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Mittwoch, 15 Januar 2020 17:00

ThyssenKrupp will Standort Varel 2021 aufgeben

geschrieben von Michael Tietz
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Betriebsgebäude von ThyssenKrupp Aerospace im Aeropark Neuenwege, links im Hintergrund das Werk von Premium Aerotec: die Kooperation endet nach zehn Jahren im März 2021. Was aus den mehr als 200 Beschäftigen wird, ist derzeit offen. Betriebsgebäude von ThyssenKrupp Aerospace im Aeropark Neuenwege, links im Hintergrund das Werk von Premium Aerotec: die Kooperation endet nach zehn Jahren im März 2021. Was aus den mehr als 200 Beschäftigen wird, ist derzeit offen. Foto: Michael Tietz
Ende der Partnerschaft mit Premium Aerotec: Bis zu 229 Beschäftigte betroffen – Bestürzung bei Politik und Gewerkschaft

Varel.
Der Konzern Thyssen­Krupp wird seine Niederlassung im Aeropark Neuenwege im nächsten Jahr aufgeben. Wie ein Unternehmenssprecher am Mittwoch bestätigte, werde man die Kooperation mit Premium Aerotec (PAG) zum 31. März 2021 beenden. Die Beendigung der Zusammenarbeit erfolge in gegenseitigem Einvernehmen, teilte der Sprecher von ThyssenKrupp Materials Services (zu der die Sparte Aerospace gehört) auf Nachfrage mit. Zuvor hatte die IG Metall Wilhelmshaven unter der Überschrift „Ausverkauf im Aeropark?“ mitgeteilt, dass durch das Ende der Zusammenarbeit bis zu 229 Arbeitsplätze bedroht seien.

Das Premium-Aerotec-Werk liegt direkt auf der anderen Straßenseite, es war einziger Auftraggeber für ThyssenKrupp Aerospace in Varel. Im Jahr 2011 hatte der Essener Konzern eine Niederlassung im damals neu eingerichteten Aeropark direkt vor dem Werksgelände von Premium Aerotec gebaut. Damals war mit der Airbus-Tochter ein Zehnjahresvertrag über verschiedene Arbeitspakete geschlossen worden, in erster Linie hat ThyssenKrupp Logistik- und Vorfertigungsleistungen übernommen. Premium Aerotec konnte so im Werk Kapazitäten für das Kerngeschäft, also die Teilefertigung und den Vorrichtungsbau, erweitern.
ThyssenKrupp übernimmt beispielsweise die Lagerung und den Umschlag von Flugzeugkomponenten vornehmlich für die Modellreihen A 380 und den Militärtransporter A 400M. Das umfasst auch sogenannte Werkstoff- und Anarbeitungsdienstleistungen wie die Just-in-time-Lieferung, das Supply-Chain-Management und Endbearbeitung wie etwa das Entgraten.

"Wegfall der A380-Pakete nicht zu kompensieren"
Hintergrund für das Ende der Vertragspartnerschaft sei nicht zuletzt die Entscheidung von PAG-Mutterkonzern Airbus, das Programm A 380 einzustellen. Im Februar 2019 hatte Airbus bekannt gegeben, dass die Produktion des Großraumjets A 380 bis 2021 eingestellt werden soll.
Man habe danach auf Seiten von ThyssenKrupp Aerospace gemeinsam mit Partner Premium Aerotec sämtliche Optionen und mögliche Alternativen geprüft und abgewogen, teilte der Sprecher weiter mit: „Bedauerlicherweise entfällt mit dem Ausbleiben der Aufträge für den A 380 jedoch die Grundlage für einen langfristigen, wirtschaftlichen Betrieb der Produktions- und Logistikkapazitäten in Varel.“ Für die Fertigung einer A 380-Maschine werden demnach etwa sieben Mal mehr Materialien benötigt als für ein Flugzeug des nächst kleineren Typen. Hinzu kämen einige auf die Baureihe A 380 zugeschnittene Dienstleistungen. Es bestehe keine Möglichkeit, das Volumen zu kompensieren, so das Fazit.

