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Varel

Friebo 25/2017

Nitratbelastung in Friesland bislang kein Thema

Trinkwasser: Grenzwerte bleiben in Varel und Sandelermöns deutlich unterschritten

Varel.

Das Trinkwasser im

Raum Friesland ist von ausge-

zeichneter Qualität, Belastungen

etwa durch Nitrate oder giftige

Stoffe wie Glyphosat sind in der

Region in absehbarer Zeit nicht

zu erwarten.

Dieses Fazit ergab sich nach

einem Vortrag von Holger Oelt-

jebruns von der EWE Netz

GmbH, die im Auftrag der Stadt

das Vareler Wasserwerk be-

treibt. Auf Wunsch der Politik

informierte Oeltjebruns unlängst

im Betriebsausschuss für das

Wasserwerk mit Blick auf Mel-

dungen über Nitratbelastungen

im Boden durch übermäßiges

Ausbringen von Gülle über die

Situation insbesondere für das

Vareler Wasserwerk.

Erst unlängst hatte das Um-

weltbundesamt darauf hinge-

wiesen, dass durch eine stei-

gende Nitratbelastung im Boden

künftig vielerorts die Wasserauf-

bereitung schwieriger werden

könnte. Die Folge wären mög-

licherweise deutlich steigende

Wasserpreise. Diese Probleme

gebe es in der Tat – aber bis dato

nicht im Nordwesten, betonte

dazu Holger Oeltjebruns.

Der Fachmann erläuterte dazu

auch die für das Wasserwerk

Varel geltenden Bedingungen:

Die Förderung von Grundwasser

durch das Werk ist wasserrecht-

lich vom Landkreis Friesland

zuletzt im Jahr 1998 genehmigt

worden, für die Dauer von zu-

nächst 30 weiteren Jahren, also

bis 2028. Jährlich dürfen bis zu

eine Million Kubikmeter Wasser

durch die fünf Brunnen gefördert

werden. Für das Wasserwerk ist

zudem bereits in den 1980er

Jahren ein Wasserschutzgebiet

festgesetzt worden. Dieses er-

streckt sich vom Wasserwerk

an der Oldenburger Straße ins-

besondere nach Südwesten,

es umfasst die Ortschaften

Obenstrohe, Bramloge und Alt-

jührden bis nach Grünenkamp.

Innerhalb dieses Gebietes gibt

es verschiedene Schutzzonen,

die strengsten Vorschriften gel-

ten im Fassungsbereich, einem

10-Meter-Radius um die För-

derbrunnen. Hier ist jedwede

Nutzung und sogar das Betreten

der Flächen verboten. Weiter

wird unterschieden zwischen

den Schutzzonen II, IIIA und IIIB

– dafür gelten diverse Verbote

und Nutzungsbeschränkungen

auch für die Landwirtschaft.

„Landwirte haben in diesem

Gebiet gewässerschonend zu

wirtschaften“, betonte Holger

Oeltjebruns, in der Regel funkti-

oniere das auch einvernehmlich.

Die Bauern würden bei Bedarf

beraten, dazu steht ein Fach-

mann von der Landwirtschafts-

kammer zur Verfügung. Aller-

dings habe man in der Region

auch vergleichsweise günstige

Bedingungen, was den Boden

betrifft: „Grünland ist schon op-

timal, um darunter das Wasser

zu ziehen.“ Hohe Nitratwerte wä-

ren für die Wasseraufbereitung

ein Problem: Nitrat ist nur sehr

schwer zu entfernen, das ist in

den heutigen Anlagen nicht vor-

gesehen, entsprechende Nach-

rüstungen wären also erforder-

lich, wenn es dereinst tatsäch-

lich zu hohe Werte geben wür-

de, so Oeltjebruns. Regelmäßig

werden Proben vom Grundwas-

ser genommen, bislang gebe es

hier für Friesland keinen Grund

zur Beunruhigung: Der Wert für

Nitrat etwa liege laut jüngeren

Messungen bei rund einem Mil-

ligramm je Liter, der Grenzwert

liegt bei 50 Milligramm. Das Er-

reichen dieses Wertes sei nach

menschlichem Ermessen in ab-

sehbarer Zeit nicht zu erwarten.

Gleiches gelte für andere immer

wieder diskutierte Problemstoffe

wie Glyphosat, sie seien in der

Region kaum nachzuweisen.

Im Betriebsausschuss nahm

man die Ausführungen zufrie-

den zur Kenntnis. Heinz-Peter

Boyken (ZV) wies aber darauf

hin, dass man eben Glück habe

in Friesland: „Unser Boden hat

also eine vergleichsweise gute

Filterwirkung. Das heißt ja nicht,

dass es keine Probleme gibt.“

Und Raimund Recksiedler (SPD)

ergänzte: „Was wir jetzt tun oder

beim Gewässerschutz eben

nicht tun, hat Auswirkungen auf

folgende Generationen.“

Ähnlich formuliert das der Ol-

denburgisch-Ostfriesische Was-

serverband, der über das Was-

serwerk Sandelermöns etwa die

Gebiete Zetel und Bockhorn so-

wie Varel-Land mit Trinkwasser

versorgt.

