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25. November 2017

Varel

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Vor der Kettensäge kommt der Metalldetektor

Vor umfassenden Rodungsarbeiten muss Gelände Friedrichsfeld auf Blindgänger untersucht werden

Varel/Bockhorn.

Wenn auf

dem Gelände des einstigen

Übungsplatzes Friedrichsfeld

demnächst umfangreiche Ro-

dungsarbeiten in Angriff ge-

nommen werden, dann ist das

nicht ganz ungefährlich: Im

Boden des heute bewaldeten

Bereichs könnten sich nämlich

noch Bomben, Granaten und

andere „Blindgänger“ aus dem

Zweiten Weltkrieg befinden.

Das in Summe mehr als 250

Hektar große Gelände zwischen

Osterforde und Altjührden,

einst als Ödland bezeichnete

Sumpf- und Heidelandschaft,

hat eine mehr als 100-jährige

militärische Nutzung erlebt. Von

1939 bis 1945 gab es hier einen

Fliegerhorst mitsamt Flugfeld,

Bahnanschluss und Munitions-

depot – und der war während

des Krieges Ziel alliierter Bom-

ber. Nach Kriegsende wurden

die flugtechnischen Anlagen

gesprengt.

Später nutzte die Bundeswehr

das Areal, zuletzt bis 2007 als

Standortübungsplatz für die in

Varel stationierten Einheiten. Seit

gut zehn Jahren liegt das Gelän-

de nun brach, nach wie vor ist es

Eigentum des Bundes. Und der

hat nun ein besonderes Auge

auf Friedrichsfeld geworfen, will

das Gebiet bekanntlich als Kom-

pensationsfläche für die mit dem

Bau der A 20 einhergehenden

Zerstörung der Landschaft ver-

wenden. Konkret geht es dabei

um den Abschnitt 1 der A 20 zwi-

schen der A 28 bei Westerstede

und dem geplanten Kreuz mit

der A 29 bei Hahn-Lehmden. Da

die Küstenautobahn, sollte sie

einst tatsächlich gebaut werden,

insbesondere Weide- und Grün-

land zerschneidet, muss neuer

Lebensraum für die dort vertrie-

benen Wiesenvögel angeboten

werden, so die Vorgabe. Und

hier hat man mit Friedrichsfeld

ein möglicherweise geeignetes,

großes Gelände gefunden, das

dem Bund sogar schon gehört.

Problem: Weite Teile des Gelän-

des, insbesondere im südlichen

Bereich, in dem sich einst Start-

und Landebahnen befanden,

sind inzwischen bewaldet. Bäu-

me mögen Kiebitz und Co. aber

gar nicht, sie bevorzugen offene

Feuchtwiesen – und um diese zu

schaffen, muss abgeholzt wer-

den. Etwa 45 Hektar Wald und

Gehölz soll entfernt werden.

Trotz Kritik an diesem Vorge-

hen wird an der Planung festge-

halten, die bereits vor vier Jah-

ren in Varel vorgestellt worden

war. Inzwischen hat man erste

Erfahrungen mit der Entwick-

lung des Bodens nach „Testro-

dungen“ gesammelt, und auch

die Planung für den 1. Abschnitt

der A 20 ist vorangeschritten.

Das Planfestellungsverfahren ist

nach zwei Jahren abgeschlos-

sen worden, ein Feststellungs-

beschluss wird für den kom-

menden Januar erwartet. Das

wäre praktisch die Baugeneh-

migung für alle Maßnahmen in

Zusammenhang mit besagtem

ersten Abschnitt – sofern dafür

denn die finanziellen Mittel be-

reitstehen.

Somit könnte es noch im Win-

ter losgehen in Friedrichsfeld,

mit dem Umbau von Wald und

Gehölz in offene Feuchtwiesen.

Zuvor aber muss eben dafür ge-

sorgt werden, dass die eingangs

beschriebene Gefahr durch

Blindgänger und andere Alt-

lasten minimiert wird. Etwaige

Bomben, Granaten oder andere

gefährliche Relikte aus Kriegs-

zeiten zu entfernen, ist Aufgabe

des Kampfmittelbeseitigungs-

dienstes Niedersachsen.

