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Freitag, 13 Juli 2018 12:10

„Hier werden alle Kinder aufgenommen!“

geschrieben von Anja Süßmuth-Gerdes
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Stephanie Ende, Maike Damrau, Birte Marschalk und Imke Molenda (v. l.) freuen sich über das Integrationskonzept. Die Kinder selbst genießen ihren Aufenthalt in der Kinderkrippe Emkenburg in vollen Zügen. Stephanie Ende, Maike Damrau, Birte Marschalk und Imke Molenda (v. l.) freuen sich über das Integrationskonzept. Die Kinder selbst genießen ihren Aufenthalt in der Kinderkrippe Emkenburg in vollen Zügen. Foto: Anja Süßmuth-Gerdes

Integrationsgruppe in der Kinderkrippe Emkenburg − Förderung von Anfang an

Zetel. Seit einem Jahr gibt es in der Kinderkrippe Emkenburg in Zetel eine Integrationsgruppe für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Bereits im Jahr zuvor war die kleine Rieke, die als Frühchen einen solchen Förderbedarf hat, in die Krippe aufgenommen worden. „Diesem Bedarf konnten wir jedoch damals noch nicht gerecht werden“, erzählt Krippenleiterin Birte Marschalk, und so sprang zunächst eine Heilpädagogische Fachkraft aus einer anderen gemeindeeigenen Einrichtung aushilfsweise ein. Nach vielen Gesprächen mit der Mutter des Mädchens und in enger Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister der Gemeinde Zetel, Heiner Lauxtermann, wurde schließlich ein Konzept entwickelt, um Integration und Inklusion in der Kinderkrippe Emkenburg umsetzen zu können: Die in der Einrichtung beschäftigte Erzieherin Imke Molenda wurde im Rahmen einer berufsbegleitenden Ausbildung in Rastede zur Heilpädagogischen Fachkraft geschult. Hierbei habe der grundsätzliche Umgang mit Menschen im Hinblick auf Inklusion und Gleichberechtigung für alle im Mittelpunkt gestanden, erzählt Imke Molenda. Die Integrationskinder erhalten Unterstützung, um ohne eine Sonderstellung zu beziehen den Alltag in der Kinderkrippe miterleben zu können. „Das ist eine ganz spannende Aufgabe und mit jedem Kind eine ganz neue, andere Arbeit“, so Imke Molenda begeistert.
Anders als in den Kindergärten sei das Konzept der Integration im Krippenbereich noch immer sehr unbekannt, berichtet Birte Marschalk. Dabei ist der Bedarf da und die Umsetzung des Konzepts eine positive Erfahrung auch für alle anderen Kinder. Wer im nächsten Jahr einen Krippenplatz für sein Kind benötigt, sollte sich bereits jetzt nach den Sommerferien anmelden. Das Jahr Vorlaufzeit ermögliche es, sich auf die individuellen Bedarfe der Kinder einzustellen. Hier werde Inklusion gelebt, so Birte Marschalk, alle Kinder werden in der Kinderkrippe Emkenburg aufgenommen. Auch ein blindes Kind könne sich hier beispielsweise gut zurechtfinden, erläutert die Krippenleiterin weiter, schließlich sei die Einrichtung komplett barrierefrei. Ein Kind mit erhöhtem Förderbedarf ist bereits für das nächste Krippenjahr angemeldet.
„Das geballte Fachwissen und der geballte Austausch der verschiedenen Berufsgruppen in der Kinderkrippe Emkenburg ist eine wunderbare Sache“, beschreibt Maike Damrau die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachkräfte im Rahmen der Integration. Sie begleitet die Integrationskinder in der Kinderkrippe als Selbstständige Sprachheilpädagogin. Heutzutage gebe es erheblich mehr Kinder mit einem Sprachförderbedarf als früher, berichtet sie, außerdem habe sich die Problematik verändert: Während es früher hauptsächlich Lautstörungen zu therapieren galt, leiden die Mädchen und Jungen heute eher unter Kommunikationsstörungen. Sie können ihre Gefühle nicht in Worte fassen und Dinge nicht mehr detailliert beschreiben. Als Grund für diese Entwicklung führt Maike Damrau beispielsweise an, dass viele Kinder heute immer weniger Feedback von ihren Eltern erhalten. Der Blick auf das Smartphone scheine oft wichtiger als in den Dialog mit dem Kind so treten, sodass der Nachwuchs in vielen Fällen komplett abgeschirmt sei. Die Generation der Mütter und Väter, die heute vielfach in isolierten Kleinfamilien oder Einkindfamilien leben, haben ein alternatives Verhalten oft selbst nicht mehr gelernt.
