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19. August 2017

Varel

19

Gewalt im Netz – ein unlösbares Phänomen?

Jever/ Varel.

Beleidigungen

und Ausgrenzungen unter Ju-

gendlichen im Netz stellen

ein großes Problem dar. Cy-

bermobbing ist weder räumlich

noch zeitlich begrenzt, Inhalte

verbreiten sich extrem schnell

und sind nicht kontrollierbar, da

sie verändert, an anderer Stelle

hochgeladen und weiter ver-

sendet werden können. „Beim

Cybermobbing unterscheidet

man verschiedene Formen der

Beleidigungen,

Bedrängung

und Nötigung anderer Men-

schen mit Hilfe von elektro-

nischen Medien. Die Formen

unterscheiden sich nicht von

dem klassischen Mobben, son-

dern der große Unterschied

liegt in der Anonymität.“ erläu-

tert Andrea Schulte, Diplom

Psychologin und Mitarbeiterin

der Beratungsstelle. „In der An-

onymität des Internets muss ein

Täter seinem Opfer nicht in die

Augen blicken, es gibt in die-

sen Fällen nie eine unmittelbare

Rückmeldung seitens des Op-

fers, sodass ein Bewusstsein

und Empfinden auf Seite der

Täter für das Ausmaß der Ver-

letzung fast immer ausbleibt!“

Jeder dritte Jugendliche

kennt jemanden, der im Inter-

net oder per Handy gemobbt

wurde. Mädchen sind häufiger

betroffen als Jungen. Laut einer

Studie des „Bündnisses gegen

Cybermobbing“ waren 17%

der Schüler bereits Opfer von

Cybermobbing. Die Täter stam-

men dabei meist (55%) aus dem

sozialen Umfeld der Schule.

„Die Ursachen fürs Cybermob-

ben können ganz unterschied-

lich sein“, so Andrea Schulte.

„Viele Schüler möchten einfach

„dabei“ sein und cool wirken.

Sie haben Angst, selber Opfer

zu werden und wollen so von ih-

ren eigenen Schwächen ablen-

ken. Bei einigen Jugendlichen

ist es einfach nur Langeweile“.

Die Opfer sind meist Kin-

der und Jugendliche zwischen

11 und 16 Jahren, die bereits

vorher im wirklichen Leben

Angriffsziel von Mobbing wa-

ren. Es sind oftmals schwache,

schüchterne und zum Teil iso-

lierte Kinder, ohne Freundes-

kreis, die wegen ihres Ausse-

hens z.B. zu dünn oder zu dick,

stigmatisiert werden. Die Täter

können zum Teil selbst schon

Opfer gewesen sein, wollen

sich rächen oder sich in ihrer

Freundesgruppe als mächtig

darstellen.

„Die Folgen von Cybermob-

bing können ganz unterschied-

lich sein. Einige Kinder ziehen

sich zurück, entwickeln Ess-

störungen oder Depressionen.

Viele verweigern dann die

Schule aus Angst, den Tätern

dort zu begegnen. Es gibt auch

tatsächlich

Suizidversuche

von Jugendlichen, weswegen

das Thema nicht auf die leich-

te Schulter genommen wer-

den sollte“, berichtet Andrea

Schulte.

Was können Eltern und Er-

ziehende tun? Bei Cybermob-

bing handelt es sich um ernst

zu nehmende Attacken, die

bei den Opfern oft langwie-

rige, seelische Verletzungen

verursachen und strafbar sind.

„Entscheidend ist, dass die El-

tern und auch die Lehrer den

Kindern und Jugendlichen

Respekt im Umgang mitei-

nander vermitteln. Es können

z.B. Chatregeln im Elternhaus

und auch in den Klassenge-

meinschaften erarbeitet und

vereinbart werden.“ empfiehlt

die Psychologin. „Erwachsene

sollten den Jugendlichen Vor-

bilder sein, d.h. für mich, Cou-

rage zeigen und sich für andere

Menschen einsetzen, wenn ein

Fall von Mobben bekannt wird.

Eltern sollten mit ihren Kindern

gemeinsam das Internet entde-

cken und eine Vertrauensbasis

schaffen, damit die Kinder sich

in Notfällen ihren Eltern oder

den Lehrern anvertrauen. Kin-

der und Jugendliche müssen

zu jeder Zeit das Gefühl haben,

mit ihren Eltern über alles reden

zu können, nur dann vertrauen

sie sich an!“

Wenn Kinder betroffen sind,

dann sollten Belege z.B. Bild-

schirmaufnahmen oder Scren-

shots gesammelt werden,

derName oder Spitzname der

verantwortlichen Nutzer notiert

und wenn möglich, das Täter-

profil gespeichert werden, so-

fern der jeweilige Internetanbie-

ter das ermöglicht.

