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Freitag, 25 August 2017 11:25

Was bedeutet der Klimawandel für das Trinkwasser?

geschrieben von Christoph Hinz
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Verbandsvorsteher Sven Ambrosy und OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht erläuterten die Zusammenhänge rund um die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet.  Verbandsvorsteher Sven Ambrosy und OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht erläuterten die Zusammenhänge rund um die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet. Foto: Christoph Hinz
Forschungsprojekt: Wissenschaftler untersuchen Grundwasser und Bedarf in der Zukunft
Friesland.
Rechtzeitig auf die Erhöhung des Meeresspiegels einstellen wollen sich der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) und der Landkreis Friesland. Gemeinsam mit mehreren Partnern sollen Grundlagen dafür geschaffen werden, dass in der Küstenregion Friesland auch für die nächsten Generationen genug Süß- und Trinkwasser vorhanden sein wird. „Wenn eine Region weiter wachsen will, muss sie gutes Wasser haben“, sagte Landrat Sven Ambrosy, der zugleich OOWV-Verbandsvorsteher ist.
Der OOWV ist einer von sieben Projektpartnern, zu denen auch die Abteilung für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Gewässerschutz des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau der TU Braunschweig gehört. Am Dienstag wurde im Wasserwerk Sandelermöns offiziell das Forschungsprojekt „Implementing strategic development goals in coastal aquifer management“ (go-CAM) gestartet.

Das Projekt geht unter anderem der Frage nach, wie groß die Gefahr der Versalzung des Grundwassers ist und wie Wasserversorger, Entwässerungsverbände und Landwirtschaft dafür sorgen können, dass es auch in den kommenden Generationen in ausreichendem Maße zur Verfügung steht.
Grundsätzlich sei die Wasserversorgung im Küstenraum auch mittel- und langfristig gesichert, sagte Verbandsgeschäftsführer Karsten Specht. Die Versalzungsgrenze verlaufe noch nicht in unmittelbarer Nähe der Trinkwasserressourcen in Frieslands Brunnen. Gleichwohl müsse man Wege finden, nicht zu viel Süßwasser per Entwässerung ins Meer zu leiten und es in der Region zu halten. Das Projekt solle in diesem Zusammenhang auch in einen Dialog münden und so den Ausgleich der Bedürfnisse von Landwirtschaft, Industrie und Naturschutz bewirken.
Für die Ostfriesischen Inseln, jeweils als kleine Modelle für Süßwasserreservoirs, wäre es ein Horrorszenario: Der Meeresspiegel steigt infolge der Klimaerwärmung, die Süßwasserlinsen geben dem Druck des Salzwassers nach, weil sie sich entweder nicht mehr ausreichend füllen oder die Entnahme ungeregelt erfolgt. Nur ein Szenario, aber nicht weit hergeholt. Auf dem Festland kann dies ebenso geschehen, in der Wesermarsch gibt es schon keine nennenswerten Süßwasservorkommen mehr, weshalb die Region aus anderen Bereichen des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) mit Trinkwasser versorgt wird – auch aus Friesland und Wittmund. „Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist nicht selbstverständlich. Schon gar nicht in einer Region, die durch den steigenden Meeresspiegel von einer Versalzung des Grundwassers bedroht ist. Vorausschauendes Handeln ist deswegen entscheidend, um mögliche Folgen der Klimaveränderungen frühzeitig zu erkennen und effektive Lösungen zu entwickeln“, so Sven Ambrosy.
Im Forschungsprojekt „go-CAM“ legt die TU Braunschweig mit Computermodellen den Fokus auf die Prozesse in den Grundwasservorkommen: unter anderem in Friesland, von wo aus der Wasserdienstleister in den kommenden Jahren die Wesermarsch stärker versorgen und das Wasserwerk in Großenkneten entlasten wird. Das Projekt soll verlässliche Daten generieren und eine Dialog-Plattform schaffen, auf der Strategien für eine sichere Wasserversorgung auch für die kommenden Generationen entwickelt werden können. Auch in Südafrika, Brasilien und der Türkei sollen die gewonnenen Erkenntnisse und Verfahren in den dortigen Küstenregionen anwendbar sein.

Auf dem Festland diesseits der Deiche kommen noch andere Faktoren als auf den Inseln dazu. Die unerlässliche Entwässerung über Siele und Pumpen schafft hier ein Mehrfaches an Süßwasser ins Meer als vom Wasserverband gefördert wird (etwa 130 Millionen Kubikmeter im Vergleich zu derzeit 6 Millionen geförderten Kubikmetern Trinkwasser). Es gibt niedersachsenweit und so auch im Küstenraum kaum Möglichkeiten der Polderspeicherung von Wasser, und die Landwirtschaft trägt über die notwendige Düngung Nitrate ein. Weder landwirtschaftliche Flächen noch Naturbiotope würden eine starke Vernässung vertragen. Nicht zuletzt fließt Niederschlag auch in Friesland zu schnell ab, anstatt zu versickern, die Wasserhalteeigenschaften der Landschaften verbessern sich nicht von allein.
Was wie ein Dilemma aussieht, soll aber durch Forschung und einen Dialog aller potenzieller Konfliktgruppen auflösbar sein. Das ist das Ziel von „go-CAM“. Projektkoordinator Prof. Dr. Hans-Matthias Schöniger von der TU Braunschweig: „Die Versorgungssicherheit durch eine bedarfsgerechte Gewinnung von Grundwasser guter Qualität steht im Fokus der Untersuchungen. Küstengrundwasserkörper sind komplexe Systeme.“
Dass die Forscher ihren Blick auf Friesland und Ostfriesland lenken, kommt nicht von ungefähr: Entlang der niedersächsischen Küste betreibt der OOWV vier seiner 15 Wasserwerke. Der Verband muss sich die Frage stellen, welche Zukunft sie angesichts des Klimawandels haben. „Eine Überbeanspruchung der Wasserressourcen würde unweigerlich zu Nutzungskonflikten führen“, sagte OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht.
Gelesen 185 mal Letzte Änderung am Freitag, 25 August 2017 11:29

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