Physiotherapeutin Stephanie Ende begleitet die Integrationskinder in der Kinderkrippe Emkenburg ebenfalls − beispielsweise durch eine gezielte Förderung ihrer Motorik. Auch sie freut sich sehr über den interdisziplinären Austausch der verschiedenen Berufsgruppen und somit die Verquickung der zu fördernden Bereiche Sprache, Soziales und Motorik. Auch die Mutter der bisher in der Einrichtung geförderten heute dreijährigen Rieke sei kontinuierlich mit in den Austausch eingebunden worden, erzählt die Physiotherapeutin. Das Mädchen habe ganz tolle Fortschritte gemacht, berichtet Stephanie Ende, und Riekes Mutter habe sich sehr darüber gefreut, dass die Therapie ihrer Tochter direkt in der Krippe stattfinden konnte. Stephanie Ende erzählt weiter, dass bei der in der Gruppe stattfindenden Therapie viele andere Kinder einfach mitgemacht haben. „Toll, dass in der Krippe Integration angeboten wird“, hebt die Physiotherapeutin hervor. Der Bedarf sei auch in diesem Alter schon da, so Stephanie Ende, und bei vielen ihrer jungen Patienten in ihrer Praxis habe sie gedacht: „Wenn es die Integration in der Krippe vorher gegeben hätte, hätten viele Kinder eine bessere Förderung bekommen.“ Durch das Konzept sei es zudem für die Betroffenen möglich, nachmittags einfach nur in ihrer Familie zu sein, ohne Fokus auf die Krankheit und den Förderbedarf.
Diesen Aspekt hebt auch Riekes Mutter Grit Arnold hervor: Weil sich die Förderung ihrer Tochter in der Krippe abgespielt hat, sei der Familienalltag deutlich entlastet worden. Schon frühzeitig habe sie gemerkt dass bei ihrer Tochter Rieke, die als Frühchen geboren wurde, ein Förderbedarf besteht. Nach diesbezüglichen Gesprächen mit Birte Marschalk habe diese sofort Kontakt zum Zeteler Bürgermeister aufgenommen, bevor Erzieherin Imke Molenda mit ihrer Zusatzausbildung begann. Rieke habe im Rahmen der Förderung in der Kinderkrippe zum Beispiel Handsignale erlernt, die ihr die Kommunikation wesentlich erleichtern, erzählt Grit Arnold und freut sich, dass ihre Tochter die Kinderkrippe Emkenburg von Anfang an sehr gerne besucht habe.
Auch Bürgermeister Heiner Lauxtermann zeigt sich glücklich über die Entwicklung in der Kinderkrippe Emkenburg: Nach fünf Jahren des Bestehens können man schon von einer Erfolgsgeschichte sprechen, die Entwicklung und die Veränderungen − auch baulich − seien enorm. Die demographische Entwicklung zeige, dass Eltern ihre Kinder immer früher in die Krippe geben, so Heiner Lauxtermann. „Wir werden als Kommune immer in diesem Bereich auf die Bedarfe reagieren müssen“, so Heiner Lauxtermann, der diesbezüglich auf die Unterstützung von Bund und Ländern hofft.
Derzeit gibt es in der Kinderkrippe Emkenburg eine Vormittagsgruppe, die zugleich die Integrationsgruppe ist. Diese Gruppe beinhaltet 14 Plätze. Außerdem existiert eine Ganztagsgruppe mit 15 Plätzen. Die Nachfrage sei höher als das Angebot, so Krippenleiterin Birte Marschalk:„Im August sind wir voll, bisher bestand immer ein Puffer von drei bis vier Plätzen, das gibt es nicht mehr, man ist krippenoffener geworden“, so die Krippenleiterin. Birte Marschalk hebt zudem hervor, dass die Gemeinde Zetel sehr schnell auf entsprechende Bedarfe reagiere, dies sei nicht überall selbstverständlich. Auf dem Weg von der Kinderkrippe bis zur Schule haben die Kinder nur profitiert, berichtet Birte Marschalk von den positiven Rückmeldungen der Eltern und Fachkollegen. Der Aufenthalt der Mädchen und Jungen in der Krippe sei als Familienergänzung zu verstehen: „Uns ist es das Wichtigste, dass es den Kindern hier gut geht.“
Gelesen 1822 mal Letzte Änderung am Montag, 16 Juli 2018 12:47

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