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12. August 2017

Varel

15

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„Es lohnt sich viel Zeit mit uns zu verbringen“

Jan Patrick Kleen: „Ich möchte mit meiner Lebensgeschichte andern helfen“

Varel.

Er ist 24 Jahre jung,

kam als Frühchen zehn Wochen

zu früh auf diese Welt und ist in

einigen Dingen, die für das Le-

ben wohl wichtig zu sein schei-

nen, eingeschränkt.

Jan Patrick Kleen ist ein

kluger junger Mann und er hat

ein schwierige Geschichte hin-

ter sich. Dennoch blickt er nach

vorne, sieht und sucht das Gute:

„Als Kind habe ich viel Ableh-

nung erlebt. Viele kommen nicht

mit Menschen klar, die behin-

dert sind.“ Es sei auch nicht im-

mer einfach mit ihm gewesen, er

litt schon als Kind unter ADHS,

so war es manchmal schwierig

im Umgang mit anderen. Aber

eines ist ihm besonders wich-

tig: „Ich bin ganz stolz auf meine

Mama, die war immer stark für

mich – schon bevor ich auf der

Welt war !“

Bald wurde er in der Schule

zum Außenseiter, er wurde ge-

hänselt, verprügelt und sogar

vergewaltigt: „Ich habe nie ver-

standen warum die anderen Kin-

der mich nicht mochten. Ich war

sehr reizbar und traurig, hatte

kaum Freunde und war oft allein.“

Er zog sich zurück in die Welt

der Online-Spiele: „Ich habe

mich viele Jahre lang versteckt“,

und fand hier endlich Hilfe.

Hand in Hand gegen

Gewalt und Intoleranz

Ein Spielpartner, Jörg aus Ös-

terreich, machte ihm Mut: „Du

bist ein toller Mensch, lass Dir

von anderen nicht Dein Leben

kaputtmachen.“

Jan schaffte dann einen

wichtigen Schritt. Er fasste den

Entschluss, seine Lebensge-

schichte mit anderen zu teilen

um ihnen Mut zu machen: „Mein

Video, in dem ich meine Gefühle

beschrieb, wurde innerhalb kür-

zester Zeit von vielen tausend

Menschen geliked. Ich erhielt

viele Zuschriften von Personen

die Ähnliches erfahren hatten

und stellte schnell fest, dass es

„Mein Lohn ist das Lachen anderer Menschen“, sagt Jan Pa-

trick Kleen, der gerne anderen Menschen Mut machen möch-

te, die so wie er viel Ablehnung erlebt haben.

Foto: Anke Kück

die beste Hilfe ist, sich mit ande-

ren Betroffenen zu unterhalten.“

So entstand schließlich sein

Projekt „Hand in Hand gegen

Gewalt und Intoleranz“.

Das war vor drei Jahren. „In-

zwischen habe ich gelernt nicht

nur im Internet stark zu sein. Mit

dem Zug bin ich sehr viel un-

terwegs zu anderen Menschen,

denen es ähnlich ergangen ist

wie mir. Ich möchte meine Stär-

ke bei meinen Besuchen weiter-

geben und lerne ganz tolle Men-

schen kennen, wie kürzlich zum

Beispiel Ivonne aus Bamberg.

Das war bisher meine weiteste

Reise.“ Es wird nicht lange die

Weiteste bleiben, denn es erfüllt

sich, wie Jan selbst sagt, „mein

größter Wunsch. Ich werde Jörg

besuchen und gemeinsam mit

meiner Familie eine Woche lang

nach Österreich fahren.“

Glücklich ist er auch darüber,

dass er seit fünf Monaten ei-

nen ganz tollen Partner gefun-

den hat: „In der Liebe ist alles

möglich und jeder hat das glei-

che Recht glücklich zu werden.

Deswegen finde ich es sehr gut,

dass Schwule und Lesben in-

zwischen auch ‚richtig‘ heiraten

und gemeinsam Kinder adoptie-

ren dürfen.“

Natürlich hat auch Jan im-

mer wieder Rückschläge erlebt,

aber: „Aus Rückschlägen wird

man stärker. Das Leben ist et-

was Kostbares, alles ist wunder-

bar und einzigartig. Ich erzähle

und schreibe aus meinem Her-

zen heraus und heute weiß ich:

Man kann alles erreichen.“

Er möchte auch für behinderte

Menschen sprechen, die selbst

nicht für sich sprechen können:

„Ich will das Wort erheben und

trete dafür ein, dass Inklusion

Wirklichkeit wird. Das fängt zum

Beispiel bei barrierefreien Bahn-

höfen an: Inklusion ist für mich

erst dann erreicht, wenn jeder

Mensch die Chance hat alles zu

erreichen.“

www.facebook.com/Ge-

genGewaltundMobbing/

Es lohnt sich viel Zeit mit

uns zu verbringen

Auf die Frage, was er sich am

meisten wünsche, sagt er: „Ich

wünsche mir, dass andere ganz

normal mit mir umgehen und

keine Angst davor haben mir

Fragen zu stellen.“

Jan Patrick Kleen arbeitet als

Landschaftsgärtner bei der GPS

in Wilhelmshaven und würde

auch in und um Varel Menschen,

gerne auch Gruppen und Verei-

nen, von seiner Geschichte er-

zählen: „Wer mag kann sich ger-

ne bei mir melden, denn wenn

man seine Lebensgeschichte

teilt, bleibt man nicht länger al-

leine.“

Und er ist überzeugt, dass

sich diese Begegnungen loh-

nen: „Wer Menschen mit Behin-

derungen begegnet, der wird

sein eigenes Leben bereichern:

Es lohnt sich also viel Zeit mit

uns zu verbringen. Mein Ziel ist

es auch anderen wieder Freu-

de am Lebens zu geben. Mein

Lohn dafür ist das Lachen der

Menschen“, sagt er mit seinem

freundlichen Lächeln.

(ak)

Kursangebote DRK

Deutsches Rotes Kreuz:

Erste Hilfe für Führerscheinan-

wärter zur Erteilung aller Fahr-

zeugklassen, Übungsleiter oder

Betriebliche Ersthelfer

in Varel:

im DRK-Haus, Gast-

straße 11,

Samstag, 2. Septem-

ber,

von 9 bis 17 Uhr

in Neuenburg:

Johann-Schüt-

te-Str. 6,

Samstag, 26. August,

von 9 bis 17 Uhr

(Infos und Anmeldungen vormit-

tags unter

04451/966852 oder

www.drk-varel.de)