Beteiligte können dann auf-

gefordert werden, die Inhalte zu

entfernen, wenn diese das nicht

freiwillig machen, können Eltern

das vom Betreiber einfordern.

Bei schweren Verstößen kön-

nen Eltern rechtliche Schritte

einleiten.

Wenn Kinder beteiligt sind, ist

es gut, wenn Eltern oder Lehrer

mit dem Kind reden, mögliche

Gründe erfahren, warum es

andere bloßstellt. Es sollte die

Lage des Opfers vermittelt wer-

den und Kontakt zu dem betrof-

fenen Kind und dessen Eltern

aufgenommen werden. „Auch

wenn es vielen Jugendlichen

und auch deren Eltern schwer

fällt, eine Aussprache mit dem

Täter und/oder Opfer zu führen

ist wichtig. Nur so kann einem

Jugendlichen die Konsequenz

für sein Handeln verdeutlicht

werden, ohne direkten Kontakt

mit dem Opfer bleibt dieser

Schritt leider zu oft aus!“, be-

tont Andrea Schulte.

Die SOS Beratungsstelle,

mit ihren Häusern in Jever und

Varel, bietet für alle Eltern, Kin-

der, Jugendliche und junge

Erwachsene bis 21 Jahre Be-

ratung an. Alle Berater unterlie-

gen der Schweigepflicht, für die

Ratsuchenden ist die Beratung

kostenlos. Anmeldungen kön-

nen in der Zeit von montags bis

freitags von 9 bis 12 Uhr und

donnerstags von 14 bis 18 Uhr

unter

04461/3050 entgegen-

genommen werden.

(eb)

Diplom-Psychologin Andrea

Schulte und ihre Kollegen bie-

ten für alle Betroffenen Bera-

tung an.

Andrea Schulte von der SOS-Beratungsstelle informiert zum Thema Cybermobbing

Braucht Varel ein Klimaschutzkonzept?

Es sollen weitere Informationen angefordert werden

Varel.

Mit dem Antrag, für

Varel binnen eines Jahres ein In-

tegriertes Klimaschutzkonzept

zu erstellen, hatte sich der Pla-

nungsausschuss am vergange-

nen Dienstag zu befassen

Die Antragsteller Martin Hein-

ze, Wolfgang Half und Marga

Onken-Lühken hatten gefordert,

„dass alle politischen Ebenen,

von den Regierungen über die

Kommunen bis zu den einzelnen

Bürgern, daran arbeiten müs-

sen, die Vermüllung der Atmo-

sphäre mit CO2 schnellstmög-

lich einzustellen. Anderenfalls

müssen besonders die kom-

menden Generationen und die

besonders betroffenen Staaten

im globalen Süden die Zeche

bezahlen. So werden zum Bei-

spiel die Küstenbewohner eines

Tages feststellen müssen, dass

man die Deiche nicht weiter er-

höhen kann und dass die Meere

versauert sind.“

Im Ausschuss war die Mei-

nung zu diesem Antrag diffe-

renziert, während Leo Klube-

scheidt (Zukunft Varel) meinte,

dass „der Krieg gegen den Kli-

mawandel nicht in Varel gewon-

nen wird“, und Karl-Heinz Fun-

ke wissen wollte, „Was kostet

das?“, gab es auch Stimmen,

die gerne mehr Informationen

haben wollten. Sigrid Busch

(Grüne): „Es wäre schon gut zu

wissen, was wir in Varel bereits

alles machen.“ Auch Cordula

Breitenfeld (Zukunft Varel) fand

den Antrag grundsätzlich positiv

und wünschte sich zum Beispiel

Kontakt mit der Lokalen Agenda

21 in Varel aufzunehmen

Bernd Redeker (CDU) merkte

an, dass ein solches Gutachten

sicher Geld kosten würde und

stellte die Frage: „Wer soll das

bezahlen?“ Georg Ralle (SPD)

wies außerdem darauf hin, dass

es mit einem Gutachten nicht

getan sei: „Dann müssen wir

auch handeln und eventuelle

Maßnahmen kosten Geld.

Man einigte sich schließlich

darauf, dass man die Klima-

schutzbeauftragte des Land-

kreises Friesland einladen wol-

le um weitere Informationen zu

bekommen. Der Ausschuss-

vorsitzende Sascha Biebricher

fasste zusammen: „Es geht um

die Fragen: Was gibt es bereits,

was kostet es und was kann ge-

tan werden?“

Anmerkung der Redakti-

on:

Der Landkreis Friesland hat

bereits ein Klimaschutzkonzept

entwickelt, ebenso wie die Ge-

meinde Bockhorn. Mehr dazu

unter:

www.friesland.de

– Stich-

wort Klimaschutz“ und www.

bockhorn.de/wirtschaft/klima-

schutzkonzept.

(ak)