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Varel

Friebo 34/2017

Was bedeutet der Klimawandel für das Trinkwasser?

Trinkwasser-Forschungsprojekt: Wissenschaftler untersuchen Grundwasser und Bedarf in der Zukunft

Friesland.

Rechtzeitig auf die

Erhöhung des Meeresspiegels

einstellen wollen sich der Olden-

burgisch-Ostfriesische Wasser-

verband (OOWV) und der Land-

kreis Friesland. Gemeinsam

mit mehreren Partnern sollen

Grundlagen dafür geschaffen

werden, dass in der Küstenregi-

on Friesland auch für die näch-

sten Generationen genug Süß-

und Trinkwasser vorhanden sein

wird. „Wenn eine Region weiter

wachsen will, muss sie gutes

Wasser haben“, sagte Landrat

Sven Ambrosy, der zugleich

OOWV-Verbandsvorsteher ist.

Der OOWV ist einer von sie-

ben Projektpartnern, zu denen

auch die Abteilung für Hydrolo-

gie, Wasserwirtschaft und Ge-

wässerschutz des Leichtweiß-

Instituts für Wasserbau der

TU Braunschweig gehört. Am

Dienstag wurde im Wasserwerk

Sandelermöns offiziell das For-

schungsprojekt „Implementing

strategic development goals in

coastal aquifer management“

(go-CAM) gestartet.

Das Projekt geht unter ande-

rem der Frage nach, wie groß

die Gefahr der Versalzung des

Grundwassers ist und wie Was-

serversorger, Entwässerungs-

verbände und Landwirtschaft

dafür sorgen können, dass es

auch in den kommenden Ge-

nerationen in ausreichendem

Maße zur Verfügung steht.

Grundsätzlich sei die Wasser-

versorgung im Küstenraum auch

mittel- und langfristig gesichert,

sagte Verbandsgeschäftsfüh-

rer Karsten Specht. Die Versal-

zungsgrenze verlaufe noch nicht

in unmittelbarer Nähe der Trink-

wasserressourcen in Frieslands

Brunnen. Gleichwohl müsse

man Wege finden, nicht zu viel

Süßwasser per Entwässerung

ins Meer zu leiten und es in der

Region zu halten. Das Projekt

solle in diesem Zusammenhang

auch in einen Dialog münden

und so den Ausgleich der Be-

dürfnisse von Landwirtschaft,

Industrie und Naturschutz be-

wirken.

Für die Ostfriesischen Inseln,

jeweils als kleine Modelle für

Süßwasserreservoirs, wäre es

ein Horrorszenario: Der Meeres-

spiegel steigt infolge der Klima-

erwärmung, die Süßwasserlin-

sen geben dem Druck des Salz-

wassers nach, weil sie sich ent-

weder nicht mehr ausreichend

füllen oder die Entnahme unge-

regelt erfolgt. Nur ein Szenario,

aber nicht weit hergeholt. Auf

dem Festland kann dies ebenso

geschehen, in der Wesermarsch

gibt es schon keine nennens-

werten Süßwasservorkommen

mehr, weshalb die Region aus

anderen Bereichen des Olden-

burgisch-Ostfriesischen Was-

serverbands (OOWV) mit Trink-

wasser versorgt wird – auch aus

Friesland und Wittmund.

„Die Versorgung mit sau-

berem Trinkwasser ist nicht

selbstverständlich. Schon gar

nicht in einer Region, die durch

den steigenden Meeresspie-

gel von einer Versalzung des

Grundwassers bedroht ist. Vo-

rausschauendes Handeln ist

deswegen entscheidend, um

mögliche Folgen der Klimaver-

änderungen frühzeitig zu erken-

nen und effektive Lösungen zu

entwickeln“, so Sven Ambrosy.

Im Forschungsprojekt „go-

CAM“ legt die TU Braunschweig

mit Computermodellen den

Fokus auf die Prozesse in den

Grundwasservorkommen: unter

anderem in Friesland, von wo aus

der Wasserdienstleister in den

kommenden Jahren die Weser-

marsch stärker versorgen und

das Wasserwerk in Großenkne-

ten entlasten wird. Das Projekt

soll verlässliche Daten generie-

ren und eine Dialog-Plattform

schaffen, auf der Strategien für

eine sichere Wasserversorgung

auch für die kommenden Gene-

rationen entwickelt werden kön-

nen. Auch in Südafrika, Brasilien

und der Türkei sollen die gewon-

nenen Erkenntnisse und Verfah-

ren in den dortigen Küstenregi-

onen anwendbar sein.

