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Varel

Friebo 23/2017

Küstenschutz: „Eine Daueraufgabe, die sich rechnet“

NLWKN hat erstmals Schadenspotenzialanalyse vorgelegt – Neubau des Wapeler Siels ein Mammutprojekt

Norden/Wapelersiel.

Allein

rund 35 Millionen Euro kostet

der Neubau des Wapeler Siels,

der einhergeht mit der Verstär-

kung des Hauptdeiches am öst-

lichen Jadebusen: Über mehr

als fünf Jahre hinweg wird auf

der Großbaustelle gearbeitet,

die Fertigstellung ist für 2020

geplant. Ein großes Projekt, und

doch nur eines unter vielen ent-

lang der Nordseeküste.

Küstenschutz rechne sich

aber, wie Niedersachsens Um-

weltminister Stefan Wenzel jetzt

betonte: Der Niedersächsische

Landesbetrieb für Wasserwirt-

schaft, Küsten- und Natur-

schutz (NLWKN) hat nun eine so

genannte Schadenspotentiala-

nalyse für alle 22 Hauptdeich-

verbände in Niedersachsen vor-

gelegt – mit beeindruckenden

Zahlen: „Die Deiche an der nie-

dersächsischen Küste schützen

Werte in einer Größenordnung

von rund 129 Milliarden Euro“,

sagte Minister Wenzel in der

vergangenen Woche in Norden

anlässlich der Vorstellung des

Jahresberichts des NLWKN.

„Wenn Niedersachsen also jähr-

lich mehr als 60 Millionen Euro

für den Küstenschutz ausgibt,

ist das gut angelegtes Geld“.

Der Schutz der Deichver-

bandsgebiete an der Nieder-

sächsischen Küste gegen

Überflutung durch Sturmfluten

sei für diesen wichtigen Le-

bens-, Wirtschafts- und Kul-

turraum von existentieller Be-

deutung, betonte Wenzel. Um

die Gefährdungslage und die

Bedeutung des Küstenschutzes

für die Gebiete der Hauptdeich-

verbände in Niedersachsen zu

quantifizieren, hat der NLWKN

jetzt die Höhenverteilungen in

den sturmflutgeschützten Kü-

stengebieten detailliert analy-

siert und das Gesamtschaden-

potential errechnet.

Der II. Oldenburgische Deich-

band hat demnach den größten

„Einzelposten“ aller 22 Haupt-

deichverbände zu bewirtschaf-

ten: Insgesamt 142 Kilometer

Deichlinie, von Oldenburg ent-

lang der Hunte und der Weser

(jeweils westliches Ufer) rund

um Butjadingen entlang des

Jadebusens bis nach Dangast

liegen im Zuständigkeitsbereich

des II. Oldenburgischen Deich-

bandes, das Verbandsgebiet

umfasst rund 84.000 Hektar und

das kalkulierte Schadenpotenzi-

al beträgt fast 20 Milliarden Euro.

„Die Analysemethode wur-

de durch den NLWKN im Rah-

men von verschiedenen For-

schungs- und Entwicklungs-

vorhaben entwickelt“, ergänzte

Rainer Carstens, Mitglied der

Direktionsleitung des NLW-

KN. Basis für die Ermittlung

der Schadenspotentiale bilden

amtliche Landnutzungsdaten

und statistische Daten. So

könne eine hohe Verlässlich-

keit und Aktualität der Daten-

grundlagen sichergestellt wer-

den. Es sei allerdings dabei zu

berücksichtigen, dass über die

gewählte Methodik ausschließ-

lich direkte, monetär bewert-

bare Schadenspotentiale und

Schäden ermittelt wurden. „Die

Quantifizierung von indirekten

Schäden ist noch mit erheb-

lichen methodischen Interpre-

tationsspielräumen verbunden

und in Teilen noch Gegenstand

der Forschung“.