„Probleme dürfen nicht erst

im Wasserwerk gelöst werden.

Deswegen ist der vorbeugende

Grundwasserschutz eine un-

serer Kernaufgaben“, erklärte

OOWV-Geschäftsführer Karsten

Specht unlängst beim OOWV-

Wasserschutztag in Großen­

kneten. Er begrüßte die im Früh-

jahr vom Bundesrat beschlos-

sene Novelle der Düngeverord-

nung ausdrücklich. Die Warnung

des Umweltbundesamts bestäti-

ge, wovor der OOWV seit Jahren

warne: „Wenn wir die Nitrat-Pro-

bleme im Grundwasser nicht lö-

sen, wird es für alle teuer.“ Auch

Specht geht davon aus, dass

Entgelte erheblich steigen, wenn

das Wasser durch spezielle An-

lagen aufbereitet werden muss:

„Schon heute fallen zusätzliche

Kosten für die Schließung oder

die Vertiefung von Brunnen an,

um den Problemen auszuwei-

chen. Die Aufwendungen für den

Grundwasserschutz steigen. Die

Kompensation dieser Kosten ist

auf Dauer nicht möglich.“

Derzeit bestätigt aber auch

der OOWV, dass in Friesland die

Grundwasserwelt noch in Ord-

nung ist. „Im nordwestlichen Ver-

bandsgebiet haben wir derzeit

keine Probleme mit Belastungen

im Grundwasserkörper“, erklärte

OOWV-Sprecher Gunnar Meister

auf Nachfrage. Weiter im Süden

aber, im Raum Cloppenburg/

Oldenburger Münsterland, gebe

es durchaus schon auffällige Ni-

tratwerte im oberflächennahen

Grundwasser.

(tz)

Im Wasserschutzgebiet gel-

ten strenge Regelungen auch

für die Landwirtschaft. Einige

Bauern verpflichten sich darü-

ber hinaus in Zusammenarbeit

mit Wasserversorgern und

Landwirtschaftskammer zu

weitergehenden, freiwilligen

Maßnahmen für den Grund-

wasserschutz, für die sie ähn-

lich wie beim Vertragsnatur-

schutz entschädigt werden.

Verband ruft zu sparsamem Umgang mit Wasser auf

OOWV verzeichnete Montag bislang höchste Tagesabgabe des Jahres – Auf Rasenwässerung verzichten

Brake/Region.

Der Oldenbur-

gisch-Ostfriesische Wasserver-

band (OOWV) hat am vergange-

nen Dienstag die Kunden in der

Region zu sparsamen Umgang

mit Trinkwasser aufgerufen.

Angesichts der hohen Tempe-

raturen – Montag und Donners-

tag waren die bis dato heißes-

ten Tage des Jahres – und der

seit längerer Zeit anhaltenden

Trockenheit auch im Nordwe-

sten sei der Wasserverbrauch

zeitweise spürbar in die Höhe

gegangen, so OOWV-Sprecher

Gunnar Meister. Der Wasser-

versorger bittet deshalb die

Kunden, Trinkwasser sparsam

zu verwenden und etwa auf Gar-

tenbewässerung zu verzichten.

Die 15 Wasserwerke des OOWV

zwischen Baltrum und Holdorf

hätten am Montag insgesamt

rund 285.000 Kubikmeter Trink-

wasser abgegeben. Die durch-

schnittliche Tagesmenge liegt

bei 220.000 Kubikmetern. Der

bisherige Tagesrekord datiert

vom 2. Juli 2015 mit einer Menge

von 311.029 Kubikmetern Trink-

wasser.

Besonders viel Wasser wer-

de morgens und abends ver-

braucht, wenn die meisten Men-

schen duschen, Essen zuberei-

ten oder waschen. Zusätzlich

würden viele Gartenbesitzer

auch ihren Rasen bewässern

sowie Planschbecken und Pools

befüllen. Dies treibe den Was-

serverbrauch zusätzlich in die

Höhe.

Der hohe Verbrauch könne

vereinzelt zu kurzzeitigen Druck-

schwankungen im Netz und zu

Trübungen des Trinkwassers

führen. Der Grund: Durch die

veränderte Fließgeschwindig-

keit des Wassers im Netz kön-

nen sich kleinste, ungefährliche

Partikel aus Eisen und Mangan

lösen, die sich im Laufe der Jah-

re in den Leitungen festgesetzt

haben. „Dies ist ein völlig nor-

maler Vorgang. Trübungen tre-

ten beispielsweise häufig auch

nach Wartungen am Trinkwas-

sernetz auf“, betont der OOWV-

Sprecher.

Für den Falle einer Trübung im

Wasser oder eines Versorgungs-

engpasses steht den OOWV-

Kunden der Notdienst unter

04401/6006 zur Verfügung.

(fb)