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Freitag, 21 September 2018 11:47

Protestaktion gegen Abholzung in Friedrichsfeld

geschrieben von Michael Tietz
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Schon vor mehr als fünf Jahren war in Friedrichsfeld abgeholzt worden: Damals wurden Testfelder angelegt, auf denen  geprüft werden sollte, wie sich die Gehölze in Feuchtwiesenland umwandeln lassen. Nun soll genau das in großem Stil umgesetzt werden. Schon vor mehr als fünf Jahren war in Friedrichsfeld abgeholzt worden: Damals wurden Testfelder angelegt, auf denen geprüft werden sollte, wie sich die Gehölze in Feuchtwiesenland umwandeln lassen. Nun soll genau das in großem Stil umgesetzt werden. Archivbild: M. Tietz
Mahnwache am Sonntag. Gelände ist inzwischen voll gesperrt.

Varel/Bockhorn.
„Hambi bleibt!“ – unter diesem Schlachtruf stehen die Widerstandsbemühungen im Hambacher Forst, mit der die Abholzung von wertvollem Wald für den Braunkohletagebau verhindert werden soll. In Anlehnung an den Protest in Nordrhein-Westfalen, der bundesweit Schlagzeilen macht, könnte das Motto in Friesland in etwa lauten: „Fidi bleibt!“ Denn auch hier, auf dem Gelände Friedrichsfeld zwischen Varel und Bockhorn, einem ehemaligen Übungsplatz der Bundeswehr, soll bekanntlich in größerem Stil abgeholzt werden.

Hintergrund ist der geplante Bau der Küstenautobahn A 20 durch die norddeutsche Landschaft vom Ammerland ins Alte Land: Hunderte Hektar Fläche sollen für das rund 112 Kilometer lange Autobahnstück versiegelt werden. Hunderttausende Tonnen Sand müssten aufgefahren, Moor- und Marschlandschaften zerstört, Gemeinden zerschnitten werden. Ein erheblicher Verlust von landwirtschaftlichen Flächen wäre mit dem Bau der A 20 verbunden, ebenso die Vernichtung von Natur- und Lebensräumen. Letztere gilt es nach Bundesnaturschutzgesetz auszugleichen. Beim konkreten Beispiel Friedrichsfeld hat das zur Folge, dass vorhandene Biotope, in dem Naturschützer zahlreiche seltene und geschützte Arten ausgemacht hatten, mit Bagger und Kettensäge beseitigt werden, um quasi Siedlungsfläche für andere, sogenannte Zielarten zu schaffen: Durch den Autobahnbau würden in erster Linie Weiden- und Marschflächen vernichtet, so gilt es, Wiesenbrütern wie Kiebitz oder Brachvogel eine neue Heimstatt anzubieten.
Nicht nur Naturschützer bezeichnen das als „irrsinnig“, zumal nicht garantiert ist, dass die besagten Zielarten das neue Gelände auch annehmen. Dabei kostet der Umbau Millionen. Aufwändig war allein die Sondierung und Entsorgung von Kampfmittel-Altlasten: Einst befand sich auf dem Gelände ein Militärflugplatz, bombardiert im Zweiten Weltkrieg. Mindestens 500.000 Euro hat allein diese Kampfmittelräumung gekostet.
Im September nun haben die ersten Arbeiten für die vorgesehene Umgestaltung begonnen: Offenland soll geschaffen werden, wo es jetzt Wald und Gehölz gibt – das muss nun weg. Wie die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mitteilte, wurden während der Sicherung des Geländes Artenschutzmaßnahmen vorgenommen. So wurden einige seltene Orchideenarten in verbleibende und sich entwickelnde Waldflächen, die durch Aufforstung im nördlichen Teil des Geländes entstehen, umgesiedelt. Zudem wurden die zu fällenden Bäume auf Eremitenkäfer und das Vorkommen von Fledermäusen untersucht.
Der Umbau in Friedrichsfeld wird dauern, mindestens bis zum Jahr 2021. Der Baubeginn für den ersten A 20-Abschnitt zwischen Westerstede und A 29, für den das Gebiet als Kompensationsfläche herhalten muss, kann erst danach beginnen.

BUND lädt zur Mahnwache
Mit Blick auf den Start der Umgestaltungsarbeiten im Gelände Friedrichsfeld und den damit verbundenen Eingriffen in gesetzlich geschützte Biotope, lädt die Kreisgruppe Friesland, des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) an diesem Sonntag, 23. September, um 14 Uhr zu einer Mahnwache vor Ort ein. „Die Zerstörung der Natur ist gerade in diesen Tagen wieder überregional spürbar“, heißt es in der Ankündigung: „In Friedrichsfeld werden rund 75 Hektar Wald, Biotope und geschützte Landschaftsbestandteile mit einer einzigartigen Artenvielfalt für die Umgestaltung in eine Wiesenfläche zerstört.“ Zu der einstündigen Mahnwache an der Friedrichsfelder Straße sind alle eingeladen, die sich mit dem Gebiet, das vielfältig als Naherholungsfläche genutzt wird, verbunden fühlen“, schreibt Thomas Coldewey von der BUND-Kreisgruppe Friesland im Aufruf zur Aktion am Sonntag.

Explosive Funde: Betreten ab sofort untersagt
Ab sofort gilt für den ehemaligen Truppenübungsplatz Friedrichsfeld ein absolutes Betretungsverbot. Eine entsprechende Anordnung hat der Kreisausschuss des Landkreises Friesland am Mittwoch beschlossen.
Hintergrund sind die Belastung des Geländes durch Sprengmittel und Munition. Wie berichtet, waren zur Vorbereitung der Umgestaltungsarbeiten (s. oben) umfangreiche Sondierungsmaßnahmen durch den Kampfmittelräumdienst erfolgt, dabei ist viel Munition im Gelände entdeckt worden, immer wieder mussten Granaten gesprengt werden. Es ist nun für das gesamte, mehr als 200 Hektar große Gebiet nach wie vor von einer erheblichen Kampfmittelbelastung auszugehen, teilte der Landkreis mit.
Damit sei „eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben“ verbunden. Entsprechende Schilder weisen bereits auf das Zutrittsverbot hin.
Die Verordnung hat zunächst eine Geltungsdauer von drei Jahren. Nach Auskunft von Joachim Delfs, Leiter der zuständigen Straßenbaubehörde in Oldenburg, hat die Sperrung aber keinen Einfluss auf die angelaufenen Rodungsarbeiten, dieser Teil ist vom Räumdienst freigegeben worden.
Gelesen 2322 mal Letzte Änderung am Freitag, 21 September 2018 11:52

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