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Freitag, 23 Februar 2018 11:42

GELB-Vortrag: Vom Statussymbol zum Massenprodukt

geschrieben von Andrea Bartels
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Gesundheitsberaterin Susanne Balduff bei ihrem Vortrag über Fleischkonsum im Wandel der Zeiten. Gesundheitsberaterin Susanne Balduff bei ihrem Vortrag über Fleischkonsum im Wandel der Zeiten. Foto: Andrea Bartels
Bockhorn. „Fleischlos glücklich?“ lautete der Vortrag der Gesundheitsberaterin Susanne Balduff in der Altdeutschen Diele in Steinhausen. Auf Einladung des Gesprächskreises Gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) kamen viele Interessierte, um den Vortrag der Gesundheitsberaterin zu hören.
„Jeder sollte sich kritisch mit dem Fleischkonsum auseinandersetzen. Denn die ökologischen und gesundheitlichen Probleme sind einfach zu groß“, stellte Susanne Balduff voraus. Mit dem Wohlstand sei der Fleischverbrauch gestiegen, während Anfang der 1960er Jahre Fleisch noch als Statussymbol galt. Nun werde es zur billigen Massenware degradiert: „Die meisten Menschen wissen nicht mehr um die Zusammenhänge in der Landwirtschaft oder der Tierproduktion.“
Die globale Fleischproduktion ist laut Weltagrarbericht in den letzten 50 Jahren von jährlich 78 auf 308 Millionen Tonnen angestiegen. „80 Prozent der Verbraucher würden mehr für Tierprodukte zahlen, wenn sich dafür die Tierhaltung verbessern würde“, so die Referentin. Allerdings kaufe die Mehrheit der Verbraucher das Fleisch im Supermarkt – und nur 1,4 Prozent griffen dabei zu Bio-Fleisch. In den größten Schlachtfabriken würden bis zu 46.000 Schweine täglich geschlachtet. „Es gibt neue Technologien, um möglichst viele Tiere in einem Stall zu halten, Futtermittelcomputer, Melkroboter. Und nicht zuletzt das Lohndumping in den Schlachthöfen macht Fleisch, Wurst und Milch zu billiger Massenware“, führte Susanne Balduff aus.
Aber welche Auswirkungen hat der immense Fleischkonsum? Die Referentin nannte hier zunächst die Umweltschäden: „Böden sind CO2-Speicher. Werden die Wiesen umgebrochen zum Anbau für Futtermittel (Mais oder Soja), wird klimaschädliches CO2 frei. Viele Tiere bedeutet viel Methan. Auch Methan ist schädlich für das Klima. Das Ausbringen von Gülle setzt Lachgas frei. Lachgas hat eine 300-fache Klimaschädlichkeit im Vergleich zu CO2.“
„Gülle haben wir viel zu viel. Gülle enthält Nitrat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.“ Im Moment seien die Nitrat-Werte im Trinkwasser noch nicht über den Richtwerten. „Aber es weiß noch keiner, wie Trinkwasser von Nitrat gereinigt werden kann.“ Als weiteres Kriterium für den kritischen Umgang führte Susanne Balduff wirtschaftliche Bedenken an: „Flügel und Beinfleisch der Hühnchen werden subventioniert nach Afrika exportiert. Dort ist es dann um die Hälfte billiger als bei den heimischen Bauern.“
Ein großes Problem seien die multiresistenten Keime, die durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika bei Tieren entstehen würden. „Es wird an Alternativen für Fleischproduktion gearbeitet,“ so die Referentin. „An Fleisch aus dem Reagenzglas“. Allerdings sei die Forschung hier noch in den Kinderschuhen. Der große Markt der Fleischersatzprodukte hätte laut der Gesundheitsberaterin nichts mit gesunder Ernährung zu tun: „Erstellt meist aus Soja und vielen Zusatzstoffen. Das kann nicht gesund sein.“
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