Table of Contents Table of Contents
Previous Page  18 / 48 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 18 / 48 Next Page
Page Background

18

Varel

Friebo 26/2017

Hilfe auf dem letzten Lebensweg

Baubeginn für das „Haus der Hospiz- und Palliativarbeit Am Jadebusen“ – Dank an alle Unterstützer

Varel.

Trotz Temperaturen von

annähernd 30 Grad im Schatten

sind am vergangenen Donners-

tag mehr als 150 Menschen zur

staubigen Baustelle auf dem

Gelände der einstigen Vareler

Kaserne gekommen, wo mit

dem symbolischen Spatenstich

der Baubeginn für das „Haus für

Hospiz- und Palliativarbeit Am

Jadebusen“ zelebriert wurde.

Die Einrichtung, getragen

vom Verein Hospizbewegung

Varel, der Stadt Varel und der

mission:lebenshaus

gGmbH,

wird künftig sowohl Heimstatt

der ambulanten als auch der

stationären Hospiz- und Pallia-

tivarbeit sein und somit als Zen-

trum für Menschen dienen, die

sich auf dem letzten Stück ihres

Lebensweges befinden.

Bürgermeister Gerd-Christian

Wagner zeigte sich beeindruckt

von der großen Zahl der Gäste

zum Ersten Spatenstich: „Für

dieses Haus gelten eben ganz

eigene Regeln. Diese enorme

Beteiligung zeigt eindrucksvoll,

von welcher großen Unterstüt-

zung das Projekt getragen und

mit wieviel Freude, Energie und

Willen es vorangetrieben wird.“

Alle Spender und Förderer zu

nennen, sei schlicht unmöglich:

„Das würde Stunden dauern“,

so Wagner.

Das nun entstehende Haus

werde eine „Quelle der Hilfsbe-

reitschaft und Zuversicht“, so

Wagner, „ein Ort für die letzten

Tage des Lebens, mithin ein

ebenso besonderer wie der für

die ersten Tage eines Lebens.“

Auch Landrat Sven Ambrosy

würdigte das Vorhaben als en-

orm wichtig und dankte allen

Beteiligten für ihren beispiel-

losen Einsatz und ihr Durchhal-

tevermögen: Es sei in einmaliger

Weise gelungen, ehrenamtlich

Engagierte, Fachleute und die

öffentliche Hand zusammenzu-

holen. Das Haus, so Ambrosy,

werde natürlich ein Ort für Ab-

schied, Trauer und Ruhe: „Aber

eben auch ein Ort des Lebens

und der Fröhlichkeit.“

Ambrosy gab zu guter Letzt

noch ein Versprechen ab, für

das er sich traute, die Zustim-

mung des Kreistages vorweg-

zunehmen: „Sollte am Ende des

Weges womöglich eine kleine

finanzielle Lücke bleiben, rufen

Sie uns bitte an.“ Zuvor hatte

Ambrosy ausdrücklich das En-

gagement des Nachbarland-

kreises Wesermarsch gewür-

digt, der sich mit 150.000 Euro

beteiligt hatte. Das sei keines-

wegs selbstverständlich für ein

Vorhaben, das nicht innerhalb

des eigenen Kreisgebiets reali-

siert wird und zeige, wie sehr die

gesamte Region in diesem Fall

zusammenstehe: „Ein tolles Bei-

spiel für praktizierte Metropo-

lregion.“ Auch der Landrat der

Wesermarsch, Thomas Brück-

mann, betonte die Bedeutung

dieses gemeinsamen Engage-

ments: „Ohne diese Zusammen-

arbeit wäre ein solches Projekt

wohl nicht zustande gekom-

men“, sagte Brückmann.

