule und der Elternschaft, die

für die Grundschulkinder eine

zusätzliche Möglichkeit zur si-

cheren Querung der Hafenstra-

ße gefordert hatten.

Zunächst hatte die neue Am-

pel einen Platz zwischen Gras-

hof und Gorch-Fock-Straße

finden sollen, das erwies sich

aber wegen der dort ansäs-

sigen Einzelhandelsbetriebe als

schwierig, das Parken vor Bä-

ckerei und Fleischerei wäre dann

nicht mehr möglich gewesen. Bei

einem Ortstermin hatte Raimund

Recksiedler (SPD) vorgeschla-

gen, die Ampel weiter zur Judith-

von-Eßen-Straße zu verlegen,

zumal aus der dort entstehen-

den Neubausiedlung künftig

die Mehrzahl der potenziellen

Nutzer kommen würde. Diesem

Vorschlag schlossen sich Schul-

leitung und Elternvertreter an.

Drei Viertel des Einzugsbe-

reiches der Hafenschule so-

wie die älteren Bürger in den

Wohnvierteln könnten die neue

Bedarfsampel optimal nutzen,

heißt es in einer Stellungnahme

von Schulleiterin Regina Mat-

tern-Karth und dem Elternrats-

vorsitzenden André Düe. Wich-

tig sei aber, dass der Fußweg

in der Judith-von-Eßen-Straße

zeitnah fertiggestellt werde.

Rund 15.000 Euro wird die In-

stallation der neuen Bedarfsam-

pel kosten. Zuvor muss die Stadt

noch das Einverständnis der

Landesbehörde für Straßenbau

und Verkehr einholen. Bei der

Hafenstraße handelt es sich um

eine Kreisstraße. Weil aber Ver-

kehrsbehörde wie auch die Poli-

zei keinen dringenden Bedarf für

eine zusätzliche Querungshilfe

gesehen hatten, muss die Stadt

deren Aufbau selbst tragen.

Seitens der Hafenschule ver-

spricht man sich von der neuen

Ampel ein deutliches Mehr an

Sicherheit auf dem Schulweg,

insbesondere am Morgen. Mit

Inbetriebnahme der Ampel wer-

de die Verkehrserziehung an der

Schule auf diese abgestellt und

der Schulweg deutlich sicherer.

Wenngleich es im Ausschuss

Bedenken gab und die Anre-

gung formuliert wurde, für Be-

dürfnisse dieser Art eine grund-

sätzliche Haltung zu entwickeln,

um nicht jeweils „auf Zuruf“

agieren zu müssen, erging der

Beschluss im Ausschuss bei

einer Enthaltung ohne Gegen-

stimme.

(tz)

Geschichte und Geheimnisse im Treppenhaus

Denkmalschutz-Stiftung stellt 15.000 Euro für Wand- und Türenrestauration zur Verfügung

Varel.

Wer das Treppenhaus

im Haus Schlossplatz 8 betritt,

atmet buchstäblich Gründer-

zeitluft. Es riecht nach Holz und

Farbe, getrocknet innerhalb von

142 Jahren durch Raumluft und

Sonnenlichteinfall. Ein Blick ent-

lang der Wände und Decken

offenbart zahlreiche florale Mu-

ster, die die Wände zieren, ein-

gefasst in Rahmen und Bordü-

renelemente – ein reichhaltiger

Dekorschatz im 1875 erbauten,

ehemaligen Kaufmannshaus,

der jedoch noch umfassender

Restaurierung bedarf.

Kürzlich übergab Dörte Los-

sin, Ortskuratorin Oldenburg der

Deutschen Stiftung Denkmal-

schutz gemeinsam mit Olaf En-

gelhardt von Lotto Niedersach-

sen einen Fördervertrag in Höhe

von 15.000 Euro an Hauseigen-

tümerin Hildegard Korell. Die

Summe ist für die Restaurierung

der Wandflächen, sowie Kon-

servierung und Wiederherstel-

lung der Holztüren und -treppen

vorgesehen. Bereits für den

ersten Bauabschnitt im vergan-

genen Jahr hatte die Deutsche

Stiftung Denkmalschutz 20.000

Euro zur Verfügung gestellt.

Wie kleinteilig und aufwändig

die Arbeit des Teams um Re-

stauratorin Ina Pratesi bisher

ausgefallen ist, erläuterte Hilde-

gard Korell bei einem Rundgang

durch das historische Treppen-

haus. „Das Team hat mit der

Lupe und Zentimeter für Zenti-

meter gearbeitet“, erläuterte die

Eigentümerin die Prozedur, wo-

bei mittels speziell vorbehandel-

ter Schwämmchen behutsam

und in mehreren Durchgängen

die Wanddekorationen von Ruß,

Nikotin und Ablagerungen der

damaligen Gaslichtlampen be-

freit wurden. Eine zeitbindende

Tätigkeit: „Bisweilen waren zwei

bis drei Kräfte gleichzeitig am

Werk“, so Hildegard Korell.

Dort, wo sich der ursprüng-

liche Putz großflächig von der

Wand gelöst hat, wurde mittels

Nachverputzung das Niveau zu

den umliegenden, unbeschä-

digten Farbschichten hergestellt

– „und zwar so, dass durch den

kommenden Farbauftrag die

alte und die neue Fläche wieder

eine Ebene bilden.“ Kleine Farb-

schollen, angelöst durch Son-

neneinwirkung, wurden mittels

spezieller Technik erwärmt und

„gebügelt“. Für großflächig an-

gelösten Putz kamen dagegen

Klebeverfahren zum Einsatz.

„Wenn Sie hier eine vorstehende

Kante einfach an die alte Stelle

zurückdrücken, bricht es rings-

um ab“, fasste Architekt Bern-

hard Remmers mechanische

Gefahren für das Dekorbild zu-

sammen.

Obwohl sich Hildegard Korell

seit dem Kauf des Hauses im

Jahr 2014 intensiv mit seiner

Geschichte auseinandergesetzt

hat, bleiben manche Details im

Verborgenen. „Es gibt leider kei-

ne Rechnungen oder Hinweise,

wer der Architekt des Hauses

war“, bedauert die Eigentüme-

rin. Die tatsächlichen Kosten für

die üppigen, in Handarbeit und

Schabloniertechnik umgesetz-

ten Dekorelemente des Trep-

penhauses lassen sich nicht

mehr ermitteln.

„Viele Fragezeichen werden

wohl bleiben“, vermutet Hilde-

gard Korell. Möglicherweise

lassen sich weitere Geheim-

nisse des Treppenhauses in der

Schlossstraße 8 im Zuge der

nächsten Wiederherstellungs-

maßnahmen auflösen.

(ts)

Die Finanzierung der nächsten notwendigen Restaurationsschritte ist gesichert: Olaf Engel-

hardt von Lotto Niedersachsen, Eigentümerin Hildegard Korell, Ortskuratorinnen Dörte Los-

sin und Inga Gronow von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie Architekt Bernhard

Remmers bei der symbolischen Vertragsübergabe.

Foto: Thorsten Soltau