Auf dem Festland diesseits

der Deiche kommen noch an-

dere Faktoren als auf den Inseln

dazu. Die unerlässliche Entwäs-

serung über Siele und Pumpen

schafft hier ein Mehrfaches an

Süßwasser ins Meer als vom

Wasserverband gefördert wird

(etwa 130 Millionen Kubikme-

ter im Vergleich zu derzeit 6

Millionen geförderten Kubik-

metern Trinkwasser). Es gibt

niedersachsenweit und so auch

im Küstenraum kaum Möglich-

keiten der Polderspeicherung

von Wasser, und die Landwirt-

schaft trägt über die notwen-

dige Düngung Nitrate ein. We-

der landwirtschaftliche Flächen

noch Naturbiotope würden eine

starke Vernässung vertragen.

Nicht zuletzt fließt Niederschlag

auch in Friesland zu schnell

ab, anstatt zu versickern, die

Wasserhalteeigenschaften der

Landschaften verbessern sich

nicht von allein.

Was wie ein Dilemma aus-

sieht, soll aber durch Forschung

und einen Dialog aller poten-

zieller Konfliktgruppen auflös-

bar sein. Das ist das Ziel von

„go-CAM“. Projektkoordinator

Prof. Dr. Hans-Matthias Schöni-

ger von der TU Braunschweig:

„Die

Versorgungssicherheit

durch eine bedarfsgerechte

Gewinnung von Grundwasser

guter Qualität steht im Fokus

der Untersuchungen. Küsten-

grundwasserkörper sind kom-

plexe Systeme.“

Dass die Forscher ihren

Blick auf Friesland und Ost-

friesland lenken, kommt nicht

von ungefähr: Entlang der nie-

dersächsischen Küste betreibt

der OOWV vier seiner 15 Was-

serwerke. Der Verband muss

sich die Frage stellen, welche

Zukunft sie angesichts des Kli-

mawandels haben. „Eine Über-

beanspruchung der Wasser-

ressourcen würde unweigerlich

zu Nutzungskonflikten führen“,

sagte OOWV-Geschäftsführer

Karsten Specht.

(ch)

Verbandsvorsteher Sven Ambrosy und OOWV-Geschäftsfüh-

rer Karsten Specht erläuterten die Zusammenhänge rund um

die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet.

Foto: Christoph Hinz

„Attraktives Einkaufen in Varel“

FDP blickt auf positive Entwicklung Varels

Varel.

Die ihrem August-

Treffen hat sich die FDP mit der

Entwicklung Varels beschäftigt.

Der Ortsvorsitzende Jost Et-

zold zeigte sich zufrieden: „Die

Gewerbegebiete sind voll, das

lange brachliegende Kasernen-

gelände verändert sich rapide,

in die Fußgängerzone ist viel in-

vestiert worden.“ Darauf möchte

sich die FDP jedoch nicht ausru-

hen, denn der traditionelle Ein-

zelhandel solle wieder mehr be-

lebt werden. „Varel ist mit dem

Ausbau der Schützenwiese viel

attraktiver geworden, der Dis-

counter von den Randlagen ins

Vareler Zentrum gerückt, die-

se Kundenströme müssen wir

besser in die Fußgängerzone

bekommen“, fordert die FDP-

Ratsfrau Kristin Waegner.

Waegner will klären, ob sich

die Innenstadtgeschäfte auf der

Schützenwiese besser darstel-

len lassen. Außerdem möchte

sie mit der Werbegemeinschaft

über die Möglichkeit sprechen,

für Kunden auf der Schützen-

wiese Gutscheine zu verlosen,

die in der Innenstadt eingelöst

werden können. Auch sollte ein

Kulturweg an den Fischer-Art-

Figuren entlang in die Fußgän-

gerzone führen, aufgewertet

durch Texttafeln zum Kunstver-

ständnis. „Wir wollen ein attrak-

tives Einkaufen in Varel, für die

Touristen, aber auch für uns Ein-

heimische. Außerdem müssen

wir die Kaufkraft in Varel behal-

ten“, so Waegner.

(eb)