Ein Traum wird Realität

Daniel de Vasconcelos, Ge-

schäftsführer der eigens ge-

gründeten Gesellschaft „Hos-

piz- und Palliativarbeit Am Jade-

busen gGmbH“, verlieh schließ-

lich der Euphorie Ausdruck, die

alle Beteiligten an diesem Tag

verspürten: „Endlich wird jetzt

hier wirklich gebaut, nach der so

langen Zeit der Vorbereitung.“

Das „Haus der Hospiz- und

Palliativarbeit ‚Am Jadebusen’“

sei in seiner konzeptionellen

Ausrichtung „ein Leuchtturm,

der in den Himmel ragen soll“,

so Vasconcelos, dabei müsse

insbesondere das Fundament

stimmen. Dafür werde hier in ge-

meinschaftlicher Anstrengung

gesorgt.

„Ihr habt es wieder einmal

geschafft, mich sprachlos zu

machen“, richtete sich schließ-

lich die Vorsitzende der Hospiz-

bewegung, Anke Kück, an die

versammelten Mitstreiter und

Unterstützer: „Noch vor einem

Jahr haben wir das nicht für

möglich gehalten. Zuerst war es

eine Idee, dann wurde daraus

ein Traum und jetzt wird das Re-

alität.“ Auch sie könne sich gar

nicht bei allen bedanken, die

einen Beitrag zum Projekt ge-

leistet haben, so Anke Kück. Sie

wolle aber beispielhaft der Fami-

lie Teschner danken, die vor fast

fünf Jahren mit einer namhaften

Zuwendung den Impuls für das

Projekt gegeben hätte: „Ohne

diesen ersten Baustein wären

wir vielleicht nie angefangen.“

Die Geschäftsführung der

mission:lebenshaus

gGmbH

und somit des Trägers des sta-

tionären Hospizes, dem „Hos-

piz am Wattenmeer“, ist Irene

Müller. Die mission:lebenshaus

gGmbH ist bereits Träger von

jeweils einem Erwachsenenhos-

piz in Jever und im Landkreis

Oldenburg sowie des Angelika

Reichelt Kinder- und Jugend-

hospizes Joshuas Engelreich

in Wilhelmshaven. „Bei dem

Hospiz am Wattenmeer handelt

es sich um einen geschützten

Raum für unheilbar erkrankte

Menschen in ihrer letzten Le-

bensphase, an dem wir ihnen

eine wohnortnahe Versorgung

und Begleitung in dieser für sie

schweren Zeit ermöglichen. In

unserem gemeinsamen Haus,

in dem die ambulante und die

stationäre Hospiz- und Pallia-

tivarbeit Platz finden, haben wir

die Chance, das Miteinander zu

leben, Verständnis für einander

zu vertiefen und uns zu ergän-

zen und gegenseitig zu stärken.“

Seit nun gut drei Jahren wur-

de konkret auf den Baubeginn

hingearbeitet, ein wesentlicher

Teil der Investitionssumme von

insgesamt mehr als zwei Milli-

onen Euro ist durch Spenden

und Fördermittel zusammen-

getragen worden, unter ande-

rem bei zwei sehr erfolgreichen

Hospiztagen in Varel. Die Stadt

Varel, die Landkreise Friesland

und Wesermarsch, mehrere

regionale Stiftungen und nicht

zuletzt das Deutsche Hilfswerk

haben sich an der Finanzierung

beteiligt.

Das Haus selbst wird auf

einem rund 4.300 Quadratme-

ter großen Grundstück errichtet,

insgesamt neun Gästezimmer,

davon eines für Angehörige,

werden geschaffen.

In unmittelbarer Nachbar-

schaft zum neuen Hospiz- und

Palliativzentrum befindet sich

das Dienstleistungszentrum des

Landkreises, gleich nebenan

werden ferner ein neuer Kinder-

garten sowie ein Zentrum für Ta-

gespflege entstehen.

(tz)

Staub aufgewirbelt haben beim symbolischen Spatenstich (von links): Daniel de Vascon-

celos (Geschäftsführer Haus der Hospiz- und Palliativarbeit »Am Jadebusen« gGmbH),

Architektin Marika Rütters, Anke Kück als Vorsitzende der Hospizbewegung, Irene Müller

(mission:lebenshaus), Bürgermeister Gerd-Christian Wagner sowie die Landräte Thomas

Brückmann (Wesermarsch) und Sven Ambrosy (Friesland).

Foto: M. Tietz