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7. Oktober 2017

Varel

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Auch Varel ist Storm-Stadt

Erster Vortrag im zweiten Halbjahr: Uwe Hüttmann referiert beim Heimatverein

Varel.

Die besondere Bezie-

hung Varels zur Familie Storm ist

inzwischen wohl hinreichend be-

kannt: Anlässlich des 200. Ge-

burtstages von Theodor Storm

sah sich nun auch der Heimat-

verein veranlasst, sich mit dem

Literaten zu befassen. So freute

sich der erste Vorsitzende Hans

Georg Buchtmann, kürzlich

zahlreiche interessierte Gäste

im

Lothar-Meyer-Gymnasium

begrüßen zu dürfen.

Der Referent konnte kaum

prädestinierter für das Thema

sein: Uwe Hüttmann, Jahrgang

50, Studienrat für Germanistik

und Politik, lebte bis 1972 in

Husum. So war „Tetje Wind“,

wie sein Großvater Theodor

Storm nannte, auf dem Sockel

im Schlossgarten ein vertrauter

Anblick. Während seiner Schul-

zeit wurde er zusätzlich kräftigst

mit der damals üblichen Storm-

Verehrung bedacht.

Hüttmanns teils humorvoll-

ironischer, mit Akribie erarbei-

teter Vortrag fesselte sofort

die Zuhörer. Er bekannte, dass

ein anderer großer Literat Aus-

gangspunkt des Vortrages war,

nämlich Heinrich Heine – eine

weitere Parallele zu Theodor

Storm.

Es wurden die drei Personen

vorrangig in den Blick genom-

men, die über die doppelte

STADTbürgerschaft in Varel

verfügten:

Jubilar Theodor Storm selbst,

geboren am 14. September

1817, der seit seinem drei Tage

währenden Besuchs in Varel im

Sommer 1878 den Kontakt hier-

her über Briefe an seinen Sohn

und die Familie Preller, allesamt

wohnhaft Marienlustgarten 5,

gepflegt und den Weg seines

Sohnes Karl (alias: des Vareler

Musikanten) als fürsorglicher

Patriarch begleitet hat. Er logier-

te seinerzeit im Hotel Ebolè.

Neben seinem wohl bekann-

testen Werk „Der Schimmelrei-

ter“, schrieb er 1874/75 sozusa-

gen als inneren Befreiungsakt

die bisher wenig beachtete No-

velle „Ein Stiller Musikant“. Sie

basiert auf einem nicht überlie-

ferten „Verzweiflungsbrief“ Karls

aus Stuttgart, der mit dem Mu-

sikstudium zu scheitern drohte.

„Der Stille Musikant ist mein

heißgeliebter Junge, den ich

mit Traumensaugen in seiner

Zukunft angeschaut“, schrieb

Storm seinem Kollegen Paul

Heyse.

Theodor Storm selbst hatte

seine künstlerische Existenz mit

einer beruflichen Ausbildung ge-

sichert. Wie es seine Eltern von

ihm erwartet hatten, studierte er

Jura und war schließlich nach

den damaligen politischen Wir-

ren in Holstein als Rechtsanwalt

und Richter in Preußen tätig.

Er selbst empfand seinen rich-

terlichen und poetischen Beruf

durchaus im Einklang. Seine

erste Ehefrau starb mit 40 Jah-

ren am Kindbettfieber. Die zwei-

te war niemand anderes als die

Geliebte seiner frühen Ehejahre.

Storm hatte insgesamt acht teils

komplizierte Kinder.

Karl wurde 1853 als drittes

Kind und jüngster Sohn gebo-

ren. Er lebte von 1878 bis zu

seinem frühen Tod im Jahr 1899

in Varel und war als Musiklehrer

am Lothar-Meyer-Gymnasium

tätig. In der Vareler Heimatzei-

tung vom 20.4.1900 gab es lan-

ge Passagen des Pastors Haase

anlässlich der Einweihungsfeier

seines Grabmals.

Wenn man Parallelen zur

Identitätsfigur Christian Valen-

tin im „Stillen Musikanten“ zie-

hen darf, war Karl ein einfacher

Mensch, aber kein Sonderling.

Er sah seine Erfüllung im klei-

nen Lebenskreis und bejahte die

bescheidene Lebensaufgabe.

Die öffentliche Tabuisierung der

Syphiliserkrankung trug wohl zur

Schwermut bei.

Wie Karl auf die Novelle rea-

giert hat, ist nicht bekannt. Der

Umzug der Schwester Gertrud

zu ihm nach Varel ein gutes Jahr

vor seinem Tod aber bestimmt

ein willkommener Lichtblick.

Gertrud Storm, geboren 1865,

war das siebente Kind. Nach

dem Tod des Vaters am 4. Juli

1888, kam sie 1898 nach Varel

und lebte gemeinsam mit ihrem

Bruder in der heutigen Moltke-

straße 12. Erst 1924 trieb es sie

zurück nach Husum, wo sie 1936

starb. Gertrud verschrieb ihr Le-

ben ganz und gar der Familie,

blieb bis zu seinem Tode beim

Vater. Der Schreibtisch, an dem

die allermeisten Gedichte und

Novellen Storms entstanden,

stand lange Zeit in der Moltke-

straße. Sie regelte von hier aus

den Nachlass des Vaters, der

ca. 4000 Bände umfasste und

schrieb eine zweibändige Bio-

grafie über Storms Leben. Die

Tochter formte das öffentliche

Bild des Literaten, das lange Zeit

dominierte. In der „Wald- und

Gartenstadt“ hat sie sich sehr

wohl gefühlt und verspürte nach

ihrer Heimkehr in die Vaterstadt

eine leise Sehnsucht zurück.

So ist der Anspruch Varels,

auch „Storm-Stadt“ zu sein,

durchaus berechtigt.

Der herzliche Applaus und

Dank für diesen mit Aufmerk-

samkeit verfolgten Abend kam

mit Überzeugung, galt aber

auch den vielen Helfern, der

Barthel-Stiftung, der Stadt

Varel, dem Landhotel Friesland,

der Volksbank, Stadtbibliothek,

den Buchhandlungen Thalia und

Müller und der hiesigen Presse.

Lieselotte Meyer

Das Haus Gertrud Storms, Moltkestraße 12 in Varel.