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11. November 2017

Wesermarsch

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Pläne für ‚Brandts Quartier‘ stoßen auf Skepsis

Investor will einstiges Hofgelände überplanen – Appartementhäuser mit bis zu drei Geschossen

Jaderberg.

Die Zukunft des

Geländes rund um den ein-

stigen Bauernhof Brandt am

südwestlichen Ortsrand von

Jaderberg war zentrales The-

ma bei der jüngsten Sitzung

des Planungsausschusses in

Jade. Ein am Brandtsweg ge-

plantes Bauprojekt wird in der

Nachbarschaft bereits kontro-

vers diskutiert – und auch in der

Politik gibt es Bedenken, wobei

die Notwendigkeit zur baulichen

Entwicklung des brach liegen-

den Grundstücks grundsätzlich

unstrittig ist.

Das Unternehmen „Exklusiv

Immobilien“ aus Detmold beab-

sichtigt auf der insgesamt fast

drei Hektar großen Fläche ein

neues Wohnviertel mit gemisch-

ter Struktur zu realisieren. Die

Planung für „Brandts Quartier“

sieht Einfamilien- und Doppel-

häuser vor, ferner den Bau von

fünf zweieinhalbgeschossigen

Appartementhäusern mit je-

weils neun Wohneinheiten und

zwei größere Gebäude mit drei

Vollgeschossen.

Das Unternehmen hat sich das

Grundstück bereits gesichert,

wobei der Eigentumsübergang

nur vollzogen wird, wenn ein Be-

bauungsplan zur Realisierung

des beabsichtigten Vorhabens

rechtskräftig wird. Und um den

Einstieg in das Bauleitverfahren

ging es jüngst im Ausschuss.

Das Verfahren war noch einmal

ausgebremst worden, nachdem

von Seiten der Anwohner Kritik

nicht nur an der Planung selbst

geübt worden war, sondern auch

am Tempo, mit dem das Projekt

durch die politischen Gremien

geschickt werden sollte. Ur-

sprünglich hatte der Gemeinde-

rat schon Ende September einen

Aufstellungsbeschluss fassen

sollen, nachdem die Pläne kurz

zuvor erstmals imBauausschuss

behandelt worden waren. Im Rat

war der Punkt dann aber von der

Tagesordnung genommen wor-

den, weil es, wie Bürgermeister

Henning Kaars damals sagte,

„noch Klärungsbedarf zu Details

des Vorhabens“ gebe.

Denn die Kritiker haben sich

mit Fragen und Forderungen zu

Wort gemeldet, viele Anwohner

lehnen das Vorhaben in der zu-

nächst präsentierten Variante

strikt ab. Diese hätte nämlich

auch die Abholzung des Baum-

bestandes entlang des Brandts-

weges vorgesehen, zwei große

Gebäudekomplexe sollten unmit-

telbar an der Straße entstehen.

Hier sind die Investoren be-

reits auf die Kritik eingegangen –

die aktualisierte Planung sieht

den Erhalt der Bäume vor, es ist

zum Brandtsweg nun ein Grün-

streifen mit einer Breite von bis

zu 17 Metern vorgesehen. Um

die Bäume machen sich auch

die Ratsmitglieder Sorgen,

schließlich sei man „gebranntes

Kind“, wie Johan Scholtalbers

anmerkte: Bei anderen Bauvor-

haben seien Bäume abgeholzt

worden, obwohl diese als erhal-

tenswert definiert worden wa-

ren. Vor diesem Hintergrund war

man sich nun einig, dem Erhalt

der Linden und Eichen Vorrang

vor den Wünschen der Inve-

storen einzuräumen.

Die jetzige Zufahrt zumWohn-

gebäude der Hofstelle, in dem

noch Wohnungen bewohnt sind,

soll laut Planung zunächst als

Baustraße für die Erschließung

genutzt, später aber zurück-

gebaut werden. Stattdessen

soll eine rechtwinklig auf den

Brandtsweg treffende Straße

angelegt werden, die ringför-

mig durch das neu entstehende

Wohnquartier führen könnte.

Im Planungsausschuss stand

Sven Beckmann, als Projekt-

entwickler für Exklusiv Immo-

bilientätig, gemeinsam mit dem

für die Vorplanung beauftrag-

ten Architekten Rede und Ant-

wort. Kritiker aus der Siedlung

am Brandtsweg hatten vor der

Sitzung einen Fragen- und For-

derungskatalog eingereicht, mit

dem sie ihre Bedenken zum Aus-

druck brachten. Zudem wurden

Unterschriften gesammelt.

