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Varel

Friebo 38/2017

Landwirte warnen vor weiterem Druck auf Fläche

Dialog bei Überbringung der Erntekrone durch Landvolkmitglieder – Kritik an Plänen für Sondergebiete

Varel.

Die Maisernte steht

unmittelbar bevor, und auch sie

wird geprägt sein von einem

Problem, das die Landwirte in

der Region bereits den ganzen

Sommer beschäftigt: Es hat im-

mer wieder viel geregnet in den

vergangenen Wochen und Mo-

naten, mithin ist es sehr nass auf

Feldern und Wiesen.

Von den Herausforderungen,

mit denen es die Bauern in die-

ser Saison zu tun haben, berich-

tete der Kreislandvolkvorsitzen-

de Hartmut Seetzen jetzt bei

der traditionellen Übergabe der

Erntekrone im Vareler Rathaus.

Etwa 25 Mitglieder der verschie-

denen Vareler Landvolkvereine

waren am Montagmorgen in

die Stadt gekommen, um sich

davon zu überzeugen, dass die

Erntekrone aus Getreideähren

einen prominenten Platz im Rat-

haus bekommt – und um sich mit

Bürgermeister Gerd-Christian

Wagner über aktuelle Themen

auszutauschen.

Der Milchpreis war heuer kein

Thema, nachdem sich die Er-

tragssituation in den vergange-

nen Monaten – zumindest für

den Moment – wieder etwas ent-

spannt hatte. Schwierigkeiten

bereite aber eben das Wetter:

„Es war ein gutes Frühjahr“, bi-

lanzierte Hartmut Seetzen, „aber

als wir dann an den ersten Gras-

schnitt gedacht haben, fing es an

zu regnen.“ Und es hat dann den

Rest des Sommers nicht mehr

so recht aufgehört. Die Feuch-

tigkeit sei ein Problem, so Seet-

zen: „Insgesamt sind die Erträ-

ge zwar zufriedenstellend, aber

es ist beispielsweise schwierig,

das Stroh trocken zu bekom-

men.“ Allein in den vergangenen

vier Wochen seien mehr als 100

Liter je Qudratmeter gefallen

– das gehe nicht nur zu Lasten

des Ernteertrages, derzeit seien

manche Felder schlicht nicht

befahrbar. „Das wird noch span-

nend“, sagte Seetzen mit Blick

auf die Maisernte, zugleich bat

er schon jetzt um Verständnis für

kaum vermeidbare Verschmut-

zungen auf den Straßen.

Thematisiert wurde dann bei

einem knapp zweistündigen

Gespräch im Ratssaal vor allem

der Flächenverbrauch: Bei der

Kompensation von Neuversie-

gelungen gelte es nach Ansicht

der Landwirte mehr Augenmaß

zu beweisen: der Aufwertung

bereits vorhandener naturna-

her Flächen müsse Vorrang ge-

genüber der Neuausweisung

eingeräumt werden. Ob denn

neue Gewerbegebiete geplant

seien und wo diese entstehen

könnten, wollten die Landwirte

vom Bürgermeister wissen –

der antwortete diplomatisch:

Grundsätzlich sei da das ge-

samte Gemeindegebiet zu be-

trachten, „aber wir müssen uns

auch fragen, ob wir überhaupt

weitere Flächen brauchen.“

Das allerdings war Wochen zu-

vor im Wirtschaftsausschuss

mehrheitlich bejaht worden. Die

Ausschau nach geeignetem Ge-

lände müsse zudem behutsam

erfolgen, um nicht Preise nach

oben zu treiben, so Wagner.

Die ablehnende Haltung des

Landvolksverbandes zur mög-

lichen Ausweisung von Sonder-

gebieten für Intensivtierhaltung

bekräftigte Hartmut Seetzen.

Das sei kontraproduktiv, mög-

licherweise würden Investoren

von außen dadurch erst auf Po-

tenzial in Varel aufmerksam ge-

macht. Dieses Thema sei nicht

allein objektiv abzuwägen, viel-

mehr ein Politikum, entgegnete

Gerd-Christian Wagner. Der Rat

sei getrieben durch den Antrag

für einen Hähnchenmaststall in

Wehgast, es bestehe Einigkeit,

den Raum um Dangast von sol-

chen Bauten freihalten zu wol-

len. Ein sachlicher Umgang mit

diesem komplexen Thema sei

geboten, Entwicklungsmöglich-

keiten für die Landwirtschaft

müssten weiter gegeben sein,

darin war sich die Runde einig. In

diesem Zusammenhang wurde

auch der Hinweis geäußert, dass

es Landwirten zuletzt in Einzel-

fällen schwer gemacht wer-

de, Bauvorhaben umzusetzen.

Wagner versprach, sich dafür

einzusetzen, dass die Stadtver-

waltung auch künftig vor allem

Baugenehmigungsbehörde sein

werde, keine Verhinderungsbe-

hörde.

(tz)

Pieter Reitsma aus Rotenhahn (vorn) und Dirk Blankenforth aus Obenstrohe trugen die

Erntekrone ins Rathaus, unter anderem begleitet vom Kreislandvolkvorsitzenden Hartmut

Seetzen (li.) und Bürgermeister Gerd-Christian Wagner (re.).

Foto: Michael Tietz

Friesland-Fotos aus der Schweiz

Präsentation beim NABU-Abend am 4. Oktober

Varel.

Eine Auswahl an Fo-

tografien aus der Region, ein-

gesandt aus der Schweiz, sind

beim nächsten NABU-Abend

am

Mittwoch, 4. Oktober,

ab

19.30 Uhr im Tivoli Varel zu se-

hen. Zur Vorgeschichte: Im Mai

weilte eine Gruppe von Hobby-

Ornithologen aus Hombrech-

tikon im Kanton Zürich in Dan-

gast. Ihr Wunsch, vom NABU

Varel betreut zu werden, wurde

von Margarete und Wolfgang

Half erfüllt.

Zu Fuß und per Leihrad wur-

den verschiedene Ziele er-

reicht. Erstaunt zeigten sich die

Schweizer Gäste unter anderem

angesichts der Artenvielfalt an

der Küste. Zum einen bot das

Wattenmeer reichlich Vogelan-

sammlungen, aber auch im Bin-

nenbereich waren die verschie-

densten Arten zu bestaunen.

Ein Höhepunkt waren die Fahrt

mit der Etta von Dangast und

die Freisetzung von zwei jungen

Seehunden. Ausgerüstet war

die Gruppe mit mehreren Spek-

tiven, die Beobachtungen mit

ungewöhnlicher Vergrößerung

ermöglichten.

Wolfgang Half wird nun am

4. Oktober die 50 interessan-

testen der aus der Schweiz ins-

gesamt übersandten 750 Fotos

präsentieren. Zum Infoabend

mit Bilderschau unter dem Titel

„Wenn Schweizer Vogelfreunde

an den Jadebusen kommen“

sind Gäste wie immer herzlich

willkommen.