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Dienstag, 24 Juli 2018 15:59

Der Tod von Kater Jerry – ein Denkanstoß?

geschrieben von Thorsten Soltau
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Jethausen. Dürfen Jäger, im Außenbereich einfach auf Hauskatzen schießen? Das ist eine von vielen Fragen, die sich das Ehepaar Martina und Ingo Schmidt aus Jethausen seit dem Tod ihres Katers Jerry stellt. Jerry ist vor den Augen seiner Besitzer von einem Jäger aus der Nachbarschaft erschossen worden, rund 50 Meter von der Haustür entfernt. Ingo Schmidt sieht, dass die Katze, die der Jäger ins Gebüsch gelegt und mit Gras bedeckt hat, noch lebt und fährt mit ihr zur Tierärztin – ohne Erfolg.
„Hätten wir das nicht mitbekommen, wäre nie herausgekommen, was mit Jerry passiert ist“, sagt Ingo Schmidt.
Die Polizei hat sich der Sache angenommen und, wie Pressesprecherin Andrea Papenroth von der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland auf Nachfrage mitteilt, fünf Waffen nebst Munition bei dem Jäger sichergestellt. Der Jagdschein sowie die Waffenbesitzkarte sind ebenfalls eingezogen worden. Die Ermittlungen wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dauern noch an. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist hervorragend gelaufen“, betont Ingo Schmidt. Auch das Gespräch mit Kreisjägermeister Henning Freiherr von Schele, der das Ehepaar nach dem Vorfall besucht hat, bezeichnet Ingo Schmidt als positive Geste. „Es geht uns nicht darum, pauschal die Jäger zu verurteilen. Wir haben selber Jäger im Bekanntenkreis, die fassungslos darüber sind, was uns widerfahren ist.“
Das Ehepaar Schmidt wünscht sich vor allem eins: dass die Jäger im ländlichen Außenbereich sensibler sind in der Ausübung der Jagd und Rücksicht nehmen: „Ein Querschläger und ein Erwachsener oder ein Kind wird getroffen. Wir wollen uns das nicht vorstellen.“

Interview mit Kreisjägermeister Henning Freiherr von Schele

Varel. Henning Freiherr von Schele ist Kreisjägermeister für den Landkreis Friesland. Der Friesländer Bote hat sich in einem schriftlichen Interview mit ihm über die Rechte von Jägern und den Vorfall in Jethausen unterhalten:

Wie viele Jäger gibt es derzeit im Landkreis Friesland? Welche Aufgaben nehmen diese wahr?
„Im Landkreis Friesland besitzen circa 850 Jäger einen gültigen Jagdschein. Nicht alle Jagdscheininhaber sind automatisch Mitglieder der Landesjägerschaft oder der örtlichen Jägerschaften.
Jäger haben zunächst den gesetzlichen Auftrag, für einen landeskulturell angepassten Wildbestand zu sorgen, wie es im Gesetzestext heißt. Daneben nehmen sie eine Vielzahl von Aufgaben auch im öffentlichen Interesse wahr – die Bergung und Beseitigung von Unfallwild gehört zum Beispiel dazu. Zudem investieren sie viel Zeit und Engagement zum Erhalt der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft, beispielsweise durch vielfältige lebensraumverbessernde Maßnahmen.“

Wie sieht es mit den gesetzlichen Vorgaben aus? An was habe ich mich als Jagdausübender zu halten? Kann ich als Hausbesitzer dem Jäger verweigern, mein Grundstück zu betreten?
„Jäger müssen sich an eine Vielzahl von Gesetzen und Vorschriften halten – die wichtigsten in diesem Zusammenhang sind das Bundesjagdgesetz, das Niedersächsische Jagdgesetz, das Waffengesetz sowie das Tierschutzgesetz.
Grundsätzlich gilt in Deutschland das Prinzip der flächendeckenden Jagdausübung. Das heißt, Eigentümer jagdbarer Flächen sind kraft Gesetzes Pflichtmitglied in einer Jagdgenossenschaft und diese Jagdgenossenschaft verpachtet das Jagdrecht an den/die Jäger. Grundstückseigentümer, welche mindestens eine zusammenhängende Grundfläche von 75 Hektar jagdbarer Flächen besitzen, können auf ihrem Grundstück (Eigenjagdbezirk) die Jagd selbstständig ausüben. Natürlich müssen sie im Besitz eines Jagdscheines sein.
Dem Jäger ist es grundsätzlich gestattet, die zu einem Jagdbezirk gehörenden Grundstücksflächen zur Jagdausübung zu betreten. Davon ausgeschlossen sind Hofräume und Hausgärten, die an ein Gebäude anschließen und durch eine Umfriedung begrenzt sind. Der Gesetzgeber spricht in diesem Zusammenhang von befriedeten Bezirken. Während die gesetzliche Vorgabe im Zusammenhang mit geschlossenen Ortschaften leicht nachzuvollziehen ist, muss man im Außenbereich schon etwas genauer hinschauen. Hier kommt es letztendlich immer auf Augenmaß und Rücksichtnahme durch den Jagdausübungsberechtigten an.“