Unter anderem werden Zwei-

fel am Bedarf für einen neuen

Wohnpark in dieser Größen-

ordnung geäußert. In den mitt-

leren Gebäuden, die über zwei

Voll- und ein Staffelgeschoss

verfügen sollen, sind insgesamt

45 Wohneinheiten vorgesehen.

Hinzu kommen die Bauplätze für

Einfamilienhäuser – und die zwei

großen Gebäude, die in dreige-

schossiger Bauweise errichtet

werden sollen. Gerade diese

großen Baukörper sorgen für

Unmut. Was denn genau darin

untergebracht werden soll, war

eine zentrale Frage, auf die Sven

Beckmann auch in der Sitzung

noch keine verbindliche Anwort

zu geben vermochte. „Wir ste-

hen in Kontakt mit möglichen

Betreibern, erklärte der Pro-

jektentwickler, gedacht werde

derzeit an eine Einrichtung für

betreutes Wohnen. Auch wenn

dies kein baurechtlich definierter

Begriff sei, wisse doch jeder,

was gemeint sei, so Beckmann:

„kleine Wohneinheiten für äl-

tere Menschen, dazu Gemein-

schaftsräume auf den Etagen

und Pflegepersonal sowie Ver-

sorgungseinrichtungen im Ge-

bäude.“ Seitens der Kritiker wird

geargwöhnt, dass möglicher-

weise am Ende ein Alten- und

Pflegeheim geplant sei – und

das sei an dieser entlegenen

Stelle nicht richtig platziert.

Auch im Ausschuss wurde

diskutiert, ob ein Wohnpark, der

sich speziell auch an ältere, al-

leinstehende Menschen richten

soll, so weit außerhalb des Dorf-

zentrums sinnvoll gelegen ist.

Insbesondere die volle Dreige-

schossigkeit müsse ferner noch

diskutiert werden, so der Tenor:

Michael Rettberg (SPD) erklär-

te, dass betriebswirtschaftliche

Ansprüche potenzieller Betrei-

ber kein schlagendes Argument

seien: Investoren müssten sich

flexibel zeigen, Kompromisse

gefunden werden: „Das Projekt

soll nicht gleich wieder schei-

tern, aber es muss städtebau-

lich verträglich bleiben und dort

an den Ortsrand passen.“

Einzig die CDU positionierte

sich klar gegen das Vorhaben:

„Das passt da nicht hin, wir

sollten da besser klassische

Wohnbaugrundstücke

schaf-

fen“, sagte Knut Brammer. Er

skizzierte ferner das Risiko,

dass mit der Schaffung vieler

kleinerer Wohneinheiten auch

Probleme einhergehen könnten,

je nachdem, welche Zielgruppe

sich überwiegend einmiete.

Die anderen Fraktionen zeigten

sich vorsichtig aufgeschlossen:

„Wir sollten dem zunächst eine

Chance geben“, fasste Jörg

Schröder für die UWG zusammen

und Johan Scholtalbers (SPD)

betonte, dass es in Jaderberg

durchaus Bedarf an Mietwoh-

nungen gebe. In zentraler Lage

stünden für derlei Projekte aber

keine Flächen zur Verfügung.

Zudem müsse man den gegen-

wärtigen Zustand der Flächen

berücksichtigen, so Scholtal-

bers: Es sei grundsätzlich nur

zu begrüßen, wenn ein Investor

hier eine Entwicklung anstrebe.

Über Details sei indes noch zu

diskutieren, diese könnten dann

in einem städtebaulichen Vertrag

geregelt werden.

Es folgte dann der mehrheit-

lich gefasste Beschluss für ei-

nen neuen B-Plan. Sofern dieser

Ende November vom Verwal-

tungsausschuss bestätigt wird,

kann ein Planungsbüro eine kon-

krete Bauplanung ausarbeiten.

Diese würde dann Gegenstand

des weiteren Verfahrens, in

dem Träger öffentlicher Belange

ebenso gehört würden wie die

Nachbarn und betroffenen Bür-

ger, einschließlich öffentlicher

Auslegung der Planunterlagen.

Einwände und Hinweise müssten

dann im Rahmen der Planung

berücksichtigt und abgewogen

werden, schließlich müsste der

Gemeinderat den neuen Bebau-

ungsplan verabschieden.

Einige Monate wird das in

Anspruch nehmen, nicht selten

geht für eine solche Bauleitpla-

nung ein Jahr ins Land – zumal

hier auch Lärmgutachten und

Beweissicherungsver fahren

eine Rolle spielen werden. Der

Beginn von Abbrucharbeiten im

kommenden Frühjahr scheint

bereits ein sehr ambitioniertes

Ziel. Bis wann das Projekt denn

abgeschlossen sein soll, war

eine Frage an Sven Beckmann

im Ausschuss. „Wenn es nach

uns geht, könnte das in drei

Jahren fertig sein“, so der Pro-

jektbetreuer. Das hänge aber

auch davon ab, ob und wie

schnell Betreiber gefunden und

Grundstücke an den Mann ge-

bracht werden können.

(tz)

Der frühere Hof (hier von der Bergstraße aus gesehen) liegt

seit Jahren weitgehend verlassen da. Die nun diskutierte Pla-

nung sieht den Abbruch der Gebäude und den Neubau von

Appartementhäusern verschiedener Größen vor.

Foto: Tietz