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Varel

Friebo 25/2017

„Vorurteile halten der Überprüfung nicht stand“

Mitglieder von „Zukunft Varel“ besuchten Hähnchenmastbetrieb – Bedingungen ähnlich wie in Wehgast

Varel.

„Wer entscheiden will,

muss informiert sein“ – Nach

diesem Motto hat kürzlich eine

Delegation der Wählergemein-

schaft „Zukunft Varel“ eine Ge-

flügelmastanlage im Emsland

besucht. Die Exkursion, an der

sowohl Stadtratsmitglieder als

auch Mitglieder ohne Mandat

teilnahmen, war vor dem Hinter-

grund der Diskussion um einen

an der Wehgaster Straße bei

Dangast geplanten Hähnchen-

maststall organisiert worden.

Nach Mitteilung von Zukunft

Varel führte die Informationsfahrt

zu einem gewerblich geneh-

migten und landwirtschaftlich

betriebenen Hähnchenmastbe-

trieb mit bis zu 42.000 Plätzen,

derzeit besetzt mit 31.000 Mast-

hähnchen. Diese Anlage befinde

sich in einem Naherholungsge-

biet, die Bedingungen seien da-

her mit denen des in Wehgast

beantragten Vorhabens ver-

gleichbar. „Wieder einmal zeigte

es sich, dass es gegenüber der

landwirtschaftlichen Tierhaltung

Vorurteile gibt, die dann einer

praktischen Überprüfung nicht

standhalten“, teilte Axel Neuge-

bauer von Zukunft Varel im An-

schluss an die Besichtigung mit:

„Sauberkeit, Hygiene, tierge-

rechte klimatische Verhältnisse,

der Einsatz entsprechender

Technik und fachkundiges Ma-

nagement dienen dem Tier und

verhindern eine Belastung der

Umwelt. Nur dies zusammen

garantiert letztlich auch wirt-

schaftlichen Erfolg.“ Man könne

nur empfehlen, sich sachlich zu

informieren, bevor über das Vor-

haben geredet und entschieden

werde. „Die Landwirte sind be-

reit, ihre Arbeit zu zeigen und

zu erläutern. Es darf nicht sein,

dass einem Berufsstand im-

mer wieder mit Vorurteilen und

Falschbehauptungen begegnet

wird“, so Zukunft Varel. So wer-

de zuletzt verhindert, dass sich

junge Landwirte mit flächenklei-

nen Betrieben überhaupt noch

entwickeln können. Vertreter

der Fraktion Zukunft Varel im

Stadtrat hatten bereits bei De-

batten in Ausschusssitzungen

kritisiert, dass sich Kritiker nicht

selten pauschal gegen das Vor-

haben zur Wehr setzen würden,

ohne sich mit den Details der

beabsichtigten Tierhaltung zu

befassen. So habe auch der

Vorhabenträger das Angebot

gemacht, sich vergleichbare

Mastställe andernorts anzu-

schauen. Das sei aber stets ab-

gelehnt worden.

Wie berichtet, ist bei der Stadt

ein Bauantrag für einen Mast-

stall eingereicht worden, in dem

bis zu 29.900 Masthähnchen

gehalten werden könnten. Der

Stadtrat hatte in der letzten Wo-

che entschieden, ein Verfahren

in Gang zu setzen, um künftig

stärker Einfluss darauf nehmen

zu können, wo im Stadtgebiet

solche nach Baugesetzbuch

grundsätzlich

privilegierten

Bauvorhaben möglich sein sol-

len und wo im Zweifel nicht. Der

vorliegende Antrag kann damit

für zunächst maximal ein Jahr

zurückgestellt werden.

(tz)

Mitglieder von „Zukunft Varel“ besuchten kürzlich einen

Hähnchenmastbetrieb im Emsland. Nach Begrüßung und

Einweisung durften die Besucher in Schutzkleidung auch in

den Stall.

Foto: privat/ZV

Unterstützung für Schulsozialarbeit nötig

Schulvorstand überreicht Antrag an Bundestagsabgeordneten Hans-Werner Kammer

Varel.

Jeder hat ein Recht

auf Bildung – was nach Selbst-

verständnis klingt, hat in den

vergangenen Jahren durch The-

men wie Inklusion und Integra-

tion neue Facetten erhalten, die

von den Schulen parallel zum

Bildungsauftrag im Schulplan

aufgenommen wurden. Gleich-

zeitig steigt damit der Zeit- und

Personalbedarf, den viele Schu-

len oftmals aus der Stammleh-

rerschaft heraus abdecken.

Am Lothar-Meyer-Gymnasi-

um in Varel arbeitet seit 2010

mit Familientherapeutin Mar-

tina Tuchscherer-Winkel eine

Schulsozialarbeiterin – für mehr

als 1000 Schüler, deren Eltern

sowie 80 Lehrkräfte. Noch läuft

die Finanzierung dieser Stelle

über die Barthel-Stiftung, doch

aufgrund des geringen Zins-

niveau steht weniger Geld zur

Finanzierung zur Verfügung. Die

Folgen: Reduzierung der Schul-

sozialarbeiter-Stunden und da-

mit weniger Zeit für die Belange

der Schüler.

Mit einem Antrag an die Bun-

desministerin für Bildung und

Forschung, Prof. Dr. Johanna

Wanka, will der Schulvorstand

des Lothar-Meyer-Gymnasium

nicht nur auf die Mengenver-

hältnis-Problematik zwischen

Sozialarbeit und gestiegener

Gymnasiastenzahl aufmerksam

machen, sondern bittet gleich-

zeitig um Kostenübernahme der

Schulsozialarbeit an Gymna-

sien. Das Land Niedersachsen

übernimmt zwar die Kosten an

den Oberschulen, von der Re-

gelung bleiben die Gymnasien

jedoch unberührt.

„Kommune und Land schie-

ben sich da gegenseitig den

schwarzen Peter zu“, kritisiert

Lehrer Andreas Liehr. „Die

Gymnasien werden seit Jah-

ren vertröstet – das ist ein ganz

misslicher Zustand“, beschreibt

Schulleiterin Astrid Geisler die

Schwierigkeit, die Schüler in

ihren individuellen sozialen Be-

dürfnissen mit wenigen Bord-

mitteln gut zu betreuen. Dabei

gehe es auch darum, dem ho-

hen pädogischen Anspruch ent-

sprechend gerecht zu werden.

Im Vorfeld hatte der Schul-

vorstand ein Schreiben an Mi-

nisterin Frauke Heiligenstadt

geschickt – jetzt überreichte

der Schulvorstand den Antrag

an das Bundesministerium an

den Bundestagsabgeordneten

Hans-Werner Kammer (CDU)

mit der Bitte um Zustellung.

Kammer versprach, das Schrei-

ben bei seinem nächsten Berlin-

Besuch an die Bundesministerin

zu übergeben und sicherte Un-

terstützung zu.

(ts)

Wünschen sich mehr politischen Rückhalt: Imke Koring und

Ralf Koch vom Schulelternrat/-vorstand, Schulleiterin Astrid

Geisler mit den Lehrern Thomas Wrieden, Andreas Liehr und

Daniel Kubacki (v. l.). Den Bescheid an Hans-Werner Kammer

übergab Schülerin Malin Stamer (Mitte).

Foto: Thorsten Soltau