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Varel & Dangast

UNESCO hat entschieden:

Wattenmeer ist Weltnaturerbe

Das Wattenmeer der Nordsee ist von der UNESCO-Welterbekommission als Weltnaturerbe anerkannt worden und steht damit jetzt auf einer Stufe etwa mit dem Great Barrier Reef in Australien, dem Serengeti-Nationalpark in Afrika oder den Galapagos-Inseln im Pazifik.


Das Wattenmeer an der Nordseeküste: Eine einmalige Biosphäre – und nun auch Weltkulturerbe.  (Foto: Katharina Kundt)

Das Welterbe-Komitee der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) hat im spanischen Sevilla dem deutsch-niederländischen Gemeinschaftsantrag zugestimmt.

Das Komitee würdigte das Wattenmeer in einer Mitteilung als „eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde”. Das Gebiet sei ein einzigartiges Ökosystem mit einer besonderen Artenvielfalt.
„Die Entscheidung des Komitees, den einzigartigen Wert des Wattenmeers als Welterbe anzuerkennen, verleiht den Bemühungen um die weltweite Vernetzung von Kultur- und Naturerbe neuen Auftrieb", sagte der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission Walter Hirche.


„Mehrere Luftsprünge”
Gleich mehrere Luftsprünge haben nach eigenen Angaben die Mitarbeiter im Nationalpark-Haus Dangast gemacht.
„Die Aufnahme zeichnet eine großartige Landschaft aus, die in vielerlei Hinsicht weltweite Bedeutung hat, so etwa als Drehscheibe des Weltvogelzuges“, sagte Lars Klein, Leiter des Nationalpark-Hauses Dangast, „es ist der größte zusammenhängende Wattenkomplex der Erde, hier laufen viele Vernetzungsfäden von Kanada über Sibirien bis Afrika zusammen.“

„Ritterschlag für Niedersachsen”
„Wir sind glücklich, dass die weltweit einzigartige Lebenswelt Wattenmeer diesen hoch verdienten Status bekommt – jeder, der schon einmal an unseren Küsten unterwegs war, weiß um den Wert dieses ganz besonderen Ortes“, erklärte Sven Ambrosy, Vorsitzender des Tourismusverbandes Niedersachsen und Landrat des Landkreises Friesland.  „Diese Auszeichnung wird positiv auf die ganze Region ausstrahlen, und sie ist ein Ritterschlag für ganz Niedersachsen“.



Künftig werde es für Urlauber, die an naturnahem Tourismus interessiert sind, mit dem bedeutenden Weltnaturerbe-Titel einen weiteren Grund geben, die niedersächsische Nordseeküste zu besuchen.
Salzwiesenlehrpfade bieten hier an verschiedenen Orten den direkten Kontakt mit den vielen Gesichtern des Wattenmeers, genauso wie geführte Wattwanderungen, beispielsweise zur Vogelinsel Minsener Oog oder durch den Jadebusen.
„Der Welterbe-Titel sorgt dafür, dass solche Angebote weltweit noch bekannter werden“, so Ambrosy. Bereits jetzt ziehe es allein in den Landkreis Friesland jährlich mehr als eine halbe Million Gäste.

Befürchtungen, der neue Status des Wattenmeeres als Welterbe kollidiere mit Interessen etwa aus der maritimen Wirtschaft, teilt Ambrosy nicht. Schon jetzt sei das Wattenmeer durch strengste Naturschutz-Bestimmungen geschützt, schon jetzt müsse
also immer ein Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen und Interessen der Natur gefunden werden.
Der Welterbe-Titel bringe keine neuen Regelungen, er sei im Gegenteil der Lohn für lange Bemühungen um den Naturschutz – und er werfe ein international sichtbares Schlaglicht auf diese Region. Davon könne die Tourismuswirtschaft, können die Menschen vor Ort enorm profitieren.

„Tor zum Nationalpark Wattenmeer“
Auch Varel mit seinem Nordseebad Dangast könne von der Anerkennung profitieren, betont Lars Klein.
So werde in der Arbeit des Nationalpark-Hauses die Stadt bereits als „Tor zum Nationalpark Wattenmeer“ bezeichnet, da sie die südlichste Anbindung an den Nationalpark Wattenmeer aufweise, die zudem gut erschlossen sei. „Daraus könnte jetzt ganz offiziell das Motto `Tor zum Weltnaturerbe Wattenmeer´ werden, eine Chance, die auf Abruf bereit liegt und im Nationalpark-Haus jetzt in das Informationskonzept eingearbeitet wird.”


Hintergrund: Das Wattenmeer
Das Wattenmeer ist mit mehr als 9.500 Quadratkilometern eines der größten Feuchtgebiete der Welt. Es bietet Lebensraum für rund 10.000 Tiere, Pflanzen und Kleinstlebewesen.
Kein anderes Gebiet der Erde hat eine größere zusammenhängende Sand- und Schlickfläche. Jedes Jahr rasten zehn bis zwölf Millionen Zugvögel im Wattenmeer und machen einen Zwischenstopp auf dem Weg von Südafrika nach Nordsibirien und Kanada. Brutvögel sind an der Nordseeküste ebenso zu finden wie Wattwürmer, Kegelrobben und Schweinswale. Die Möglichkeit, dieses Gebiet bei Ebbe zu Fuß zu durchwaten, hat dem Wattenmeer seinen Namen gegeben.

Hintergrund 2.0: Die UNESCO-Welterbekonvention
186 Staaten haben das „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt” seit 1972 unterzeichnet. Das Kultur- und Naturerbe der Menschheit zu schützen, liegt damit nicht allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, sondern ist Aufgabe der Völkergemeinschaft.
Die Vertragsstaaten verpflichten sich, ihre nationalen Welterbestätten durch gesetzliche, technische und finanzielle Maßnahmen zu erhalten. Das UNESCO-Welterbekomitee entscheidet jährlich über Neuanträge, die von den Unterzeichnerstaaten vorgelegt werden. Das Komitee prüft, ob die vorgeschlagenen Stätten die Kriterien der Konvention erfüllen. Außerdem muss ein überzeugender Erhaltungsplan vorliegen. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) und die Internationale Naturschutzunion (IUCN) beraten das Komitee in seiner Arbeit.

Bis zum 30. Juni entscheidet das Welterbekomitee über weitere Neueinträge. Insgesamt wurden in diesem Jahr 27 Nominierungen zur Aufnahme in die Welterbeliste eingereicht.
(Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.)


Chronologie bei SPIEGELonline:

Wie das Wattenmeer zum Welterbe wurde

Autor: Michael TietzDatum: 26.06.2009

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