Bei dem Vorfall in Jethausen hat ein Jäger eine Hauskatze ohne ersichtlichen Grund erschossen, dazu in unmittelbarer Nähe von Personen und Wohnbebauung. Wie bewerten Sie den Fall?
Auf jeden Fall kann ich keinerlei Verstöße eines Jägers gegen geltende Gesetze gutheißen. Das Niedersächsische Jagdgesetz räumt dem Jagdschutzberechtigten die rechtliche Möglichkeit ein, wildernde Katzen, welche sich mehr als 300 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt befinden, zu erlegen. Der Begriff des Jagdschutzes meint in diesem Zusammenhang den Schutz der freilebenden Tierarten vor wildernden Katzen. Dass deren negativer Einfluss insbesondere auf Singvögel durchaus vorhanden ist, belegen verschiedene wissenschaftliche Studien. Das Töten wildernder oder verwilderter Katzen unter dem genannten Rechtsrahmen ist, so zeigt die Erfahrung, allerdings immer das letzte Mittel. Nach den mir vorliegenden Informationen wurde bei dem Vorfall in Jethausen von dem Jäger der gesetzlich vorgegebene Mindestabstand deutlich unterschritten. Zudem könnte noch ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegen. Die rechtliche Würdigung des Vorfalls obliegt letztendlich der Jagdbehörde und/oder der Staatsanwaltschaft.“

Gegen den Jäger ermittelt derzeit die Polizei wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Welche Schritte oder Aufarbeitung erfolgen seitens der Kreisjägerschaft?
„Hierzu verweise ich auf die Stellungnahme der Jägerschaft Friesland-Wilhelmshaven.“

Was kann ich als Bürger tun, wenn ich einen Verstoß gegen Vorgaben und Regeln mitbekomme? An wen wende ich mich in so einem Fall?
„Das kommt sicherlich immer auf den Einzelfall an. Grundsätzlich sollte immer zunächst das Gespräch mit dem Jäger und/oder dem Revierinhaber gesucht werden
. Wenn der Verdacht im Raum steht, dass eine ungesetzliche Handlung begangen wurde, kann sich der betroffene Bürger an die örtliche Polizei oder die Jagdbehörde beim Landkreis Friesland wenden.“


Stellungnahme der Jägerschaft Friesland-Wilhelmshaven:

„Der Vorstand der Jägerschaft Friesland-Wilhelmshaven erwartet von jedem seiner Mitglieder, dass es sich an die gesetzlichen Vorgaben und an die geschriebenen Gesetze der Waidgerechtigkeit hält. Weiterhin wünschen wir uns von unseren Mitgliedern, dass sie bei der Jagdausübung auf die Befindlichkeiten der nichtjagenden Bevölkerung tunlichst Rücksicht nehmen und die Jagdausübung möglichst so gestalten, dass es zu keinen Konflikten mit der Bevölkerung, insbesondere mit den Grundstückseigentümern bejagbarer Flächen, kommt. Im konkreten Fall bleibt zu hoffen, dass sich der Jäger und die Revierinhaber mit den Geschädigten in Verbindung setzen und sich für den Vorfall entschuldigen.
Im Rahmen der Disziplinarordnung der Jägerschaft kann gegen Jäger, welche vorsätzlich oder grob fahrlässig gegen Gesetze oder Verordnungen verstoßen, vorgegangen werden. Das Verfahren ist nicht öffentlich. Daher ist es uns aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, Auskünfte zum Mitgliedsstatus des betroffenen Jägers bzw. zum Sachstand eines eventuellen Disziplinarverfahrens zu geben.
Der bedauerliche Vorfall in Jethausen wird bereits sehr intensiv im Kreis unserer Mitglieder diskutiert. Dieses gibt uns die Möglichkeit, gegenüber unseren Mitgliedern nochmals eindringlich auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und der geschriebenen Gesetze der Waidgerechtigkeit hinzuweisen.“
Gelesen 1831 mal Letzte Änderung am Dienstag, 24 Juli 2018 16:08

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