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Zetel

Friebo 29/2017

Abtrünnige Söldner, Magier und Baumwesen

Bei der „Chronik von Ebenfels“ erschaffen sich Spieler für ein Wochenende eine eigene Fantasiewelt

Zetel.

Ein Dämon, der in einem

mit Kreide gezogenen Schutz-

kreis wütet, Söldner, die mit klap-

pernden Rüstungen durch den

Wald stapfen und Borklinge, die

mit Menschen und Mäusewesen

in Kontakt treten – der Wald rund

um das Schullandheim Voslapp

in Zetel hat kürzlich vielerlei Cha-

raktere unter seinem Blätterdach

versammelt. Was nach Eindrü-

cken einer überbordenden Fan-

tasie klingt, ist bei genauerem

Hinschauen ein Zusammenspiel

realer Personen.

LARP (Live Action Role Playing)

nennt sich das Darstellen einer

selbstentwickelten Spielfigur, die

sich in einer detailliert ausgear-

beiteten Fantasiewelt bewegt.

Die Teilnehmer der Abenteuer-

veranstaltung „Die Chronik von

Ebenfels IV“ schlüpfen für ein

Wochenende in die Rollen ab-

trünniger Söldner, Bösewichte,

Baummenschen, Magier und Ad-

liger. Auch die Umgebung wird

dabei miteinbezogen, entspre-

chend finden Felle, Jurten und

Heereszelte ebenso Verwendung

wie alchemistische Gerätschaf-

ten, kunstvoll verzierte Banner

und Trutztürme aus Holz.

Was nach einem schnellen

Orts- und Kostümwechsel klingt,

ist für die Veranstalter harte Ar-

beit. „Der logistische Aufwand ist

enorm“, erklärt Thomas Jans von

der Spielleitung. Rund ein Jahr

Vorbereitungszeit sind in das

Wochenende geflossen. Dazu

zählt insbesondere das Erstellen

der Kulissen und aufwendigen

Requisiten, die für das Spiel be-

nötigt werden – Detailreichtum

zählt. „Wir machen LARP für

Fantasielose. Bei uns muss man

sich nichts vorstellen“, fügt Spiel-

leiter Henning Janssen mit einem

Schmunzeln hinzu.

Ein weiterer Großteil der Arbeit

ist nicht sicht-, wohl aber erleb-

bar. Denn die „Chronik von Eben-

fels“ folgt ähnlich einem Theater-

stück einer Handlung. „Das Kom-

plexeste ist, in der Geschichte

keine Fehler drin zu haben“, weiß

Thomas Jans, der für die vierte

Veranstaltung in der Ebenfels-

Reihe eine komplette Historie mit

Figuren miterdacht hat. Um die-

se am Wochenende zu beleben,

ist ein ausgewogenes Verhältnis

zwischen Spieler-Charakteren

und Nicht-Spieler-Charakteren

wichtig. Letztere werden von der

Spielleitung mit Hintergrundwis-

sen versorgt, um die Handlung

voranzubringen, während die

übrigen Spieler ihre Rolle selbst

ausschmücken und somit für die

erwünschte Interaktion sorgen.

„Es dürfen dabei nicht zuviele

Spieler sein“, betont Henning

Janssen. Sonst droht Gefahr,

dass das eigene Spiel überwiegt

und die Handlung ins Hintertref-

fen oder Stocken gerät.

Mit dem vierten Teil der Eben-

fels-Geschichte ist die Veranstal-

tungsreihe, die ursprünglich als

reines Experiment gestartet ist,

zu Ende gegangen. „Wir haben

eine große vierjährige Geschich-

te erzählt und wir haben Lust sel-

ber wieder zu spielen“, erläutert

Henning Janssen. Bisher sei die

Planung für die nächste Veran-

staltung jeweils nach Ende der

aktuellen wieder losgegangen.

„Wir haben aber Ideen für eine

weitere Kampagne“, sagt Tho-

mas Jans mit einem verschmitz-

ten Lächeln.

Übrigens:

öffentlich

sind

LARP-Veranstaltungen

nicht.

Wer jedoch einmal als Gast in

fremde Welten eintauchen möch-

te, hat beispielsweise beim „Mit-

telalter am Meer“ vom 24. bis 27.

August am Dangaster Strand Ge-

legenheit dazu.

(ts)

Liebe zum Detail: Mithilfe alchemistischer Apparate und

Tinkturen lassen sich auch Tränke „brauen“.

Heiler, Borkling und Elb – bei der „Chronik von Ebenfels“ tref-

fen unterschiedliche Charaktere aufeinander.

Spieler wie Yvonne Neumann lassen mit fantasievollen Ac-

cessoires Magie sichtbar werden.

Fotos: Thorsten Soltau