Bei einem Ortstermin in Varel

informierte jetzt Baurat Ansgar

Behrens von der Landesbehör-

de für Straßenbau und Verkehr

in Oldenburg, seit einem Jahr

als Projektleiter zuständig für

die Planung rund um den 1. Ab-

schnitt der A 20, zusammen mit

Vertretern der Bundesforstver-

waltung und Sprengmeister Mi-

chael Tillschneider vom Kampf-

mittelbeseitigungsdienst.

17 konkrete Verdachtspunkte

hatten sich nach Auswertung

von alten Luftaufnahmen, die

den Zustand unmittelbar nach

der Bombardierung vom März

1945 zeigen, ergeben. Zwar wa-

ren nach dem Krieg schon viele

Sprengkörper entfernt worden,

über Jahrzehnte haben Ein-

heiten der Bundeswehr außer-

dem schon mit schwerem Gerät

auf den Flächen herumgefuhr-

werkt. „Ein Problem ist, dass

es keine Dokumentation darü-

ber gibt, was seinerzeit entfernt

worden ist“, sagt Bombenprofi

Tillschneider. Gerade unter den

Baumwurzeln also, die ja dem-

nächst nun entfernt werden sol-

len, könnte noch scharfe Muniti-

on lauern.

Einige der definierten Ver-

dachtspunkte sind schon un-

tersucht – alle ohne Befund.

„Es besteht zunächst mal auch

keinerlei Gefahr für Spaziergän-

ger oder Reiter“, betont Ansgar

Behrens. Wenn es noch Spreng-

körper gibt, liegen die einige

Meter tief im Boden.

Genau da muss man aber

eben zum Ausbuddeln der Bäu-

me hin – das macht eine gezielte

und intensivere Untersuchung

auf Kampfmittel notwendig.

Zunächst geht es dabei um die

sogenannten

Rückegassen,

schon in den Wald geschlagene

Schneisen, in die auch schwere

Fahrzeuge vorrücken können,

um die gefällten Bäume aufzu-

laden.

Die schon gelaufenden Son-

dierungen hatte der Bundes-

forst als Eigentümer veranlasst.

Die Sucharbeiten übernehmen

in der Regel private Unterneh-

men, der Kampfmitteldienst als

Landesbehörde kommt erst ins

Spiel, wenn tatsächlich etwas

gefunden wird. Das könnten

zum Beispiel Sprengbomben

sein, 450 Kilo das Stück. Sollten

solche Sprengkörper gefunden

werden, müssten sie entschärft

oder auch gesprengt werden,

je nach Lage und Zustand. „In

der Regel wird in letzterem Fall

in einem Umkreis von tausend

Metern evakuiert“, sagt Spreng-

meister Tillschneider. Davon

wären unter Umständen Oster-

forde, Teile von Altjührden oder

auch die B 437 betroffen.

Wenn der Planfeststellungs-

beschluss für den ersten Bau-

abschnitt der Küstenautobahn

rechtskräftig ist, soll mit den

Ausgleichsmaßnahmen umge-

hend begonnen werden – das

Zeitfenster ist eng, wie Baurat

Ansgar Behrens betont: Drei

Jahre sind vorgesehen, um

mehrere Wald- und Gebüsch-

bestände zu beseitigen, Hoch-

bauten abzureißen und massiv

befestigte Straßen und Wege

aufzuheben. Dabei muss auch

auf die Brut- und Setzzeit Rück-

sicht genommen werden.

Nach dem Umbau wird der

südliche Teil, in dem sich die

Wiesenbrüter niederlassen sol-

len, für den Freizeitbetrieb voll

gesperrt. Dafür werden derzeit

noch abgesperrte Bereiche wie

die einstige Kaserne und das

Munitionsdepot, in das Erho-

lungsgebiet einbezogen, neue

Wegeverbindungen etwa zum

Grabsteder Weg und über den

Grabhorner Weg im Bereich

der Achterlandsbäke sollen ge-

schaffen werden.

(tz)

Schon vor fast fünf Jahren

hatte die Straßenbaubehörde

in Friedrichsfeld zu Versuchs-

und Vergleichszwecken rund

1,2 Hektar Wald abholzen las-

sen. Im kommenden Jahr soll

nun umfassend gerodet wer-

den.

Archivbild: Tietz