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Freitag, 02 November 2018 12:22

Biosphärenreservat: Mehr Chancen als Risiken?

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Biosphärenreservat: Mehr Chancen als Risiken? Symbolbild: Thorsten Soltau
Zetel. Marsch, Geest und Moor, von den in der Wehde lebenden Menschen über Jahrhunderte geformt und kultiviert, bilden eine besondere Kulturlandschaft, die im nördlichen Teil Deutschlands eine besondere Rolle einnimmt. Wie lässt sich dieser Bereich des Binnendeiches auch für zukünftige Generationen sichern und unter nachhaltigen Gesichtspunkten voranbringen? Eine Möglichkeit bietet hier die Zertifizierung der Gemeinde Zetel als Biosphärenreservatsgemeinde.
Den genauen Prozess hinter der UNESCO-Auszeichnung stellte in der jüngsten Umwelt- und Planungsausschuss-Sitzung Peter Südbeck als Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer vor. Die Zertifizierung soll vor allem eines schaffen: Eine nachhaltige Regionalentwicklung, „die eine gerechte, lebensfähige und lebenswerte Welt schafft“, wie der Peter Südbeck erläuterte.
Das Biosphärenreservat gliedert sich in drei Teile. In der Mitte liegt die geschützte Kernzone, umgeben von einer Pufferzone. Um diese gruppieren sich die jeweiligen Gemeinden als sogenannte Entwicklungszone. Während im Kern- und Puffergebiet Naturschutz- und Landschaftsgebietsregelungen Anwendung finden, ist die Entwicklungszone frei von Naturschutzauflagen. Das liege daran, dass die Entwicklungszone nicht nach dem Bundesnaturschutzgesetz definiert ist, wie Peter Südbeck erklärte: „Wir legen keiner Kommune hinterher einen Zehn-Punkte-Plan vor. Es gibt keine Vorschriften, vieles kann, aber nichts muss.“
Das gesamte Konzept basiert laut Südbeck auf Freiwilligkeit und Interesse an einer gemeinschaftlichen Gemeindeentwicklung in kleinen Schritten. Das macht auch die Zielsetzung deutlich, unter anderem Partnerschaften mit Tourismusorganisationen, Restaurants sowie Hotel- und Herbergsbetreibern zu bilden oder den Nahverkehr von Bus und Bahn weiter voran zu bringen. Hinzu kommt der Erhalt regionaler Kultur – die Perspektiventwicklung schließt dabei die Landwirtschaft mit ein. Ein Punkt ist dabei die Förderung der biologischen Landwirtschaft und der Biodiversität, beispielsweise durch Bauerngärten oder Kompensationsflächen. Auch die Förderung regionaler Erzeugnisse, etwa unter der Marke „Wattenmeer-Produkt“, sei möglich.
Peter Südbeck sprach in diesem Zusammenhang von Chancen statt Risiken: Die Ängste vor einer Entwicklungszone nach dem Bundesnaturschutzgesetz, einem zwanghaften Naturschutz oder Einschränkungen im Baurecht seien unbegründet. Die Gemeinden erhielten die Möglichkeit, ihr Image nach außen und die Identität nach innen auszubauen und ferner von Fördermöglichkeiten durch die Zertifizierung zu profitieren.
Der nächste Beitrittsprozess beginnt im Januar 2019. Für die interessierten Gemeinden besteht damit die Möglichkeit, zur Jahresmitte 2020 über den Beitritt abzustimmen.

Die Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses verfolgte auch Hartmut Seetzen als Kreislandvolk-Vorsitzender. In der Sitzung durften allerdings ausschließlich Zeteler Einwohner Fragen zur Thematik Biosphärenreservat stellen. Auf Nachfrage des Friesländer Boten erläutert Hartmut Seetzen nach der Sitzung die Hintergründe für die ablehnende Haltung der Landwirtschaft gegenüber einer Zertifizierung als Biosphärenreservatsgemeinde.
So befürchten die Landwirte unter anderem, dass nach einem Wechsel in der Landesregierung die in der Entwicklungszone befindlichen Flächen der jeweiligen zertifizierten Gemeinden unter Landschafts- oder Naturschutz gestellt werden könnten. Zwar werde seitens der Nationalparkverwaltung eine solche Vorgabe verneint, doch „die Erfahrungen in den letzten 30 Jahren haben gezeigt, dass immer etwas oben drauf kommt“. so Hartmut Seetzen.
Mit der Zertifizierung würde sich die jeweilige Gemeinde zudem in vielen Bereichen verbindlich festlegen, was nachträglich nicht mehr so einfach geändert werden könne. Auch den seitens der Nationalparkverwaltung erwähnten touristischen Vorteil hält Hartmut Seetzen für überschaubar: „Wenn wir einen heißen Sommer haben, zieht es die Urlauber ohnehin in die Küstenregion.“ Ein weiteres Problem zeichnet sich laut dem Kreislandvolk-Vorsitzenden auch bei der Verteilung der Fördermittel ab. „Wenn viele zertifizierte Gemeinden dabei sind, geht es zwangsläufig nach einer Rangliste“, so Hartmut Seetzen. Dann könne es auch sein, dass die Fördermittel wegen der Vielzahl der sich bewerbenden Gemeinden gering ausfallen.
Ausschlaggebendes Kriterium in der Diskussion sei jedoch die Sorge, dass es bei der freien Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen zu Einschränkungen kommt. „Von Seiten der Landwirtschaft lehnen wir das deshalb für Friesland ab. Da gibt es kein Verhandeln“, sagt Hartmut Seetzen mit Nachdruck. Auf lange Sicht sei die Landwirtschaft Verlierer, „was von den Gemeinden wiederum aufgefangen werden muss.“ Gleichwohl, fügt der Kreislandwirt hinzu, sei man mit der Politik in Friesland sehr zufrieden, viele Projekte würden von der hiesigen Landwirtschaft wohlwollend begleitet.
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