Betroffen von dem Rückzug aus Neuenwege sind bei Thyssen­Krupp insgesamt bis zu 229 Beschäftigte. Sie wurden am Dienstag vor Ort über die Entscheidung informiert. Ab März 2020 sollen Verhandlungen um Interessenausgleich und Sozialplan mit den Arbeitnehmervertretern geführt werden. Besorgt ist man unter anderem bei der Gewerkschaft IG Metall: Zwar werde Premium Aerotec alle Mietverträge, Vermögenswerte und den Materialbestand übernehmen, jedoch nicht die vorhandenen Arbeitskräfte, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall Wilhelmshaven. „Wir sehen hier beide Unternehmen in der Pflicht, eine ordentliche Perspektive für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schaffen und die Arbeitsplätze in der Region zu halten“ so Martina Bruse, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Wilhelmshaven.
Nach Informationen der Gewerkschaft sei Premium Aerotec nun auf der Suche nach neuen Dienstleistern, auf die die bisherigen Arbeitspakete der ThyssenKrupp Aerospace verteilt werden sollen. Eine Verpflichtung, diese Dienstleistungen am Standort Varel zu erbringen, scheine es dabei nicht zu geben.„In der Vergangenheit hat sich das Konzept eines zentralen Dienstleisters als Erfolg für alle Beteiligten erwiesen. Warum die Arbeitspakete nun auf mehrere Firmen verteilt werden sollen, erschließt sich uns nicht“, so Martina Bruse.
Eine Sprecherin von Premium Aerotec teilte am Mittwoch lediglich mit, dass das Unternehmen die entsprechenden Tätigkeiten neu ausschreiben werde. Ziel sei es ferner, die Gebäude im Aeropark weiterhin zu nutzen.

Landrat: "Werden den Abbau von Arbeitsplätzen nicht akzeptieren"
Alarmiert von der Nachricht der Standortschließung zeigten sich Landrat Sven Ambrosy sowie Bürgermeister Gerd-Christian Wagner. „Erinnerungen an die Airbus-Krise von 2007 und 2008 werden da wach“, so Ambrosy. Der Rückzug von ThyssenKrupp sei bedauerlich, die Tatsache, dass noch keine Regelung für die betroffenen Mitarbeiter gefunden sei, hingegen „schlicht inakzeptabel“. „Ich habe die klare Erwartung, dass der Arbeitgeber hier eine zufriedenstellende Lösung findet, aber auch bei Premium Aerotec muss man die Menschen im Blick behalten“, so der Landrat. Gerd-Christian Wagner bezeichnete die Nachricht als „betrüblich“. Mit allen Mitteln müsse nun versucht werden, eine gute Nachfolgeregelung zu finden. Schon vor zwölf Jahre sei es gelungen, gemeinsam mit Landes- und Kommunalpolitik sowie den Gewerkschaften eine ideenreiche Lösung zu finden. „Oberstes Ziel muss der Erhalt der Arbeitsplätze in Varel sein“, so Wagner, erste Gesprächstermine seien bereits vereinbart.
Es dürfe sich nicht wiederholen, dass ganze Strukturen in Frage gestellt werden, betonte Landrat Ambrosy. Es dränge sich angesichts des gegenwärtigen Hochlaufs bei Airbus und Premium Aerotec zudem die Frage auf, wer eigentlich all die Flugzeuge bauen soll, wenn Arbeitsplatzabbau bei den Zulieferern im Vordergrund stehe. „Den stumpfen Abbau von Arbeitsplätzen werden wir nicht akzeptieren“, so Ambrosy, „die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich der vollen Solidarität gewiss sein.“

Ähnlich äußerte sich auch der SPD-Landtagsabgeordnete und Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies aus Sande: "überrascht und verärgert" sei er gewesen, als die Meldung aus Neuenwege ihn erreicht hat. "Ich erwarte, dass erst gesprochen und dann entschieden wird. In der Vergangenheit haben wir alle in der Region immer für solche, auch nicht ganz einfachen Gespräche zur Verfügung gestanden", erklärte Lies. Er werde in der kommenden Woche zu einem Gespräch einladen. "Wir müssen sichern, dass die Erfolgsgeschichte im Aeropark weitergeht und die Kolleginnen und Kollegen eine Perspektive haben". In der Luftfahrtindustrie mangele es nicht an Aufträgen. Daher müsse es auch Beschäftigung in der Zulieferbranche geben.
Gelesen 7522 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Januar 2020 18:03

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