„Aus der Analyse der Höhen-

verteilungen wird deutlich, dass

große Teile, nämlich 60 Prozent

der niedersächsischen Küsten-

gebiete, unterhalb des mittleren

Tidehochwassers liegen. Das

macht die große Bedeutung von

Küstenschutzanlagen nicht nur

im Falle von extremen Sturm-

flutereignissen deutlich“, erläu-

terte Carstens.

Das Land Niedersachsen gibt

2017 mehr als 60 Millionen Euro

für den Küstenschutz aus, u.a.

zehn Millionen Euro aus dem

Sonderprogramm „Maßnahmen

des Küstenschutzes infolge des

Klimawandels“. Für Baumaß-

nahmen der Verbände sind in

diesem Jahr rund 40 Millionen

Euro vorgesehen: „Das meiste

Geld wird für Baumaßnahmen

des II. Oldenburgischen Deich-

bandes am Jadebusen und

der linksseitigen Weser ausge-

geben“, erläuterte Anne Rick-

meyer, Direktorin des NLWKN.

Sie betont, dass seit 1955 rund

drei Milliarden Euro in den Kü-

stenschutz investiert wurden.

Dennoch sei die Liste der Maß-

nahmen im Küstenschutz nach

wie vor lang: „Mehr als 200

Vorhaben mit einem Gesamt-

volumen von 362 Millionen Euro

sind noch angemeldet. Küsten-

schutz ist eben eine Dauerauf-

gabe, die sich rechnet“.

Rickmeyer zog während der

Jahrespressekonferenz auch

eine Bilanz der Sturmflutsai-

son, die 2016/2017 an der nie-

dersächsischen Küste gekenn-

zeichnet war durch mehrere

leichte Sturmfluten: „Prägend

waren die Sturmflut vom 26. De-

zember 2016 und die Sturmti-

denkette vom 11. bis zum 14.

Januar 2017 – das war schon

sehr ungewöhnlich“.

Der Jahresbericht des Lan-

desbetriebs ist verfügbar unter

www.nlwkn.niedersachsen.de

Die Baustelle am Wapeler Siel gehört zu den großen Einzelprojekten im Rahmen des Küsten-

schutzes, für 35 Millionen Euro wird hier über fünf Jahre gebaut.

Foto: NLWKN

„Über alle Grenzen hinweg“

Lesung und Gespräch über Flucht und Hilfe

Varel.

Sie fühlten sich plötz-

lich für andere Menschen ver-

antwortlich, mit Herz und Hand,

und dies teils rund um die Uhr.

Flüchtlingshelfer im Herbst 2015

– und oft auch noch heute.

Warum sind so viele Men-

schen, gerade gläubige, bereit

sich so intensiv für Flüchtlinge

einzusetzen? Was erleben sie

dabei? Was bedeutet dies für

die Kirchen? Diesen und ande-

ren Fragen ging der Frankfurter

Historiker und Berater für inter-

kulturelle Kooperationen Erhard

Brunn in den vergangenen neun

Monaten in dutzenden von In-

terviews nach. Was er dabei

herausgefunden hat, erzählt er

in seinem gerade erschienenen

Buch „Über alle Grenzen hin-

weg. Flucht- und Hilfe-Berichte

und Meinungen aus dem In- und

Ausland. Am

Montag, 19. Juni

,

kommt Erhard Brunn zu Lesung

und Gespräch nach Varel. Er

wird zunächst aus seinem Buch

lesen. Danach wird es ausführ-

lich Gelegenheit geben, mit ihm

ins Gespräch zu kommen und

eigene Fragen und Erfahrungen

einzubringen.

Beginn in der Turmloge der

Vareler Schlosskirche (Eingang

Turmportal) ist um 19 Uhr. Der

Eintritt ist frei. Zu diesem Abend

laden die Flüchtlingsarbeit im

Kirchenkreis

Friesland-Wil-

helmshaven, die Ev. Familienbil-

dungsstätte des Kirchenkreises

und die Ev.-luth. Kirchenge-

meinde Varel gemeinsam ein.

Fahrradhaus REINERS

26316 Varel-Seghorn

Altjührdener Straße 2a

Telefon 0 44 51 - 9 79 00 52

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