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Freitag, 29 Dezember 2017 11:17

Appell: Auf Feuerwerk am Nationalpark verzichten

geschrieben von Michael Tietz
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Nonnengänse bei Dangast: Wild- und Haustiere leiden alljährlich unter der Silvester-Böllerei.  Nonnengänse bei Dangast: Wild- und Haustiere leiden alljährlich unter der Silvester-Böllerei. Foto: Michael Tietz
Dangast/Nordseeküste. "Keine Böller am Watt" - unter diesem Motto haben die Kurverwaltung und das Nationalpark-Haus Dangast in den vergangenen Jahren stets dazu aufgerufen, auf Feuerwerk und Knalleffekte in der Nähe der Küsten und damit rund um den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zu verzichten.
Diesem Appell schließt sich auch die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven an. Die Naturschützer weisen auf die vielfältigen Belastungen hin, die mit der Knallerei zum Jahreswechsel einhergehen.

Für manche Tiere könne sie sogar lebensbedrohlich werden, erklärt Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung: "Bei Vögeln und anderen wildlebenden Tieren erzeugen die Knall- und Lichteffekte keine Partystimmung, sondern Panikreaktionen. Nicht nur während der Brutzeit ist Ruhe angesagt. So überwintern unter anderem zehntausende Nonnengänse und Große Brachvögel im Wattenmeer. Im Nationalpark finden sie ungestörte Rastplätze oder auch Nahrungsflächen, um den Winter zu überstehen. Sie müssen unentwegt fressen, um im Frühjahr in guter Kondition in ihre Brutgebiete zurückzukehren. Diese liegen oft fernab der Zivilisation bis hin zum Polarkreis. Umso größer ist der Schock für die Vögel, wenn im Winterquartier plötzlich in einer Nacht die Hölle losbricht."
Niederländische Forscher hätten mit Radargeräten nachgewiesen, wie sich riesige Vogelschwärme ausgelöst durch die Feuerwerksaktivitäten weiträumig von ihren Rastplätzen entfernen. ""Doch auch ohne wissenschaftliche Belege kann eigentlich jeder nachvollziehen, dass Tiere den geballten Lärm nicht gut verkraften. Besitzer von Hunden, Katzen und anderen Haus- und auch Nutztieren können nach jeder Silvesternacht ein Lied davon singen", heißt es aus der Nationalparkverwaltung.
Aus gutem Grund sind Feuerwerke im Nationalpark Wattenmeer (und auch im Nationalpark Harz und anderen Schutzgebieten) ganzjährig streng verboten. Licht- und Schallemissionen machen jedoch an den Grenzen des Nationalparks nicht Halt. Und der Feuerwerksmüll, wie die Reste der weit fliegenden Raketen, findet sich nach der Silvesternacht auch im Nationalpark und Weltnaturerbe wieder.
"Außerhalb der Nationalpark-Grenzen können wir die Verbote des Nationalpark-Gesetzes natürlich nicht anwenden", so Südbeck. "Hier stehen Kommunen, Touristik, aber auch jeder Einzelne, ob einheimisch oder Gast, in der gemeinsamen Verantwortung für das Weltnaturerbe." Ein freiwilliger Verzicht auf Böller und Raketen im Umfeld des Nationalparks sei nicht gleichbedeutend mit einem Verlust an Spaß. "Hier ist auch Kreativität gefragt, neue Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen, die Glücksmomente im Einklang mit der Natur vermitteln." Als Beispiel wird eine Sternenwanderung jenseits des Partygetümmels, am Meer oder durch die Dünen, angeführt: "Die funkelnden Lichter gibt es hier gratis."

Für viele Menschen gehören Böller und Raketen zum Jahreswechsel nach wie vor dazu. Nach Schätzungen des Verbands der pyrotechnischen Industrie werden die Bundesbürger zu Silvester 2017 voraussichtlich rund 137 Millionen Euro für Feuerwerksartikel ausgeben. Laut einem Bericht in der Wirtschaftswoche knallt jeder vierte Deutsche (23%) zum Jahreswechsel. Ein gutes Viertel der Befragten (27 %) empfindet hingegen Feuerwerk als pure Geldverschwendung, 13 Prozent der Deutschen sind davon genervt.
Gelesen 558 mal Letzte Änderung am Freitag, 29 Dezember 2017 11:38

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